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Rossini in Wildbad
Belcanto Opera Festival
23.07.2026 - 02.08.2026


Marina

Ópera in drei Akten (1871) nach der gleichnamigen Zarzuela in zwei Akten (1855)
Text der Zarzuela von Francisco Camprodón, Überarbeitung zur Ópera von Miguel Ramos Carrión
Musik von Emilio Arrieta

In spanischer Sprache mit spanischen und deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2 h 35' (eine Pause)

Produktion von Passionart und der Filharmonia K. Szymanowskiego Krakowie

Konzertante Aufführung im Kurhaus am 31. Juli 2026

 

 

 

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Zur spanischen Oper mutierte Zarzuela

Von Thomas Molke / Foto: © Karin Ferenbach

Das Belcanto Opera Festival Rossini in Wildbad geht in diesem Jahr neue Wege. Neben dem von der Baden-Württemberg Stiftung finanziell unterstützten Zyklus "Rossini et le Belcanto français" steht auch die erste Zarzuela auf dem Progamm. Dabei wird aber nicht wirklich eine konzertante Zarzuela geboten, sondern die Umarbeitung eines in Spanien relativ berühmten Werkes zu einer Ópera. Die Rede ist von Emilio Arrietas Marina. Arrieta zählte im 19. Jahrhundert zu den berühmtesten Komponisten einer Gattung, die sich schon seit der Barockzeit in Spanien etabliert hatte. Heute wird die Zarzuela häufig außerhalb Spaniens als "spanische Form der Operette" betrachtet, was eigentlich nicht zutreffend ist. Vielmehr behandelt sie sowohl klassische, tragische als auch komische und moderne Themen. Das Hauptmerkmal ist, dass gesprochene Dialoge um Musiknummern angereichert werden. Vielleicht hat die Gattung sich auch deshalb außerhalb Spaniens bis jetzt nicht wirklich etablieren können. Nun ist José Miguel Pérez-Sierra, der seit vielen Jahren dem Festival Rossini in Wildbad eng verbunden ist, seit 2023 Musikdirektor des Teatro de la Zarzuela in Madrid und hat sich dort gemeinsam mit dem Regisseur Christof Loy dieser Gattung gewidmet, unter anderem eben auch Arrietas Marina. So entstand die Idee, eine Aufnahme dieser Produktion anzustreben, die mit teilweise gleicher Besetzung in Bad Wildbad konzertant gespielt wird.

Die Geschichte um die Waise Marina, die den Schiffskapitän Jorge liebt, mit dem sie wie eine Schwester aufgewachsen ist und erst nach vielen Irrungen und Wirrungen erkennt, dass Jorge auch für sie mehr als geschwisterliche Gefühle empfindet, hat Arrieta auf einen Text von Francisco Campodrón am 21. September 1855 am Teatro del Circo in Madrid als zweiaktige Zarzuela zur Uraufführung gebracht. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten entwickelte sich das Werk zu einem überwältigenden Erfolg beim Publikum, so dass der italienische Tenor Enrico Tamberlick den Vorschlag unterbreitete, das Werk zu einer Oper umzuarbeiten, um es auch auf großen Opernbühnen spielbar zu machen und dort als nationale spanische Oper zu etablieren. Dafür erweiterte Miguel Ramos Carrión das ursprüngliche Textbuch um einen weiteren Akt zu einer dreiaktigen Oper. Die gesprochenen Dialoge wurden durch Rezitative ersetzt und weitere musikalische Nummern integriert. Arrieta nahm außerdem Änderungen an der Orchestrierung vor. In dieser Form feierte das nunmehr als Ópera bezeichnete Stück am 16. März 1871 am Teatro Real in Madrid eine sehr erfolgreiche Premiere und legte den Grundstein für eine spanische Opernkultur.

