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Ein Hoch auf die Cleopatras Von Thomas Molke / Foto: © Shirley Suarez Wenn ein Konzert in der beliebten Reihe Alte Musik bei Kerzenschein den Titel Händels Königin Cleopatra trägt, rechnet man sicherlich nicht damit, dass Händels Heroine lediglich mit einer Arie vertreten ist. Stattdessen lässt Regula Mühlemann zahlreiche weitere Komponisten zu Wort kommen, die der berühmten letzten ägyptischen Pharaonin, deren Bild vor allem durch die Asterix-Comics und die legendäre Verfilmung mit Elizabeth Taylor geprägt worden ist, ein musikalisches Denkmal gesetzt haben. Gemeinsam mit dem 2007 gegründeten La Folia Barockorchester hat Mühlemann sich auf Spurensuche in den Archiven begeben und dabei einige relativ unbekannte Schätze entdeckt, die das komplexe Bild der berühmten Frau Ägyptens in der Musik widerspiegeln. Dabei beschränkt sich Mühlemann auch nicht nur auf die Geliebte Caesars und Marcus Antonius', sondern hat auch königliche Namensvetterinnen im ersten Teil des Abends mit ins Programm genommen. Regula Mühlemann Den Anfang machen zwei Auszüge aus Carl Heinrich Grauns Opera seria Cleopatra e Cesare, die er 1742 im Auftrag des frisch gekrönten Friedrich II. für die festliche Eröffnung der Hofoper Unter den Linden komponierte und die vor allem Friedrich II. als gerechten Herrscher huldigen sollte. Das Folia Barockorchester eröffnet den Abend mit der Sinfonia aus dem zweiten Akt, bevor Mühlemann mit der Gleichnis-Arie "Tra le porcelle assorto" einen fulminanten Einstand in der Philharmonie Essen gibt. Mit scheinbarer Leichtigkeit meistert sie die halsbrecherischen Koloraturen in einer atemberaubenden Geschwindigkeit und beweist auch in der Variation der Tonhöhe großartige Flexibilität. So setzt sie den tosenden Sturm lautmalerisch hervorragend um und zeigt, dass diese Königin eine starke Kämpferin ist. Wesentlich sanfter präsentiert sie sich als Cleopatra I., die erste Regentin der Ptolemäer, in der 1681 in Venedig uraufgeführten Oper Antioco, il Grande von Giovanni Legrenzi. Mit zarter Stimmführung beschwört sie das Glück der Treue. Anschließend kehrt Mühlemann zur bekannteren Cleopatra zurück. Bei Alessandro Scarlattis Kammerkantate Marc' Antonio e Cleopatra hat ihr vorheriger Liebhaber Caesar aber längst das Zeitliche gesegnet, und Cleopatra träumt von der Herrschaft an der Seite ihres neuen Liebhabers Marc' Antonio. Dazwischen präsentiert das La Folia Barockorchester unter der Leitung des Violinisten Robin Peter Müller Vivaldis Violinkonzert "Grosso Mogul", das er dem indischen Großmogul Aurangzeb Alamgir widmete, dessen Vater zu Ehren seiner früh verstorbenen Frau das Taj Mahal errichten ließ. Hier ist besonders der zweite Satz (Grave Recitato) bemerkenswert, der in der Interpretation Müllers an der Solo-Violine gar nicht nach Barock klingt. Aus dem brillanten Spiel könnte man auch gut Balkan-Klänge eines Emmerich Kálmáns heraushören. Von Vivaldi stammt auch der zweite Akt des Opern-Pasticcios Il Tigrane, in dem Cleopatra von Pontus, die Tochter des Mithridates, auftritt, die gegen den Wunsch ihres Vaters den König der Armenier, Tigranes II., heiraten will. In der mit Koloraturen gespickten Arie wird auch hier das Porträt einer willensstarken Frau gezeichnet, die nicht bereit ist, ihre Freiheit und Würde aufzugeben, selbst wenn es sie das Leben kostet. Mit diesen fulminanten Klängen wird das Publikum in die Pause entlassen. Im zweiten Teil geht es dann nur noch mit der allseits bekannten Königin Cleopatra weiter. Johann Adolf Hasse hat 1725 die Serenata Marc' Antonio e Cleopatra komponiert, die das Ende des Liebespaars nach der Schlacht bei Actium 31 v. Chr. beschreibt. Mühlemann, die in einer neuen königlichen Robe durch den Saal auftritt, beginnt den zweiten Teil mit der großartigen Gleichnisarie von einem weißen Hermelin, das sich dem Jäger ergibt, um sein Fell nicht zu beflecken, und beendet den zweiten Teil mit einer bewegenden Arie, in der Cleopatra dem Tod entschlossen entgegensieht. Auch in diesen beiden Arien begeistert Mühlemann mit strahlenden Höhen und klarer Diktion. Dazwischen folgt dann der einzige Auszug aus Händels Giulio Cesare in Egitto. Auch hier glaubt sich die Königin verloren. Anders als bei Hasses Serenata handelt es sich hierbei allerdings um einen Trugschluss. Mühlemann setzt die berühmte Arie "Se pietà di me non senti" intensiv um. Dazwischen gibt es noch vom La Folia Barockorchester Geminianis Bearbeitung von Corellis berühmter Violinsonate "La follia", in der das Ensemble unter Beweis stellt, dass es zu Recht zu den namhaften Orchestern einer historischen Aufführungspraxis zählt. Auch die beiden Zugaben, die im Anschluss folgen, stammen aus weiteren recht unbekannten Werken über Cleopatra. Den Anfang macht "Quando voglio" aus Antonio Sartorios Oper Giulio Cesare in Egitto aus dem Jahr 1676. Bemerkenswert ist hier nicht nur die Instrumentation, die mit der Solo-Harfe beginnt, sondern auch, dass die Harfenistin Kateřina Ghannudi die erste Strophe mit sehr warmer Stimme singt, bevor Mühlemann mit klarem Sopran übernimmt. In beiden Interpretationen wird die große Verführungskunst dieser Königin spürbar. Wesentlich melancholischer ist dann "Mein Leben ist hin" aus Johann Matthesons Oper Die unglückselige Cleopatra, die 1704 in Hamburg uraufgeführt wurde. So führt Mühlemann faszinierend durch ein breites Spektrum von Cleopatra-Vertonungen, was wesentlich mehr hält, als der Titel Händels Königin Cleopatra verspricht.
FAZIT Wer diesen großartigen Konzertabend verpasst hat, kann sich mit Mühlemanns CD Cleopatra (Baroque Arias) von der Qualität dieses Programms überzeugen. Ihre Meinung ? Schreiben Sie uns einen Leserbrief |
AusführendeRegula Mühlemann, Sopran La Folia Barockorchester Robin Peter Müller, Musikalische Leitung WerkeCarl Heinrich Graun
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