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Rossini in Wildbad
Belcanto Opera Festival
23.07.2026 - 02.08.2026


Sémiramis (Semiramis)

Opéra in vier Akten
nach dem Melodramma tragico Semiramide in zwei Akten mit einem Libretto von Gaetano Rossi
Text von Joseph Méry
Musik von Gioachino Rossini und Michele Carafa

In französischer Sprache mit französischen und deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 4 h 15' (zwei Pausen)

Produktion von Passionart und der Filharmonia K. Szymanowskiego Krakowie

Konzertante Aufführung im Kurhaus am 26. Juli 2026

 

 

 

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Großartiger "Belcanto en français"

Von Thomas Molke / Foto: © Karin Ferenbach und Sabine Zoller

Mit der finanziellen Unterstützung der Baden-Württemberg Stiftung startet das Belcanto Opera Festival Rossini in Wildbad in diesem Jahr einen zunächst auf drei Jahre geplanten Zyklus unter dem Titel "Rossini et le Belcanto en français". Immerhin hat der Schwan von Pesaro einen nicht unerheblichen Teil seines Lebens in Paris verbracht und auch dort das Musikleben nachhaltig geprägt. Neben der Salonoper Le mariage en poste von Rossinis Kollegen Jean-Baptiste Weckerlin darf als ein musikalischer Höhepunkt die französische Fassung von Rossinis letzter Oper für Italien, Semiramide, genannt werden. Der Wunsch, aus dem Melodramma tragico eine Grand opéra zu machen, hat eine lange Geschichte. Schon in den 1840er Jahren sollten Tancredi und Semiramide von Adolphe Adam zu einer Grand opéra überarbeitet werden. Doch der Versuch scheiterte genauso wie 1853, als der Dramatiker Paul Siraudin das Libretto von Gaetano Rossi ins Französische übertrug und Uranio Fontana es für die Sopranistin Angiolina Bosio einrichten sollte. Erst als die beiden Marchisio-Schwestern, die bereits in Italien große Erfolge als Semiramide und Arsace gefeiert hatten, 1859 nach Paris zurückkehrten, konnte sogar Rossini bewegt werden, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Die Bearbeitung und Urheberrechte überließ er seinem langjährigen Freund Michele Carafa, der nicht nur die obligatorischen Ballettnummern beisteuerte, sondern auch versuchte, die Musik der französischen Prosodie anzupassen. So entstand eine in vielen Punkten "neue" Oper, die am 9. Juli 1860 mit überwältigendem Erfolg im Théâtre impérial de l'Opéra zur Premiere gelangte.

Wie die italienische Fassung von 1823 folgt auch Sémiramis im Großen und Ganzen der gleichnamigen Tragödie von Voltaire. Die assyrische Königin Sémiramis hat vor 15 Jahren gemeinsam mit dem Prinzen Assur ihren Gatten, den König Ninus, vergiftet und regiert seitdem relativ erfolgreich über Babylon. Der Operpriester Oroès drängt sie jedoch, endlich einen männlichen Nachfolger zu bestimmen. Während Assur darauf hofft, die Nachfolge antreten zu können und damit die Hand der Prinzessin Azéma zu erhalten, verfolgt Sémiramis andere Pläne. Sie hat sich in den jungen Anführer des assyrischen Heeres, Arsace, verliebt und beabsichtigt, ihn an ihrer Seite zum neuen König zu machen. Dabei weiß sie nicht, dass Arsace ihr tot geglaubter Sohn Ninias ist, den der sterbende Ninus kurz vor seinem Tod hatte außer Landes schaffen lassen. Arsace, der ebenfalls Azéma liebt, ist von Sémiramis' Vorhaben zwar nicht begeistert, willigt aber ein, dem Befehl seiner Königin Folge zu leisten. Da erhebt sich plötzlich Ninus' Schatten aus dem Grab und fordert ihn auf, den Mord am König zu rächen. Oroès offenbart Arsace seine Herkunft und fordert ihn auf, Assur und Sémiramis für den Mord am König zur Rechenschaft zu ziehen. Arsace will nach einer Aussprache mit Sémiramis seine Mutter verschonen und nur Assur töten. In der Grabkammer kommt es dann zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern. Als Arsace zum tödlichen Schlag ausholt, trifft er seine Mutter, die sich zu seinem Schutz ebenfalls in die Grabkammer begeben hat. Vom jubelnden Volk wird der verzweifelte Arsace als neuer König gefeiert.