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Schlussapplaus: von links: Pascual (Emmanuel Franco), Teresa (Juliette Amirault), Jorge (Celso Albelo), Marina (Ruth Iniesta), José Miguel Pérez-Sierra, Agnieszka Ignaszewska-Magiera, Roque (Pietro Spagnoli) und Alberto (Giovanni Accardi)

Die Musik lässt erkennen, dass Arrieta auch eine intensive Ausbildung in Italien genossen hat. Ein bedeutender Lehrer am Konservatorium in Mailand war Nicola Vaccai. Der Einfluss des Belcanto ist in den wunderbaren Melodienbögen nicht zu überhören. Dazwischen befinden sich aber auch zahlreiche folkloristisch und traditionell anmutende Passagen, die sich in einzelnen Musiknummern und Tanzszenen zeigen. Die Seguidilla im dritten Akt mag beispielsweise als Vorbild für Georges Bizets spanisch anmutendes Flair in seiner Oper Carmen gedient haben. Auch die Chöre und Trinklieder lassen spanisches Lokalkolorit erkennen. In einer Szene kommt eine Gitarre auf der Bühne zum Einsatz. Da sie aber nicht als Solo-Instrument verwendet wird, wird sie leider in der Szene vom restlichen Orchester überdeckt. Das Orchester der Szymanowski-Philharmonie Krakau zeigt sich unter der kompetenten Leitung von Pérez-Sierra für diesen Stil sehr aufgeschlossen und verbindet so eindrucksvoll italienisch anmutenden Belcanto mit traditionellen spanischen Einflüssen. Auch der Chor unter der Leitung von Agnieszka Ignaszewska-Magiera begeistert als Fischer, Fischerinnen und Dorfbewohner mit kraftvollem und teils sehr folkloristischem Klang.

Die Solistinnen und Solisten des Abends lassen ebenfalls keine Wünsche offen. Dabei sind drei der vier Hauptpartien mit "Muttersprachlern" besetzt, was der Diktion sicher zugutekommt. Ruth Iniesta, die dem Bad Wildbader Publikum noch als Armida in der konzertanten Aufführung von Rossinis gleichnamiger Oper in bester Erinnerung sein dürfte, begeistert als Marina mit leuchtendem Sopran und sauber angesetzten Spitzentönen. Da sieht man auch über die eigentlich sehr dünne Geschichte, dass sie sich Jorge, den sie liebt, nicht offenbart und stattdessen fast so weit geht, den grobschlächtigen Pascual zu heiraten, gerne hinweg. Schon ihre große Auftrittsarie zu Beginn der Oper, in der sie ihre Sehnsucht zu Jorge zum Ausdruck bringt und auf dessen baldige Rückkehr hofft, wird von Iniesta großartig umgesetzt. Im Anschluss begeistert sie auch mit einem recht folkloristischen Stück, in dem sie die Augen des Geliebten besingt. Das klingt dann schon genuin Spanisch. Ein weiterer musikalischer Höhepunkt ist ihr Schlussrondo, wenn Jorge und Marina sich endlich gegenseitig ihre Liebe gestanden haben und einer Heirat nichts mehr im Wege steht. Hier tritt Iniesta in einen betörenden Dialog mit der Flöte und liefert sich ein regelrechtes Duell um die schönsten Koloraturen, wobei ihr Gesang das Instrument in der Strahlkraft noch übertrifft. Den Abend beschließt sie dann mit fulminant angesetzten Spitzentönen.

Celso Albelo wird ihr als Jorge mit großartigem Tenor mehr als gerecht. Die hohen Töne schleudert er mit scheinbarer Leichtigkeit heraus, ist am Anfang vielleicht für die Ausmaße des Kurhauses ein wenig zu laut, findet dann aber im weiteren Verlauf des Abends zu einem betörenden Klang. Mit klaren Höhen und kräftigem Tenor gestaltet er seine Arie im ersten Akt, wenn er glücklich vom Meer zurückgekommen ist und er sich auf ein Wiedersehen mit Marina freut, die er insgeheim liebt. Doch seine positive Stimmung bekommt sehr schnell einen Dämpfer, als Pascual ihn um die Hand Marinas bittet. Da fühlt er sich um seine Gefühle betrogen und ergibt sich mit tenoralem Schmelz seinem Leiden. Im Finale des zweiten Aktes blitzt dann seine Enttäuschung auf, wenn er nicht versteht, wieso Marina ihn verlassen und Pascual heiraten will. Da hilft dann im dritten Akt nur noch Alkohol, um sein Leid zu ertränken. Doch am Ende wendet sich alles zum Guten, und er findet in einem betörenden Duett stimmlich wunderbar mit Iniesta zusammen.

