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Cecilia Bartoli & Lang Lang
Galakonzert


Cecilia Bartoli, Mezzosopran
Lang Lang, Klavier

in italienischer und französischer Sprache mit deutschen übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2 h 45' (eine Pause)

Donnerstag, 6. November 2025, 19.30 Uhr
Großer Saal im Konzerthaus Dortmund

 


(Homepage)

Gipfeltreffen zweier Stars

Von Thomas Molke / Fotos: © Oliver Hitzegrad

Wenn eine Sängerin und ein Pianist ins Konzerthaus einladen, rechnet man vielleicht mit einem Liederabend in nahezu intimer Atmosphäre. Wenn es sich dabei allerdings um zwei Superstars wie Cecilia Bartoli und Lang Lang handelt, avanciert das Ganze zu einem Galakonzert der Spitzenklasse, bei dem die Kartennachfrage bei Weitem das Angebot überstiegen hat und es bei der rasch ausverkauften Vorstellung Wartelisten für Kartensuchende gab. Dabei wurde für den Kartenverkauf nicht nur die Chorempore geöffnet, sondern auch auf der Bühne konnte das Publikum in mehreren Reihen Platz nehmen und Bartoli und Lang gewissermaßen einrahmen, was dem Ganzen trotz des ausverkauften Hauses eine Art Wohnzimmer-Atmosphäre verlieh. Bartoli, die nicht nur seit 2012 die Salzburger Pfingstfestspiele mit großer internationaler Strahlkraft künstlerisch leitet und seit 2023 außerdem noch Direktorin der Opéra de Monte-Carlo ist, wo sie 2016 keine unbedeutende Rolle bei der Gründung des Ensembles Les Musiciens du Prince gespielt hat, ist seit vielen Jahren für ihre außergewöhnlichen Konzertformate bekannt und war in Dortmund zuletzt 2018 mit einem gefeierten Arienabend zu Gast (siehe auch unsere Rezension). Nun tourt sie mit dem Ausnahme-Pianisten Lang Lang durch die Konzertsäle Europas und beweist, dass großes, leidenschaftliches Opern-Feeling auch mit hervorragender Klavierbegleitung erzielt werden kann.

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Cecilia Bartoli in feurigem Rot und Lang Lang vor der Pause

