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Rossini in Wildbad
Belcanto Opera Festival
23.07.2026 - 02.08.2026


Le mariage en poste
(Heirat auf der Durchreise)

Opéra de salon in einem Akt
Libretto von Galoppe d'Onquaire
Musik von Jean-Baptiste Weckerlin

In französischer Sprache mit französischen und deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1 h 15' (keine Pause)

Produktion der Akademie BelCanto

Premiere im Königlichen Kurtheater am 22. Juli 2026

 

 

 

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Der Tod der Pianisten

Von Thomas Molke / Fotos: © Patrick Pfeiffer

Salonopern haben beim Belcanto Festival Rossini in Wildbad eine langjährige Tradition. Zum einen bietet das pittoreske Kurtheater ein passendes Ambiente für dieses kleinere Format, bei dem man mit einem Klavier auskommt. Zum anderen hat man sich ja gerade bei Rossini in Wildbad eher unbekannten Werken verschrieben, von denen es in diesem Genre noch einiges zu entdecken gibt. Ein weiterer Vorteil ist, dass man beim umfangreichen Programm des Festivals dem Orchester und dem Chor eine Verschnaufpause bieten kann. Nachdem man sich einige Jahre dem Schaffen Giuseppe Balduccis und anschließend Manuel Garcías gewidmet hat, hat man sich nun für eine Neuausrichtung entschieden. Da Rossini ja auch eine nicht unbeträchtliche Zeit in Paris verbracht und das dortige Musikleben ebenfalls nachhaltig geprägt hat, startet das Festival in diesem Jahr mit einem neuen Zyklus "Belcanto auf Französisch". Daher hat man den Komponisten Jean-Baptiste Weckerlin ausgewählt. Rossini lernte ihn wahrscheinlich kennen, als Weckerlin Fanny-Marie Damoreau heiratete, die Tochter der berühmten Sopranistin Laure Cinti-Damoreau, die in Rossinis französischen Opern von 1825 bis 1829 die großen Sopranrollen interpretiert hatte. Das musikalische Talent des jungen Weckerlin fiel Rossini sofort auf, so dass er ihn später zu seinen berühmten Konzertveranstaltungen "Samedi soir" einlud. Dort wurde auch am 26. Februar 1859 die Salonoper Le mariage en poste aufgeführt.

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Der Marquis de Boiscivry (Dmytro Voronov) will seine Tochter Alice (Juliette Amirault) mit einem Unbekannten vermählen.

Das Stück erfreute sich damals großer Beliebtheit. Die Erstaufführung fand bereits am 2. März 1857 im Salle Herz der Sopranistin Marie Mira statt, die dort regelmäßig Salonopern zur Aufführung brachte, in denen sie selbst die weibliche Hauptpartie übernahm. Es gab zahlreiche Folgeaufführungen zu unterschiedlichsten Anlässen, so dass auch Rossini auf dieses Stück aufmerksam wurde. Erzählt wird die Geschichte des Marquis de Boiscivry, der seine Tochter Alice mit dem vermögenden Comte Émeric verheiraten möchte. Dazu will er Alice aus Paris auf sein Schloss in der Bretagne bringen. Allerdings informiert er sie nicht über seine Pläne, kennt auch den Bräutigam noch nicht persönlich, sondern hält ihn nur für eine finanziell gute Partie. Als Alice bei einem Halt in einer Poststation von den Plänen ihres Vaters erfährt, ist sie alles andere als begeistert. Doch der junge Bräutigam weckt ihr Interesse, als sie erfährt, dass er nur eine Frau heiraten will, die ihn um seiner selbst liebt. Zufällig gelangt auch Émeric auf der Reise zum Schloss in die gleiche Poststation und hat die Absicht, seine zukünftige Frau zunächst inkognito zu betrachten. Während er allerdings Alice für die Tochter des Wirtes hält, durchschaut sie, wer er wirklich ist, und beginnt, ihn zu testen. Émeric verliebt sich in die vermeintliche Wirtstochter und will von der geplanten Hochzeit mit Alice Abstand nehmen. Alice weist ihn zunächst zurück, da sie bereits verlobt sei. Als der Marquis den unbekannten Fremden als Gauner verhaften lassen will, kommt es schließlich zur Auflösung, und Alice und Émeric heiraten noch auf der Durchreise.

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Alice (Juliette Amirault) testet inkognito den designierten Bräutigam Émeric (Erwan Fosset).