Emmanuel Franco kommt die undankbare Partie des Pascual zu, der alles andere als ein Sympathieträger ist. Mit virilem Bariton legt er den grobschlächtigen Fischer so an, dass man gut nachvollziehen kann, wieso Marina zu diesem Mann keine Zuneigung empfindet. Sein wahres Gesicht zeigt er in den Szenen, in denen er eifersüchtig ist und glaubt, dass Marina ihn betrogen hat. Da sieht er in dem Brief ihres verstorbenen Vaters, den Marina von dem Handelskapitän Alberto erbeten hat, einen Nachweis für Marinas Untreue und verstößt sie, was schlussendlich dazu führt, dass Jorge und Marina doch zusammenfinden. Pietro Spagnoli gibt die undurchsichtige Partie des Roque mit dunklem Bariton. Ein Großteil seiner Nummern besteht nur daraus, gegen die Frauen Stimmung zu machen, wobei seine Worte zunächst bei Jorge und Pascual auf fruchtbaren Boden fallen. Doch er hat auch zwei besonders schöne musikalische Nummern, die sehr traditionell anmuten und wunderbar melodisch klingen. Die zweite Nummer wird nicht vom Orchester sondern nur von den im Takt klatschenden Sängern begleitet.

In den kleineren Partien sind zwei Stipendiaten der Akademie BelCanto zu erleben. Giovanni Accardi übernimmt dabei gleich mehrere Partien. Zunächst ist er der Handelskapitän Alberto, der Marina verspricht, ihr den ersehnten Brief zukommen zu lassen. Dann ist er ein Matrose, der den Brief an Pascual übergibt. In beiden Partien überzeugt er mit frischem Bariton. Gaja Vittoria Pellizzari musste als Marinas Freundin Teresa aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig die Vorstellung absagen. Juliette Amirault konnte glücklicherweise einspringen. Das Publikum zeigt sich begeistert und belohnt alle Beteiligten mit großem Applaus. Schade ist nur, dass die einmalige Aufführung bei weitem nicht ausverkauft war und viele Plätze frei blieben. Das dürfte nicht nur an dem starken Gewitter gelegen haben, das den pünktlichen Beginn des Konzertes verzögerte, da die Zuschauerinnen und Zuschauer kaum wussten, wie sie durch den Regen zum Kurhaus kommen sollten.

FAZIT

Emilio Arrieta als Komponisten beim Festival zu entdecken, ist sicherlich interessant. Ob es aber lohnenswert ist, in den Folgejahren weiterhin auf Zarzuelas zu setzen, ist mit Blick auf die Platzauslastung fraglich.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
José Miguel Pérez-Sierra

Chorleitung
Agnieszka Ignaszewska-Magiera

 

Chor und Orchester der
Szymanowski-Philharmonie Krakau
(Leitung: Michał Klauza)


Solistinnen und Solisten

Marina, eine junge Frau aus dem Volk
Ruth Iniesta

Jorge, Schiffskapitän
Celso Albelo

Roque, Fischer
Pietro Spagnoli

Pascual, Seemann
Emmanuel Franco

Alberto, Handelskapitän
Giovanni Accardi

Teresa, Freundin Marinas
Juliette Amirault

Ein Matrose / Eine Stimme
Giovanni Accardi

Fischer, Fischerinnen,
Bewohner von Lloret de Mar
Gemischter Chor

 


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