Bartoli und Lang haben das Konzert in mehrere Blöcke unterteilt. Im ersten Teil präsentieren sie barocke Arien, die der Komponist Alessandro Parisotti in den 1880er Jahren in einer Sammlung unter dem Titel Arie Antiche zusammengefasst hatte und die in der Fassung für Stimme und Klavier vor allem für das Studium des klassischen Gesangs gedacht waren. Dieses Kompendium umfasst Kompositionen von Alessandro Scarlatti über Georg Friedrich Händel bis hin zu Giovanni Paisiello. Dabei steuerte Parisotti einzelne Lieder im barocken Stil auch selbst hinzu, wie die Pastorale "Se tu m'ami". Mit den ausgewählten Liedern decken Bartoli und Lang ein ganzes Spektrum von Stimmungen ab. Während der Abend relativ lebhaft mit Scarlattis "Già il sole dal Gange" startet und mit "Se tu m'ami" in einen sehr melancholischen Duktus wechselt, enthält Paisiellos "Chi vuol la zingarella" regelrechtes Feuer, das von Bartoli gewohnt temperamentvoll zum Ausdruck gebracht wird. Mit großartiger Modulation fängt sie die einzelnen Stimmungen bezaubernd ein und findet zu jedem Lied den passenden Ausdruck. Lang erweist sich dabei als kongenialer Begleiter. Höhepunkt des ersten Blockes ist dann die berühmte Arie "Lascia ch'io pianga", die Händel in seine erste Oper für London, Rinaldo, eingefügt hatte. Obwohl sie in dieser Form Eingang in Parisottis Arie Antiche fand, greift Bartoli auf den ursprünglichen Text "Lascia la spina" zurück, unter dem das Stück ein paar Jahre zuvor in dem italienischen Oratorium Il trionfo del tempo e del disinganno vertont worden war. Bartolis Interpretation geht dabei unter die Haut und reißt das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Ein Menuett von Händel, das Lang im Anschluss sehr bewegend interpretiert, leitet in den zweiten Block des Abends über. Nun präsentieren die beiden eine Kantate von Joseph Haydn: Arianna a Naxos. Die Geschichte um die von Theseus verlassene Ariadne hatte von Anbeginn der Oper an die Komponisten fasziniert. Auch Haydn hatte eigentlich vor, die 1790 uraufgeführte Kantate für Stimme und Klavierbegleitung später zu orchestrieren. Dazu kam es aber nicht. Das Stück besteht aus zwei Rezitativen, die jeweils in eine große Arie überführen. Am Anfang erwacht die verlassene Ariadne am Strand der Insel Naxos und hält sehnsüchtig nach dem Geliebten Theseus Ausschau. Voller Verzweiflung erkennt sie in ihrer ersten Arie, die ein wenig an das berühmte "Dove sono" der Gräfin aus Mozarts Le nozze di Figaro erinnert, dass der Geliebte sie allein auf der Insel zurückgelassen hat. In der zweiten Arie wandelt sich ihre Verzweiflung dann in unbändige Wut um und mündet schließlich in einer fatalen Todessehnsucht. Bartoli lotet die Gefühle der verlassenen Frau intensiv aus und punktet mit flexibler Stimmführung und großen dramatischen Ausbrüchen. Nach einem eindringlich interpretierten "Impromptu" von Franz Schubert, bei dem Lang sein ganzes Gespür für einen traumhaften Anschlag legt, entlässt Bartoli das Publikum fröhlich frech mit der berühmten Arie der Rosina aus Rossinis Il barbiere di Siviglia, "Una voce poco fa", in die Pause. Dabei glänzt Bartoli erneut mit den ihr ganz eigenen Koloratur-Kapriolen.

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Cecilia Bartoli in sattem Grün und Lang Lang nach der Pause

Nach der Pause wechseln Bartoli und Lang ins französische Fach und präsentieren Petitessen von Bizet und Delibes und aus Rossinis Péchés de vieillesse. Besonderen Eindruck hinterlässt dabei das kleine Minidrama "La coccinelle" von Bizet, das von einem entgangenen Liebesglück erzählt. Ein junger Mann befreit ein bezauberndes junges Mädchen von einem lästigen Käfer und beschäftigt sich dabei mehr mit dem Käfer als mit dem zarten Mund des Mädchens, der ihn eigentlich zum Küssen einladen will. Der Käfer verspottet im Anschluss die Dummheit des jungen Mannes. Bartoli erzählt diese Geschichte mit großartigem Humor und lässt mit näselnder Stimme auch sehr komödiantisch den kleinen Käfer zu Wort kommen. Im Anschluss greift sie dann zu Kastagnetten und entfacht in Delibes' "Les filles de Cadix" spanisches Flair. Dabei tanzt sie verführerisch um das Klavier herum.

Im nächsten Block widmen sich Bartoli und Lang Rossinis Belcanto-Kollegen Bellini und Donizetti, die ebenfalls oft als kleine Geschenke für Adelige oder Opernsängerinnen Lieder komponiert haben. In "Vaga luna che inargenti" übersetzt Bellini den Mondschein in eine zarte Tonsprache, die das matte Schimmern des Mondes reflektiert. Bartoli findet hier sehr weiche Töne, die eine Art Zerbrechlichkeit ausstrahlen. Mit flexiblen Koloraturen begeistert sie anschließend bei der Arie von Donizetti. Weiter geht es dann mit Klavierliedern von Giacomo Puccini, die häufig die Vorstufe für spätere Kompositionen darstellten. So erkennt man in dem Piccolo valzer als Instrumentalstück schon deutlich Musettas spätere Arie aus La bohème wieder. Nahezu fließend geht der Walzer in die berühmte Arie der Lauretta aus Gianni Schicchi, "O mio babbino caro", über, bei der Bartoli mit herrlich naiver Interpretation auch mimisch begeistert.