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Schlussapplaus: von links: Azéma (Ilaria Monteverdi), Oroès (Nathanaël Tavernier), Arsace (Marina Viotti), Andriy Yurkevych, Agnieszka Ignaszewska-Magiera, Sémiramis (Diana Haller), Assur (Mark Kurmanbayev), Idrène (Patrick Kabongo) und der Schatten des Ninus (Giovanni Accardi) (© Karin Ferenbach)

Im Gegensatz zum italienischen Original ist Sémiramis von zwei auf vier Akte erweitert worden. Der zweite Akt endet in der französischen Fassung mit der Erscheinung des Ninus, der Arsace zur Rache aufruft. Außerdem ist hier das für die Pariser Oper obligatorische Ballett eingefügt, das ein großes Fest untermalt, bei dem die Völker der Königin ihre Treue schwören. Die als babylonischer und assyrischer Tanz betitelten Einlagen klingen zwar aus heutiger Sicht nicht sehr orientalisch, sondern sind eher sehr westeuropäisch in der musikalischen Struktur, was den Genuss aber nicht schmälert. Andriy Yurkevych führt das Orchester der Szymnaowski-Philharmonie Krakau mit leichter Hand durch die schwungvollen Passagen und bietet damit ein willkommenes Intermezzo in der dramatischen Handlung. Carafa wurde zwar nach der Premiere beschuldigt, dass es sich bei diesen Kompositionen um ein Plagiat aus Rossinis Moïse handeln würde, was aber nicht verhinderte, dass zahlreiche Paraphrasen und Instrumentalarrangements dazu folgten. So dürften sie sich auch damals großer Beliebtheit erfreut haben.

Die Partien des indischen Prinzen Idrène und der von mehreren Männern begehrten Prinzessin Azéma werden in der französischen Fassung reduziert. Was Idrène betrifft, war es 1860 schwierig, einen Tenor zu finden, der die extremen Höhen in den für Idreno geschriebenen Arien bewältigen konnte. So wurden seine beiden Arien kurzerhand gestrichen, und Idrène tritt eigentlich nur als Nebenfigur im Terzett mit Oroès und Assur im ersten Akt und im großen Quintett im zweiten Akt kurz vor dem Finale mit Sémiramis, Arsace, Assur und Oroès auf. Selbst diese Passagen sind noch sehr anspruchsvoll angelegt, so dass es eines guten Tenors bedarf. In Bad Wildbad verfügt man zum Glück über Patrick Kabongo, der tags zuvor als Giannetto in La gazza ladra begeisterte und auch die Spitzentöne des indischen Prinzen mit Bravour meistert. Für die Prinzessin Azéma ist ebenfalls keine eigene Gesangsnummer vorgesehen, und auch als Objekt der Begierde rückt sie in der französischen Fassung etwas in den Hintergrund. Stattdessen konzentriert sich die Version ganz auf die Dreiecksgeschichte Sémiramis, Arsace und Assur. So ist auch die Partie des Hauptmanns der Wachen, Mitrane, gestrichen. Dafür tritt der Schatten des Ninus noch einmal am Ende des vierten Aktes auf.

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von links: Assur (Mark Kurmanbayev), Sémiramis (Diana Haller) und Arsace (Marina Viotti) (© Sabine Zoller)

