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Rossini Opera Festival

Pesaro
11.08.2026 - 23.08.2026


L'occasione fa il ladro

Burletta per musica in einem Akt
Libretto von Luigi Prividali
Musik von Gioachino Rossini

In italienischer Sprache mit italienischen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1 h 40' (keine Pause)

Wiederaufnahme-Premiere im Teatro Rossini in Pesaro am 12. August 2026
(Premiere der Produktion: 16. August 1987)
(rezensierte Aufführung: 15. August 2026)


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Rossini Opera Festival

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Theater aus dem Koffer

Von Thomas Molke / Fotos: © Studio Amati Bacciardi (Rossini Opera Festival)

In manchen Jahren kommt es vor, dass beim Rossini Opera Festival in Pesaro und beim Belcanto Opera Festival Rossini in Wildbad das gleiche Werk des Schwans von Pesaro auf dem Programm steht. Zuletzt war das 2021 mit Elisabetta regina d'Inghilterra der Fall. In diesem Jahr ist bei beiden Festspielen Rossinis vierte Farsa L'occasione fa il ladro zu erleben. Allerdings handelt es sich jeweils nicht um eine Neuinszenierung sondern um eine Wiederaufnahme einer alten Produktion. In Bad Wildbad hat Festspiel-Intendant Jochen Schönleber seine Inszenierung aus dem Jahr 2017 mit einem neuen Ensemble einstudiert. In Pesaro geht man sogar fast bis zu den Anfängen des Festivals zurück und nimmt eine Inszenierung wieder ins Programm, die erstmals 1987 einen großen Erfolg verbuchen konnte und in den Folgejahren 1989, 1996 und 2013 erneut auf dem Spielplan stand. Sie stammt von Jean-Pierre Ponnelle, einem der bedeutendsten Musiktheaterregisseure der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, der sich in seinen Arbeiten im Gegensatz zu vielen seiner Kolleginnen und Kollegen vehement einer vordergründigen Aktualisierung widersetzte und stets an der Musik orientierte. Von 1968 bis zu seinem Tod 1988 prägte er unter anderem mit seinen zahlreichen Inszenierungen die Salzburger Festspiele nachhaltig. Auch in Pesaro wären sicherlich noch weitere Produktionen gefolgt, wenn er nicht kurz nach einem Sturz in den Orchestergraben während der Proben in Tel Aviv an Herzversagen gestorben wäre. So bleibt dem Festival nur die Möglichkeit, mit der erneuten Wiederaufnahme von L'occasione fa il ladro die Erinnerung an dieses Ausnahmetalent wachzuhalten. Für die Wiederaufnahmeregie zeichnet erneut Sonja Frisell verantwortlich.

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Folgenreiche Begegnung im Gasthaus: Conte Alberto (Dave Monaco, links) trifft auf Don Parmenione (Matteo Mancini, rechts) und seinen Diener Martino (Giuseppe Toia, Mitte).

Ausgangspunkt der Handlung sind zwei Koffer, die bei einem Aufenthalt in einem Landgasthaus nach einer Gewitternacht versehentlich vertauscht werden. Don Parmenione findet allerdings in dem Koffer des anderen Gastes, Conte Alberto, dessen Pass und das Portrait einer wunderschönen Frau, die Don Parmenione für Albertos zukünftige Braut hält. Da Alberto erzählt hat, dass er diese noch nie gesehen hat, beschließt Don Parmenione kurzerhand, sich selbst als Alberto auszugeben und die junge Dame zu ehelichen. Um die Verwirrung komplett zu machen, hat diese junge Dame, Berenice, allerdings beschlossen, mit ihrer engen Vertrauten und Dienerin Ernestina die Rollen zu tauschen, damit sie als scheinbares Dienstmädchen den zukünftigen Gemahl zunächst einmal in Augenschein nehmen kann. So wirbt Don Parmenione um die Falsche und muss sich gleichzeitig noch mit Alberto herumstreiten, der natürlich auch im Haus der Braut erscheint, sich aber verrückter Weise mehr zu dem Dienstmädchen als zu der vermeintlichen zukünftigen Braut hingezogen fühlt. Nach zahlreichen Verwicklungen stellt sich heraus, dass Ernestina die Schwester eines Freundes von Don Parmenione ist, die mit einem Verführer durchgebrannt ist und nun von Don Parmenione zurückgeholt werden soll. Berenice ist froh, dass der wahre Alberto sie auch als Dienstmädchen geliebt hätte, und so gibt es am Ende zwei glückliche Paare.

