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Musikfestspiele
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49. Tage Alter Musik in Herne

13.11.2025 - 16.11.2025

Ariadne lebt

Musiktheatrale Begegnungen mit den antiken Erzählungen des Ovid
Bühnenfassung von Katarina Livljanić und Olivier Lexa auf der Grundlage italienischer Ovid-Übertragungen von Filippo Ceffi, Domenico da Monticello, Arrigo Simintendi, Lodovico Dolce und Giovanni Andrea dell'Anguillara


In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1 h 10' (keine Pause)

Aufführung in den Flottmann-Hallen in Herne am 16. November 2025

 

 

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Auf der Suche nach einer Antwort

Von Thomas Molke / Fotos: © Thomas Kost / WDR

Der Mythos um Ariadne, die mit dem berühmten Faden dem Athener Theseus half, den Weg aus dem Labyrinth des Minotaurus zu finden, und die anschließend mit Theseus ihre Heimat Kreta verließ, nach einer Liebesnacht auf der Insel Naxos von ihm allerdings zurückgelassen wurde, hat seit der Antike die Kunst, Literatur und Musik inspiriert. Die meisten Bearbeitungen gehen auf den römischen Dichter Ovid zurück, der im achten Buch seines Epos Metamorphosen darüber berichtete und der Ariadne in den Briefen antiker Heldinnen, Heroides, sogar eine eigene Stimme gab. Auch schon vor Monteverdis Vertonung L'Arianna, von der heute nur noch das "Lamento d'Arianna" erhalten ist, war diese tragische Figur Thema von Kompositionen, die bis ins späte Mittelalter zurückreichen. Katarina Livljanić hat nun gemeinsam mit dem Ensemble Dialogos Vertonungen der damaligen Zeit, die nur sehr fragmentarisch erhalten sind, musikalisch zu rekonstruieren versucht und gemeinsam mit Olivier Lexa eine Bühnenfassung erstellt, die auf mehreren italienischen Ovid-Übertragungen von 1325 bis 1561 basiert.

Das knapp 70-minütige Projekt trägt den Namen Ariadne lebt und erweckt die mythologische Figur aus den Stimmen ihrer Erzähler gewissermaßen wieder zum Leben. Im Zentrum steht dabei die quälende Frage, wieso Theseus Ariadne eigentlich auf Naxos zurückgelassen hat. Ovid gibt in seinen Metamorphosen keine Antwort darauf und der Brief aus den Heroides lässt nur die verlassene Ariadne zu Wort kommen. Von daher ist es spannend, ob in den "musiktheatralen Begegnungen" mit dem Stoff diese Frage beantwortet wird, zumal Theseus in dieser Bühnenfassung als weitere Figur auftritt. Zunächst bleibt die Geschichte allerdings sehr abstrakt. Livljanić wandelt zu den sphärischen Klängen des Musikertrios Dialogos um die Bühne in den Flottmann-Hallen herum. Sie ist zu diesem Zeitpunkt nur Stimme, in der Ariadne die Jahrhunderte bis zur Gegenwart überdauert hat. Auf der Rückwand sind Projektionen von Matko Petrić zu sehen, die mal karge Landschaften, dann einen Innenhof aus der Froschperspektive und schließlich das weite Meer zeigen.

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Arianna (Katarina Livljanić) beklagt ihr Schicksal.

Wenn Livljanić als Arianna an den Anfang der Geschichte zurückkehrt, taucht auch Teseo auf. Pino de Vittorio ist in der Vorstellung leider sehr indisponiert, was sich stimmlich nicht verbergen lässt. Aber es ist ihm hoch anzurechnen, dass er trotz seiner angeschlagenen Gesundheit die Vorstellung rettet. Gemeinsam lassen die beiden nun die Vergangenheit Revue passieren, und durchleben die Geschichte noch einmal. Dabei wird aus den Erzählungen deutlich, dass sie das Erlebte völlig anders wahrgenommen haben. Während Arianna die Geburt ihres Halbbruders Minotaurus, den ihre Mutter Pasiphaë von einem Stier empfangen hat blumig ausschmückt, kritisiert Teseo die frevelhafte Lust der Königin, die dazu beigetragen hat, dass sich der Minotaurus zu dem Monster entwickelt hat, das schließlich in ein Labyrinth eingesperrt und von ihm besiegt werden musste. Dennoch geben beide zu, dass sie damals voneinander fasziniert waren. Deswegen hat Arianna ihre Heimat verlassen und Teseo ihr auf Naxos die Unschuld geraubt.

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Werden Arianna (Katarina Livljanić) und Teseo (Pino de Vittorio) wieder zueinander finden?

Dann verlieren sich die beiden. Immer noch bleibt unklar, wieso Teseo am nächsten Morgen ohne Arianna aufgebrochen ist. Arianna macht dem Geliebten schwere Vorwürfe, auf die er nichts zu erwidern weiß. Stattdessen berichtet er vom Tod seines Vaters, den er zu verantworten hat, weil er bei der Rückkehr nach Athen vergessen hat, ein weißes Segel zu hissen, und sein Vater sich im Glauben, dass sein Sohn dem Minotaurus zum Opfer gefallen sei, selbst das Leben genommen hat. Das ist die Schuld, die Teseo quält, wobei Arianna weiter auf einer Antwort beharrt, wieso Teseo sie verlassen habe. Die gibt der Abend dann schließlich doch noch. Wenn Arianna berichtet, dass sie sich in die Wogen gestürzt habe, um dem Geliebten zu folgen, dreht Teseo die Ereignisse um. Er habe von dichtem Nebel umgeben selbst geglaubt, dass Arianna in den Fluten ertrunken sei. Deshalb habe er die Insel Naxos ohne sie verlassen. Bei dieser Erzählung kann vor allem Norbert Rodenkirchen begeistern, der mit der Flöte sehr lautmalerisch den Sturm auf hoher See imitiert.

Arianna gibt sich schließlich mit dieser Antwort zufrieden, und die beiden gestehen sich ihre Liebe erneut. Livljanić und de Vittorio tanzen wie zu Beginn umeinander herum und finden in zarten Bewegungen zueinander. Dass ihre Beziehung allerdings wieder so unbeschwert werden wird, wie sie vorher war, darf bezweifelt werden. Dafür haben die Jahrhunderte doch zu viele Narben auf der Seele hinterlassen. Livljanić interpretiert die Partie der Arianna sehr eindringlich. De Vittorio hat als Teseo hier im Gegensatz zu Ovids Version eine Stimme und kann sich rechtfertigen, wird als Figur aber trotzdem nicht vollständig rehabilitiert. Das Ensemble Dialogos untermalt die Worte eindrucksvoll mit der Laute, einer Viola da braccio und mehreren Flöten. So gibt es vom Publikum zu Recht begeisterten Applaus.

FAZIT

Livljanić hat die Geschichte aus mehreren Texten vom Spätmittelalter bis zur Renaissance zu einer spannenden Erzählung mit sehr eindringlichen Tönen verwoben.

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Ausführende

Leitung und Gesang
Katarina Livljanić

Inszenierung
Olivier Lexa

Video
Matko Petrić

Ensemble Dialogos
Albrecht Maurer, Viola da braccio
Norbert Rodenkirchen, Flöten
Bor Zuljan, Laute

 

Solistinnen und Solisten

Arianna
Katarina Livljanić

Teseo
Pino de Vittorio

 

 

Weitere
Informationen

erhalten Sie unter
Tage Alter Musik in Herne
(Homepage)



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