Das musikalische Niveau bewegt sich auf hohem Niveau, so dass man sich freuen darf, dass diese Aufführung auf CD eingespielt wird. Ein Glanzpunkt des Abends ist die großartige Marina Viotti in der Partie des Arsace. Ihr Mezzosopran besitzt in der Tiefe ein enormes Volumen, das sie für Hosenrollen prädestiniert, wobei sie zusätzlich über enorme Strahlkraft in den dramatischen Höhen verfügt. Ihr nimmt man den heldenhaften jungen Mann in jedem Moment ab. Großen Szenenapplaus erntet sie für ihre Auftrittskavatine "Ô bonheur de l'âme ravie", in der er hofft, die von ihm geliebte Prinzessin Azéma wiederzusehen. Doch Oroès reißt den jungen Mann aus seinen Träumen und holt ihn in die bittere Realität zurück. Mit großer Variation gestaltet Viotti im dritten Akt Arsaces Verzweiflung, wenn er an der Mutter Rache nehmen soll. Hier geht Viottis intensive Interpretation unter die Haut. Diana Haller debütiert nach ihrem Wechsel ins Sopranfach in der Titelpartie und punktet mit kraftvollen Höhen und großer Dramatik. Während sie in ihrer ersten Kavatine im zweiten Akt nahezu sanft klingt, weil Sémiramis glaubt, die Situation unter Kontrolle zu haben, macht sie im weiteren Verlauf stimmlich den Niedergang der Königin deutlich, der schließlich im vierten Akt in ihrem Tod mündet. Anders als bei der Uraufführung wird auch ein Duett im zweiten Akt gespielt, was die Marchisio-Schwestern in Paris damals nicht gesungen haben. Hier sind Sémiramis und Arsace von den Gedanken an ihre Liebe beseelt, ohne zu wissen, dass beide ein anderes Ziel verfolgen. Viottis Mezzosopran und Hallers Sopran finden hier mit betörender Innigkeit zueinander. Begeisterungsstürme löst auch ihr Duett am Ende des dritten Aktes aus, wenn sich die beiden als Mutter und Sohn erkennen.

Mark Kurmanbayev gibt mit schwarzem Bass einen herrlichen Bösewicht Assur, der stimmlich mit seiner Tiefe einen starken Kontrast zum Helden Arsace bildet. Während er die Partie in den ersten drei Akten absolut kalt und siegesbewusst anlegt, wird er im letzten Akt dann doch vom schlechten Gewissen eingeholt, wenn ihm in der Grabkammer erneut der Schatten des Ninus erscheint. Kurmanbayev gestaltet die große Arie sehr eindrucksvoll, wobei sein Bass hier bewusst angelegte Brüche erhält. Nathanaël Tavernier, der am Vortag als skrupelloser Podestà in La gazza ladra  begeistert hat, hätte mit seinem dunklen Bass auch einen glaubhaften Bösewicht abgegeben. Als Oroès steht er aber auf der "Seite der Guten" und punktet mit profunder Autorität. Giovanni Accardi lässt als unheimlicher Schatten mit donnerndem Bariton aus der Galerie die übrigen Figuren erschrecken. Ilaria Monteverdi rundet das Ensemble in der kleinen Partie der Azéma mit leuchtendem Sopran ab.

Der von Agnieszka Ignaszewska-Magiera einstudierte Chor der Szymanowski-Philharmonie Krakau punktet in den verschiedenen Rollen mit homogenem Klang. Auch das Orchester unter der Leitung von Andriy Yurkevych lässt keine Wünsche offen. So gibt es für alle Beteiligten am Ende frenetischen Applaus.

FAZIT

Auch wenn sich in zahlreichen Melodien die italienische Semiramide heraushören lässt, bietet die französische Sémiramis einige Perlen, die sich zu entdecken lohnen. Eine CD-Aufnahme dürfte folglich eine gute Ergänzung zum "italienischen" Rossini sein.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Andriy Yurkevych

Choreinstudierung
Agnieszka Ignaszewska-Magiera

 

Chor und Orchester der
Szymanowski-Philharmonie Krakau


Solistinnen und Solisten

Sémiramis, Königin von Babylon
Diana Haller

Arsace, Befehlshaber der Armee
Marina Viotti

Azéma, Prinzessin aus dem Geblüt des Belus
Ilaria Monteverdi

Assur, Prinz aus dem Geblüt des Belus
Mark Kurmanbayev

Oroès, Oberhaupt der Mager
Nathanaël Tavernier

Idrène, König von Indien
Patrick Kabongo

L'Ombre, Der Schatten des Ninus
Giovanni Accardi

Fürsten, Satrapen, Mager, Hofdamen der
Sémiramis, Sarmaten, Skythen, Ägypter,
Inder, Arindas, Krieger, Wachen, Tempeldiener,
Sklaven Diener
Männerchor und Frauenchor

 


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