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Italienisches Opernfest mit Verdi und Puccini Von Thomas Molke / Fotos: © Björn Woll Dortmund hat gleich mehrfachen Grund zum Feiern. Zum einen begeht man in diesem Jahr den 75. Jahrestag der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, zum anderen jährt sich das Rahmenabkommen kultureller Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zum 70. Mal. Da passt es natürlich sehr gut, dass Jonathan Tetelman mit einer italienischen Operngala und Musik von Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini im Rahmen des Abonnements "Konzertante Oper" ins Konzerthaus Dortmund einlädt. Zusammen mit dem Bariton Önay Köse und der Nordwestdeutschen Philharmonie unter der Leitung von Constantine Orbelian präsentiert er Höhepunkte aus dem Schaffen der beiden Operngiganten, die unter anderem beweisen, dass es bei Verdi und Puccini nicht nur Glanzmomente für Sopranistinnen gibt. Das italienische Konsulat freut sich und unterstützt das Konzert. Jonathan Tetelman Im ersten Teil bis zur Pause gibt es Auszüge aus Verdis umfangreichem Opernschaffen. Mit der Ouvertüre zu seinem Frühwerk Nabucco stimmt die Nordwestdeutsche Philharmonie unter der musikalischen Leitung von Constantine Orbelian das Publikum direkt auf eine gehörige Portion Italianità ein. Hier sind bereits die ersten Anklänge an den berühmten Gefangenenchor zu hören. Dann stellt Tetelman mit einer Arie des Jacopo Foscari aus der relativ selten gespielten Oper I due Foscari unter Beweis, wieso er seit einigen Jahren zu den großen Tenören der Gegenwart zählt. Das Werk entstand in einer Zeit, die Verdi selbst später als "Galeerenjahre" bezeichnete und in der er jeden Kompositionsauftrag annahm, um finanziell über die Runden zu kommen. An die vorherigen Erfolge von Nabucco und I Lombardi alla prima crociata konnte die Oper, deren Uraufführung Verdi selbst als "mezzo-fiasco" bezeichnet haben soll, nicht anknüpfen, hielt sich aber immerhin bis in die 1870er Jahre mit mäßigem Erfolg auf den Opernspielplänen. Tetelman präsentiert die Auftrittsarie des Jacopo Foscari, des Sohnes des Dogen Francesco Foscari, der zu Unrecht des Mordes beschuldigt wird und in die Verbannung geschickt werden soll. Mit großem Pathos gestaltet Tetelman das Leid des jungen Mannes und punktet mit sauber ausgesungenen Spitzentönen, die das Publikum schon zu Begeisterungsstürmen hinreißen, bevor Tetelman die Nummer bis zum Ende vorgetragen hat. Jonathan Tetelman (links) und Önay Köse (rechts) als Don Carlo und Rodrigo beim berühmten Freundschafts-Duett Im Anschluss kann dann der dramatische Bariton Önay Köse als Giorgio Germont mit dessen großer Arie aus La traviata glänzen. Man merkt, dass er seine Karriere als Bass begonnen hat, da seine Tiefe auch in der Bariton-Lage noch über enorme Kraft verfügt. So avanciert auch diese Nummer der an sich unsympathischsten Figur aus der Oper zu einem musikalischen Höhepunkt. Im Anschluss lässt Tetelman einen weiteren Anti-Helden der Opernliteratur mit einer der schmissigsten Arien zu Worte kommen, die ein opernfernes Publikum mit Werbung für italienische Pizza verbinden dürfte. Die Nordwestdeutsche Philharmonie setzt noch die leicht unheimliche Sturmmusik aus Rigoletto davor, so dass man im Publikum zunächst das Gefühl hat, im Programmheft handele es sich bei der Reihenfolge der Nummern um einen Tippfehler. Doch dann stimmt Tetelman mit charmanter Leichtigkeit in die berühmte Arie "La donna è mobile" ein und lässt mit strahlenden Höhen den rücksichtslosen Charakter des Herzogs von Mantua vergessen. Dabei spielt Tetelman der Rolle entsprechend selbstverliebt mit den hohen Tönen, die er scheinbar problemlos heraushaut. Den Abschluss macht dann das berühmte Duett des Rodrigo und Don Carlo aus Don Carlo. Hier reißen Tetelman und Köse das Publikum mit kraftvollem Timbre und wunderbarer Einheit das Publikum regelrecht von den Sitzen. Schlussapplaus: von links: Önay Köse, Jonathan Tetelman und Constantine Orbelian Nach der Pause geht es mit Puccini weiter. Mit Auszügen aus La bohème, Madama Butterfly und Tosca zeigen Tetelman und Köse, dass auch in diesen Opern großartige Momente für die männlichen Sänger stecken, auch wenn Köse nach der Pause eigentlich nur noch als Stichwortgeber auftritt. Den größten Moment hat er noch gleich zu Anfang als Marcello in La bohème. Hier darf er gemeinsam mit Tetelman als Rodolfo in einem bewegenden Duett der glücklichen Zeit nachtrauern, die die beiden Künstler mit Musetta und Mimì genossen haben. Wie schon bei Don Carlo liefern die beiden packende Rollen-Porträts ab. Bei dem Duett zwischen Sharpless und Pinkerton aus Madama Butterfly steuert alles eigentlich schon auf die Arie des Pinkerton zu, in der er ein wenig rührselig von Cio-Cio-San Abschied nimmt. Nach diesem unsympathischen Charakter widmet sich Tetelman zum Abschluss des offiziellen Programms einer wesentlich tragischeren Männerfigur aus Puccinis Opernschaffen, dem Maler Mario Cavaradossi aus Tosca, der im letzten Akt erschossen wird. Zuvor darf er aber noch eine der schönsten Tenorarien der Opernliteratur singen: "E lucevan le stelle". Tetelman scheint die Partie mit jeder Faser seines Körpers zu spüren und begeistert erneut mit strahlend ausgesungenen Spitzentönen. Natürlich lässt das Publikum Tetelman und Köse nach einem so großartigen Programm nicht einfach gehen, und Tetelman haut direkt als erste Zugabe das berühmte "Nessun dorma" heraus, wobei er sich bei den lang angehaltenen Tönen von "Vincerò" regelrecht selbst übertrifft. Es folgt noch das berühmte Duett aus Bizets Les pêcheurs de perles "Au fond du temple saint", in dem Zurga und Nadir ihre Freundschaft beschwören, auch wenn sie ihr Herz an die gleiche Frau verloren haben. Auch hierbei harmonieren Tetelmans Tenor und Köse kraftvoller Bariton wunderbar miteinander und begeistern das Publikum auf ganzer Linie. FAZIT Jonathan Tetelman macht deutlich, dass er zu Recht zu den großen Tenören der Gegenwart zählt und präsentiert mit Önay Köse großartige Höhepunkte aus der italienischen Opernliteratur.
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Ausführende Jonathan Tetelman, Tenor Önay Köse, Bariton Constantine Orbelian, Dirigent Nordwestdeutsche Philharmonie
Giuseppe Verdi "Dal più remoto esilio" "Di Provenza il mar, il suol" "La donna è mobile" Vorspiel zu Luisa Miller "E lui desso! L'infante" Giacomo Puccini Intermezzo sinfonico "Non ve l'avevo detto?" "Addio fiorito asil" Intermezzo sinfonico aus "Recondita armonia" "Mario Cavaradossi? A voi..." "E lucevan le stelle"
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