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Salzburger Osterfestspiele 2026


Gustav Mahler: 8. Symphonie

für Soli, Knabenchor, zwei gemischte Chöre und Orchester


Berliner Philharmoniker, Leitung: Kirill Petrenko


31. März 2026, Großes Festspielhaus
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Osterfestspiele Salzburg
(Homepage)
So möchte man erlöst werden

Von Bernd Stopka / Fotos von Monika Rittershaus

Herbert von Karajan gründete 1967 mit den Berliner Philharmonikern die Salzburger Osterfestspiele. Unter ihren Chefdirigenten (Karajan, Solti, Abbado, Rattle) blieben die Berliner bis 2012. 2013 übernahm die Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann, der in jungen Jahren Assistent Karajans war. Von 2023 bis 2025 residierte jährlich ein anderes Orchester. 2026 kehren nun die Berliner Philharmoniker unter ihrem jetzigen Chefdirigenten Kirill Petrenko zurück - und werden auch die nächsten Jahre das Orchester der Salzburger Osterfestspiele sein.

Mit Gustav Mahlers monumentaler 8. Symphonie steht eines der grandiosesten Werke der Musikgeschichte auf dem Spielplan. Sie wird wegen ihrer großen Besetzung die „Symphonie der Tausend“ genannt, eine Bezeichnung, die nicht auf Mahler selbst zurückgeht und nicht glücklich ist, stellt sie doch reißerisch die Menge der Ausführenden in den Vordergrund, das Event, wie man heute sagt, und nicht die Tiefe und wirkliche Größe des Werkes.

Es beginnt mit dem schöpferischen Pfingsthymnus „Veni creator spiritus“ („Komm, Schöpfer Geist, kehre ein bei den Deinen und erfülle mit der himmlischen Gnade die Herzen, die du erschaffen“), der wie ein Anfangsgebet als Hinführung auf das musikalische Weltengemälde wirkt, das Ohren, Geist und Seelen öffnen kann - und alle diese Tore an diesem Abend weit geöffnet hat.

Foto

Kirill Petrenko

Mahler führt durch die großen Fragen der Welt und des Lebens, des Menschen und der Natur - von der Schöpfung bis zur Erhöhung. Was wäre da für das Finale besser geeignet als der Schluss aus Goethes Faust II? Die Kombination zweier Texte, deren Entstehung 1000 Jahre auseinanderliegt, bedeutet für sich schon eine Reise durch Zeiten und Welten. Die Anrufung des Schöpfergeistes entwickelt sich zur Erhöhung des immer strebend sich bemühenden, in höchster Form liebenden Menschen auf den Flügeln der Kunst, der Musik, die im wahrsten Sinne erlösende Liebe singt. Damit kann man schonmal knapp eineinhalb Stunden verbringen.

Kirill Petrenko dirigiert Mahlers 8. Symphonie, keine „Symphonie der Tausend“, erliegt nie der Versuchung gewaltige, spektakuläre Klänge um des billigen Effektes willen zu erzeugen, sondern gestaltet das Menschen- und Welterlösungswerk vor allem subtil in all seiner Schönheit und Eindringlichkeit.

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Ensemble

Mit den Berliner Philharmonikern, den zu einem homogenen, ausgewogenen Gesamtklang vereinigten Chören (Rundfunkchor Berlin, Bachchor Salzburg, Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor, Tölzer Knabenchor) und den ideal aufeinander abgestimmten Solisten (Jaquelyn Wagner, Sarah Wegener, Liv Redpath, Beth Taylor, Fleur Barron, Benjamin Bruns, Gihoon Kim, Le Bu), die alle großartig sind, aber nicht als einzelne Star-Stimmen, sondern als Teil des großen Ganzen fungieren, gibt Petrenko Mahler, was Mahlers ist. Und das in den gewaltigen Ausbrüchen mit allen Musikermassen ebenso wie in den feinen und feinsten Klängen sanftester Zartheit und einfacher, klarer Struktur. Die für Petrenko so typische Detailarbeit fasziniert einmal mehr, und hier ganz besonders. Wenn ein piano singender Sopran dem pianissimo singenden Männerchor nur unaufdringlich aufstrahlend ein Glanzlicht verleiht, geht das tief unter die Haut. Dass die Herren auch martialisch klingen können und die Damen höchst energisch, steht für die Vielfalt der Qualität dieser vereinigten Chöre. Und nicht immer hört man einen so wohlklingenden, hochkultivierten Kinderchor.