Die Oper ist für eine reine Klavierbegleitung komponiert, die in der Introduktion einen weiteren Pianisten vorsieht. Erhalten ist lediglich das eigenhändige Manuskript Weckerlins in der Bibliothèque Nationale de France, das Gianfranco Ferrara transkribierte. Dabei reduzierte er die Introduktion für Klavier auf zwei Hände. Da man beim Festival allerdings über mehrere Pianisten verfügt, hat sich das Regie-Team um Eleonora Calabrò und Festivalleiter Jochen Schönleber entschieden, die Introduktion von den ursprünglich zwei Pianisten spielen zu lassen und das Verschwinden des zweiten Pianisten nach der Introduktion in die Szene miteinzubeziehen. Wenn der musikalische Leiter des Abends, Mattia Torriglia, die Bühne betritt und sich vor dem Publikum verbeugt, sitzt Andrés Jesús Gallucci bereits am Klavier und studiert die Partitur. Es kommt zu einer kurzen wortlosen Auseinandersetzung, weil beide Pianisten die Aufführung begleiten wollen. Schließlich nimmt Torriglia auf dem Klavierhocker neben Gallucci Platz, der die Grundmelodie spielt, während Torriglia zunächst nur die Passagen der dritten und vierten Hand einwirft. Während der Introduktion sieht man den Marquis und seine Tochter, die den schweren Koffer schleppen muss, durch den Saal des Parketts laufen. Der Marquis ist ein sehr misstrauischer Mensch, der überall auf der Reise Räuber fürchtet und sich deshalb mit einer Pistole ausgerüstet hat. Als er die beiden Pianisten auf der Bühne sieht, hält er sie irrtümlich ebenfalls für Banditen und schießt. Torriglia kann sich rechtzeitig wegducken, aber Gallucci hat das Nachsehen und wird anschließend von Torriglia von der Bühne geschafft.

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Der Marquis (Dmytro Voronov, links mit Juliette Amirault als Alice) hält Émeric (Erwan Fosset) für einen Betrüger.

Nun beginnt die eigentliche Handlung auf der Bühne, die Torriglia am Klavier, das in der Mitte der Bühne positioniert ist, begleitet. Auch hier lässt er sich vereinzelt ins Stück einbeziehen, wenn sich beispielsweise Alice beschwert, nicht genügend Zeit gehabt zu haben, sich für die Reise richtig zu kleiden, und jetzt nur im Negligé unterwegs sei. Da möchte Torriglia neben seinem brillanten Spiel am Klavier doch ein wenig genauer hinsehen. Am Ende löst sich dann erneut ein Schuss aus der Pistole des Marquis, dem Torriglia dieses Mal nicht entgeht, sondern ebenfalls wie Gallucci am Anfang zu Boden fällt. Ansonsten wird die Geschichte ohne weitere Zusätze erzählt. Da es sich um eine Opéra comique handelt, gibt es zwischen den einzelnen musikalischen Nummern Dialoge, die bisweilen ein wenig lang erscheinen. Man verfügt zwar über zwei Sänger und eine Sängerin, die entweder Französisch als Muttersprache haben oder sehr gut Französisch sprechen, so dass der Sprachfluss sehr natürlich klingt. Für die des Französischen nicht mächtigen Personen im Publikum muss man da aber sehr viel Text in den Übertiteln verfolgen, was die Konzentration auf das Geschehen auf der Bühne beeinträchtigt. Die Dialoge zu kürzen scheint aber bei einer Spielzeit von rund 75 Minuten auch keine Lösung. Außerdem entschädigen die musikalischen Nummern, die sehr eingängig sind, von den relativ langen Sprechpassagen.

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Ende gut, alles gut: Émeric (Erwan Fosset, rechts) heiratet Alice (Juliette Amirault) noch auf der Durchreise (links: Marquis de Boiscivry (Dmytro Voronov), im Hintergrund am Klavier: Mattia Torriglia kurz vor dem Schuss).

Torriglia erweist sich als kongenialer Begleiter am Klavier mit großem komödiantischem Talent. Im Zusammenspiel mit Gallucci harmoniert er wunderbar zu Beginn der Oper. Die drei Gesangspartien sind mit Stipendiatinnen und Stipendiaten der Akademie BelCanto besetzt, die unter anderem auch mit Marina Viotti gearbeitet haben, die dem langjährigen Publikum in Bad Wildbad noch in bester Erinnerung sein dürfte, da auch sie ihre Karriere hier gestartet hat. Juliette Amirault gibt eine reizende Alice, die in den Dialogen mit französischem Charme alle um ihren Finger wickeln kann. Ihr Sopran klingt absolut warm und lieblich. Von daher ist es gut nachvollziehbar, dass der Comte der Faszination der aufgeweckten vermeintlichen Wirtstochter erliegt und für sie auf die Hochzeit mit der unbekannten Braut verzichten möchte. Erwan Fosset verfügt als Émeric über einen weichen, beweglichen Tenor, der seinen träumerischen Charakter unterstreicht. Stimmlich harmoniert er wunderbar mit Amirault, so dass deutlich wird, dass die beiden in der Oper füreinander bestimmt sind. Dmytro Voronov gibt den behäbigen Marquis recht polternd mit kraftvollem Bass und zeigt mit humorvollem Spiel, dass man diese Figur nicht wirklich ernst nehmen kann. So gibt es am Ende großen und verdienten Applaus für alle Beteiligten.

FAZIT

Sieht man von den teilweise recht langen gesprochenen Dialogen ab, handelt es sich um ein Werk, das aufgrund der Musik eine Wiederentdeckung verdient. Von Weckerlin würde man beim Festival in den folgenden Jahren gerne noch mehr entdecken.

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Produktionsteam

Klavier
Mattia Torriglia

2. Pianist
*Andrés Jesús Gallucci /
Gianluca Ascheri

Regie
Eleonora Calabrò
Jochen Schönleber

Regieassistenz
Romeo Gasparini

Bühne
Jochen Schönleber

Kostüme
Eleonora Calabrò

Licht
Marcel Hahn


Solistinnen und Solisten

Le marquis de Boiscivry
Dmytro Voronov

Le comte Émeric
Erwan Fosset

Alice
Juliette Amirault

 


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