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Komplette Verwirrung? Wer ist der richtige Conte Alberto? von links: Alberto (Dave Monaco) Berenice (Damiana Mizzi), Don Eusebio (Manuel Amati), Ernestina (Martiniana Antonie) und Parmenione (Matteo Mancini), im Hintergrund: zwei Statistinnen mit Martino (Giuseppe Toia) in der Mitte

In der Inszenierung nimmt Don Parmeniones Diener Martino eine Schlüsselrolle ein. Gemäß Libretto ist es der Diener, der Don Parmenione überredet, den falschen Koffer zu öffnen, und damit die ganzen Verwicklungen erst in Gang setzt. So betritt er bereits vor der Ouvertüre mit einem riesigen Koffer den Zuschauerraum und überreicht daraus dem Dirigenten Alessandro Bonato und einigen Musikerinnen und Musikern im Graben die Partitur. Dann schleppt er den Koffer auf die bis dahin noch leere Bühne und lässt ihm während der Ouvertüre die Figuren des Stückes entsteigen. Auch ihnen überreicht er die Rollenbücher und zaubert anschließend vereinzelte Requisiten aus dem Koffer. Das Bühnenbild entsteht ebenfalls auf seine Anweisung. Mit relativ einfachen Mitteln entwickelt sich die Bühne mit bemalten Vorhängen zunächst zu einem Gasthaus, das sich später durch leichte Veränderungen auf der Rückseite in einen Saal im Hause Don Eusebios, des Onkels der Braut, verwandelt. So viel bühnenbildnerisches Geschick mit einfachen Mitteln löst beim Publikum spontanen Szenenapplaus aus.

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Berenice (Damiana Mizzi) stellt Don Parmenione (Matteo Mancini) auf die Probe.

Während Schönleber in Bad Wildbad Don Parmenione und seinen Diener Martino als Gaunerpaar darstellt, das sich mit einer Vielzahl präparierter Koffer darauf spezialisiert hat, in dem Landgasthaus andere Reisende zu bestehlen, wird auch in der Inszenierung von Ponnelle bezweifelt, dass der Koffertausch wirklich zufällig passiert. Als Martino Alberto dessen Koffer zur Weiterreise übergeben soll, friert die Szene einen Moment ein. Martino bemerkt, dass Albertos Koffer mit dem von Parmenione identisch ist und beschließt bewusst, Alberto den falschen Koffer zu überreichen. Parmenione fordert zunächst auf, das Versehen sofort rückgängig zu machen und Alberto seinen Koffer zu bringen, aber Martino kann ihn überzeugen, den Koffer zu öffnen. Das Portrait der jungen Frau fegt dann auch bei Parmenione alle vorherigen Zweifel beiseite, und er ist bereit, Albertos Identität anzunehmen. Dass die vermeintliche Braut ganz anders aussieht, stört ihn dabei weniger, da auch Ernestina ihre Reize besitzt. Das alles wird in wunderschönen Kostümen mit einer sauber geführten Personenregie umgesetzt, die sich genauestens an die Musik hält. Da sitzt jede Bewegung, sei es ob die beiden Frauen verwirrt zum Takt der Musik auf die Chaiselongue zurücksinken oder Don Parmenione und Alberto die Waffen zücken, um den Streit um die Braut und die eigene Identität im Duell zu klären. Martino agiert die ganze Zeit über als Strippenzieher, lässt nach erfüllter Mission einen Großteil der Requisiten wieder im Koffer verschwinden und taucht schließlich selbst darin ab.