Vergrößerung in neuem Fenster Jacquelyn Wagner, Beth Taylor, Fleur Barron, Berliner Philharmoniker

Das große Festspielhaus verfügt nicht über eine Orgel wie ein großer Konzertsaal. Daher tönen die Orgelklänge nicht so eindrucksvoll wie in anderen Sälen. Doch das ist eine technische, keine interpretatorische Frage. Umso gewaltiger klingen die aus dem Rang spielenden Blechbläser jeweils am Ende beider Teile.

Den ruhigen Beginn des zweiten Teiles gestaltet Petrenko nach einer langen Pause sehr feinsinnig mit berückenden Soli über feinsten Klangstrukturen, auch mit sehr modernen Klängen. Immer ohne Pathos, aber mit der angemessenen Ausdruckskraft. Und auch wenn man den Text Goethes nicht immer versteht, spürt man doch im von Mahler komponierten und von Petrenko ideal umgesetzten Gesamtbogen, dass man etwas Großartigem beiwohnt, das nicht von dieser Welt zu sein scheint. Und kein wirklicher Patzer erdet den Erlebenden.

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Benjamin Bruns, Gihoon Kim, Le Bu, Berliner Philharmoniker

Für den Auftritt der Mater Gloriosa, die in anderen Aufführungen meist von der Orgelempore aus singt, musste ein anderer Platz gefunden werden. Hier steht sie in einer Rang-Loge was auch einen kleinen theatralischen Effekt macht. Vor allem aber wirkt es im Parkett so, als sänge eine Stimme aus himmlischen Höhen. Zum überirdisch, wunderbar zart klingenden Gesang (Liv Redpath), der über allem schwebenden Frauengestalt, klingen die Streicher so balsamisch sanft, dass man kaum zu atmen wagt.

Das wie in einer Chorklang-Wolke homogen pianissimo gesungene „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis“ erklingt betörend, bevor Petrenko die Musik über die klangewaltigen und zwischendurch wieder zurückgenommenen Momente zum überwältigenden Finale führt, in dem die Kraft der Liebe, für die das Weibliche steht, apostrophiert wird. Geradezu berauschend, in einem auch körperlich spürbaren Sog.

Eine tief unter die Haut gehende und in ihrem Detailreichtum ebenso wie in ihren großen Klängen faszinierende Aufführung. "Jauchzet auf! Es ist gelungen."




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Ausführende

Sopran (Magna peccatrix)
Jacquelyn Wagner

Sopran (Una poenitentium)
Sarah Wegener

Sopran (Mater gloriosa)
Liv Redpath

Alt (Mulier Samaritana)
Beth Taylor

Mezzosopran (Maria Aegyptiaca)
Fleur Barron

Tenor (Doctor Marianus)
Benjamin Bruns

Bariton (Pater ecstaticus))
Gihoon Kim

Bass (Pater profundus)
Le Bu

Rundfunkchor Berlin
(Einstudierung: Justus Berleben)

Bachchor Salzburg
(Einstudierung: Michael Schneider)

Tölzer Knabenchor
(Einstudierung: Marco Barbon)

Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor
(Einstudierung Wolfgang Götz & Regina Sgier)

Berliner Philharmoniker

Leitung: Kirill Petrenko


Werke

Gustav Mahler:
Symphonie Nr. 8 Es-Dur


weitere Berichte von den
Salzburger Osterfestspielen 2026:

Das Rheingold



Weitere Informationen:


Osterfestspiele Salzburg



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