Buffo-Perlen von Rossini
Von Thomas Molke
/ Fotos: © Studio Amati Bacciardi (Rossini Opera Festival)
Matteo Mancini und Giuseppe Toia haben beide eine besondere
Beziehung zu Pesaro. Mancini wurde hier 1998 geboren, und beide waren 2023 im
Rahmen der Accademia Rossiniana in der alljährlichen Produktion von Il
viaggio a Reims beim Rossini Opera Festival zu erleben. Mancini sang
damals den Spanier Don Alvaro, Toia machte als Don Profondo vor allem in der
berühmten Katalogarie "Io! Medaglie incomparabili" auf sich aufmerksam. Seitdem
sind sie an zahlreichen Bühnen im In- und Ausland aufgetreten und kehren in
diesem Jahr als Don Parmenione und Martino in Rossinis Farsa L'occasione fa
il ladro nach Pesaro zurück. Doch das ist noch nicht alles. Gemeinsam
bestreiten sie auch das erste Belcanto-Konzert im Teatro Rossini. Da sie
als Baritone prädestiniert für das Buffo-Fach sind, haben sie ein "Best Of" der
Buffo-Stücke von Rossini zusammengestellt.
Den Anfang macht Mancini mit der berühmten Kavatine des
Figaro aus Il barbiere di Siviglia. Passend zur Geschichte inszeniert er
auch seinen Auftritt und überlässt Michele d'Elia, der das Konzert am Pianoforte
begleitet, zunächst allein die Bühne, um effektvoll nach den ersten gesungenen
Tönen zu erscheinen. Mancini begeistert mit einer kraftvollen, klaren Stimme und
einer großartigen Textverständlichkeit. Dabei spielt er die Selbstgefälligkeit
des Figaro in der Szene wunderbar aus. Toia macht im Anschluss bei seinem ersten
Auftritt direkt deutlich, dass ihm die Komik gewissermaßen in die Wiege gelegt zu
sein scheint. So gibt er einen herrlich grantelnden Bartolo, der seinem Mündel
Rosina klarmachen will, dass er sich nicht hereinlegen lässt. Neben profunden
Tiefen begeistert Toia vor allem mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit in
den Parlando-Stellen, wobei er die Atmung bühnenwirksam in die Szene mit
integriert. Man fürchtet fast, dass der Doktor wirklich einen Herzinfarkt
bekommt, wenn er sich dermaßen echauffiert.

Matteo Mancini (rechts) und Giuseppe Toia (links)
im Duett als Dandini und Don Magnifico
Es folgen Auszüge aus Rossinis La Cenerentola, wobei die
beiden Partien Dandini und Don Magnifico wieder genau passend mit Mancini und
Toia besetzt sind. Mancini hat erneut den Schalk im Nacken, wenn er sich als
verkleideter Prinz Don Ramiro darüber amüsiert, wie er von den Töchtern Don
Magnificos hofiert wird, und hat eine Riesenfreude daran, später die Bombe
platzen zu lassen, dass er nur der Kammerdiener ist. Toia malt sich als Don
Magnifico mit wunderbar gespielter Arroganz sein Leben am Hof aus, wenn eine
seiner beiden Töchter den Prinzen geheiratet hat. Natürlich muss darauf das
berühmte Duett "Un segreto d'importanza" folgen, in dem Magnifico wissen will,
für welche Tochter sich der vermeintliche Prinz entschieden hat, stattdessen
aber erfahren muss, dass er vom Kammerdiener an der Nase herumgeführt worden
ist. Mancini spielt die Überlegenheit des Dandini mit großartiger Komik aus,
während Toia sich als düpierter Don Magnifico in eine regelrechte Furie
verwandelt. Erneut punkten beide auch in den wahnsinnig schnellen Parlando-Stellen.