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Ende gut, alles gut: im Koffer: Martino (Giuseppe Toia), auf der Chaiselongue von links: Berenice (Damiana Mizzi) und Ernestina (Martiniana Antonie), dahinter von links: Alberto (Dave Monaco), Don Eusebio (Manuel Amati) und Parmenione (Matteo Mancini)

Dieses herrlich inszenierte Verwechslungsspiel wird von den Solistinnen und Solisten darstellerisch und stimmlich großartig umgesetzt. Giuseppe Toia, der tags zuvor auch im Belcanto-Konzert sein komödiantisches Talent unter Beweis gestellt hat, gestaltet die Partie des Martino mit großer Bühnenpräsenz und enormem Spielwitz. Faszinierend ist dabei auch immer wieder seine Beweglichkeit, wenn er beispielsweise von der Bühne in den Orchestergraben springt und blitzschnell wieder auftaucht. Hinzu kommt ein dunkel gefärbter Bariton mit großer Beweglichkeit, den er vor allem in seiner Arie "Il mio padrone è un uomo" unter Beweis stellen kann, wenn er von Don Eusebio und Ernestina angetrieben wird, endlich die wahre Identität seines Herrn preiszugeben. Ihm zur Seite steht mit Matteo Mancini als Don Parmenione ein Bariton, der mit virilen Tiefen und kraftvollen Höhen einen Schwerenöter mimt, der für eine schöne Frau auch mal bereit ist, eine andere Identität anzunehmen. Dave Monaco hält als Alberto mit strahlendem Tenor und leuchtenden Spitzentönen dagegen und beweist im Zusammenspiel mit Mancini ebenfalls sehr großes komödiantisches Talent. Die kleine Partie des Don Eusebio hat man in einer Inszenierung selten so präsent gesehen. Hier scheint er zunächst gar nicht einverstanden damit zu sein, dass seine Nichte Berenice mit Ernestina die Rollen tauschen will. Beim Auftauchen der beiden Bräutigame zeigt er sich völlig überfordert. Das alles wird von Manuel Amati mit großartiger Komik und lebhaftem Tenor umgesetzt.

Auch die beiden weiblichen Partien lassen keine Wünsche offen. Martiniana Antonie gibt mit warmem Mezzosopran eine bezaubernde Ernestina, bei der man gut nachvollziehen kann, dass Parmenione sich sofort in sie verliebt und die Frau auf dem Bild vergisst. Auch stimmlich harmonieren Mancinis Bariton und Antonies Mezzosopran wunderbar miteinander. Damiana Mizzi begeistert als Berenice mit beweglichem Sopran und sauber ausgesungenen Koloraturen. Ihr Parlando ist wie bei den anderen in den schnellen Szenen ebenfalls großartig und auf den Punkt. Dass sie außerdem komisches Talent besitzt, kann sie vor allem im Duett mit Mancini unter Beweis stellen, in der Don Parmenione sich ihr als vermeintlichem Dienstmädchen gegenüber recht anzüglich benimmt und sie im Gegenzug versucht, ihn als Hochstapler zu entlarven. Stimmlich wird im Zusammenspiel mit Monaco deutlich, wer das passende zweite Paar darstellt. Begleitet wird das gut aufgelegte Ensemble von dem souverän aufspielenden Orchestra Sinfonica G. Rossini unter der Leitung von Alessandro Bonato. So gibt es am Ende berechtigten Applaus für alle Beteiligten und für eine Inszenierung, die trotz der Jahre noch keinen Staub angesetzt hat.

FAZIT

Die Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle ist auch nach so vielen Jahren ein absoluter Genuss, wenn sie von einem derart spielfreudigen Ensemble umgesetzt wird.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Alessandro Bonato

Regie, Bühnenbild und Kostüme
Jean-Pierre Ponnelle

Wiederaufnahmeregie
Sonja Frisell

Licht
Fabio Rossi


Orchestra Sinfonica G. Rossini


Solistinnen und Solisten

Don Eusebio
Manuel Amati

Berenice
Damiana Mizzi

Conte Alberto
Dave Monaco

Don Parmenione
Matteo Mancini

Ernestina
Martiniana Antonie

Martino
Giuseppe Toia

Statistinnen und Statist
Valentina Bonci
Arrmando De Ceccon
Ermelinda Pansini

Kinderstatist
Gianluca Fraternale

 


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