Vor dem letzten Block glänzt Lang mit einer eindringlichen Interpretation von Debussys berühmtem "Claire de lune", bevor Bartoli den Abend mit einem leidenschaftlichen "Ti voglio tanto bene" von Ernesto de Curtis und dem flotten neapolitanischen Lied "La danza" von Rossini zu einem großartigen Abschluss bringt. Hierbei greift Bartoli zusätzlich zum Tamburin und begleitet Langs Spiel mit Tanz und Gesang. Natürlich lässt das begeisterte Publikum die beiden danach mit stehenden Ovationen nicht ohne Zugaben gehen. Den Anfang macht die Arie des Cherubino aus Mozarts Le nozze di Figaro, "Voi che sapete". Bartoli fängt mit sanften Tiefen den Schwermut des leidenschaftlichen Jünglings stimmlich und darstellerisch wunderbar ein. Weiter geht es mit einem "Schmachtfetzen für Tenöre": "Non ti scordar di mi" von Ernesto de Curtis. Das Lied hat vor allem durch große Tenöre wie Beniamino Gigli und später Luciano Pavarotti Berühmtheit erlangt. Doch Bartoli beweist, dass man auch mit einer Frauenstimme das leidenschaftliche Pathos glaubhaft transportieren kann. Als drittes folgt dann noch "O sole mio", bevor das Publikum beschwingt in die laue Novembernacht entlassen wird.

FAZIT

Cecilia Bartoli gelingt es mit Lang Lang, mit reiner Klavierbegleitung große Opernmomente entstehen zu lassen, und begeistert mit einem abwechslungsreichen Programm.


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Ausführende

Cecilia Bartoli, Mezzosopran

Lang Lang, Klavier



Werke

Alessandro Scarlatti
"Già il sole dal Gange"
aus Arie Antiche

Alessandro Parisotti
"Se tu m'ami"
aus Arie Antiche

Alessandro Scarlatti
"Se Florindo è fedele"
aus Arie Antiche

Tomaso Giordani
"Caro mio ben"
aus Arie Antiche

Giovanni Paisiello
"Chi vuol la zingarella"
aus Arie Antiche

Georg Friedrich Händel
"Lascia la spina"
Arie der Piacere aus
Il trionfo del tempo e del disinganno
Oratorium HWV 46a

Menuett g-moll HWV 434 Nr. 4

Joseph Haydn
Arianna a Naxos
Cantata a voce sola Hob XXVIb:2
Rezitativ "Teseo mio ben, dove sei?"
Arie "Dove sei, mio bel tesoro"
Rezitativ "Ma, a chi parlo?"
Arie "A che morir vorrei"

Franz Schubert
Impromptu Nr. 3 Ges-Dur
aus 4 Impromptus D 899

Gioachino Rossini
"Una voce poco fa"
Arie der Rosina aus Il barbiere di Siviglia

"L'Orpheline du Tyrol"
Ballade élégie aus Péchés de vieillesse

Georges Bizet
"La coccinelle"

Léo Delibes
"Les filles de Cadix"

Franz Liszt
Consolation Nr. 2 Es-Dur
aus Consolations

Vincenzo Bellini
"Vaga luna che inargenti"
"Dolente immagine di Fille mia"

Gaetano Donizetti
"Me voglio fa 'na casa"

Giacomo Puccini
"E l'uccellino"

"Casa mia"

Piccolo valzer

"O, mio babbino caro"
Arie der Lauretta aus Gianni Schicchi

Claude Debussy
"Claire de lune"
aus Suites Bergamasque

Ernesto de Curtis
"Ti voglio tanto bene"

Gioachino Rossini
"La danza"



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Konzerthaus Dortmund
(Homepage)



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