Warum der Block mit Auszügen aus Rossinis erster Oper La
cambiale di matrimonio von einer "Verschnaufpause" für die beiden Sänger
unterbrochen wird, erschließt sich nicht wirklich. Ein wenig ausgeglichener wäre es gewesen, erst den kompletten
Block von La cambiale di matrimonio zu bringen oder das Klavierstück
voranzustellen. Michele d'Elia holt bei "La Pesarese" aus Rossinis Album pour
les enfants dégourdis Unglaubliches aus den Tasten. Man hat das Gefühl, dass
die Tasten dabei in einen Dialog treten. D'Elia lässt an einzelnen
Stellen bewusste Pausen, die fast wie eine Kommunikation wirken. Die
geschmeidige Melodieführung wird immer wieder von einer Art Fragezeichen
einzelner Tasten unterbrochen. Das alles wird von d'Elia sehr einfühlsam
umgesetzt.

Schlussapplaus: von links: Matteo Mancini,
Michele d'Elia und Giuseppe Toia
Nach dem Duett aus La cambiale di matrimonio folgen noch
eine Arie des Taddeo aus L'italiana in Algeri und ein Block aus
Rossinis Farsa L'inganno felice, der von einer Arie des Geronio aus Il
turco in Italia unterbrochen wird. Hier macht die Unterbrechung allerdings
Sinn, da Toia sonst zwei Arien hintereinander hätte singen müssen. Als Taddeo
hat er ein paar Texthänger, die er gemeinsam mit d'Elia aber gekonnt in die
Präsentation mit einbaut. Zur Sicherheit lässt er sich anschließend für die Arie
des Geronio aber einen Notenständer auf die Bühne bringen und tritt mit Text auf, in
den er bei der Darbietung allerdings nur sporadisch schaut. Die Besetzung in
L'inganno felice hätte man nach den ersten beiden Duetten vielleicht
genau andersherum erwartet. Hier tritt Mancini als Batone auf, der
als Handlanger des Bösewichts Ormondo die schöne Fürstin Isabella einst
beseitigen sollte und nun bei dem Bergmann Tarabotto erneut auf sie trifft. Das
großartige Duett zwischen Batone und Tarabotto, in dem beide versuchen, einander
das Geheimnis um Isabella zu entlocken, bildet einen krönenden Abschluss des
Konzertes. Mancini und Toia begeistern nicht nur stimmlich und mit absolut
klarer Diktion, sondern spielen die Szene auch mit großartigem Spielwitz aus.
Natürlich will das begeisterte Publikum die beiden nach dieser
Wucht an Buffo-Perlen nicht einfach ziehen lassen. So präsentieren sie als
Zugabe das Duett "Ah vieni al mio seno" aus L'equivoco stravagante, in
dem der neureiche Bauer Gamberotto den wohlhabenden Buralicchio, den er für
seine Tochter Ernestina als Bräutigam auserwählt hat,
freudig als zukünftigen Schwiegersohn begrüßt.
FAZIT
Mancini und Toia begeistern mit Buffo-Perlen auf hohem musikalischem Niveau mit
sehr viel Spielwitz.
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Ausführende
Matteo Mancini, Bariton
Giuseppe Toia, Bariton
Michele d'Elia, Pianoforte
Werke
Gioachino Rossini
Il barbiere di Siviglia
Kavatine des Figaro
"Largo al Factotum"
(Matteo Mancini) Arie des Bartolo
"A un Dottor della mia sorte"
(Giuseppe Toia) La Cenerentola
Kavatine des Dandini
"Come un'ape ne' giorni d'aprile"
(Matteo Mancini) Arie des Magnifico
"Sia qualunque delle figlie"
(Giuseppe Toia) Duett Dandini - Magnifico
"Un segreto d'importanza"
(Matteo Mancini - Giuseppe Toia) La cambiale di matrimonio
Kavatine des Slook
"Grazie... grazie... Troppo presto"
(Matteo Mancini) IV. Album pour les enfants dégourdis
5. La Pesarese
La cambiale di matrimonio
Duetto Mill - Slook
"Dite presto, dove sta"
(Giuseppe Toia - Matteo Mancini) L'italiana in Algeri
Arie des Taddeo
"Ho un gran peso sulla testa"
(Giuseppe Toia) L'inganno felice
Arie des Batone
"Una voce m'ha colpito"
(Matteo Mancini) Il turco in Italia
Arie des Geronio
"Se ho da dirla, avrei molto piacere"
(Giuseppe Toia) L'inganno felice
Duett Batone - Tarabotto
"Va taluno mormorando"
(Matteo Mancini - Giuseppe Toia)
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