Zum mittlerweile 49. Mal finden im November an einem verlängerten Wochenende die Tage
der Alten Musik in Herne statt, die von der Stadt gemeinsam mit dem
Kulturradio WDR 3 ausgerichtet werden. Als 1976 der damalige Kulturdezernent
der Stadt Herne, Joachim Hengelhaupt, die Idee hatte, eine Ausstellung von
Musikinstrumenten für das Repertoire der Alten Musik mit Konzerten in
historischer Aufführungspraxis zu verknüpfen, hat wahrscheinlich niemand
damit gerechnet, dass sich daraus ein kleines Musikfestival entwickeln
würde, das mittlerweile Kultstatus besitzt. Der
künstlerische Leiter des Festivals, Dr. Richard Lorber, hat als diesjähriges Motto "Die Welt und wir" gewählt und
stellt in insgesamt 10 Konzerten die Frage nach der "kulturellen
Aneignung vom
Mittelalter bis zur Moderne".
Ein Beispiel ist die italienische Oper, die sich als
Importartikel im England des 18. Jahrhunderts schnell zu einer elitären
Angelegenheit entwickelte, so dass eine Karikatur nicht lange auf sich
warten ließ. Die berühmte Beggar's Opera von Johann Christoph Pepusch
und John Gay leitete den Niedergang der Barockoper in England ein. In der
Fortsetzung
Polly gingen die beiden ein Jahr später sogar noch weiter und verlagerten die
Handlung in die Karibik als Kritik am britischen Kolonialismus und den
Auswirkungen des Finanz-Crashs der South Sea Bubble. Die lautten compagney
unter der musikalischen Leitung von Wolfgang Katschner kombiniert diese Ballad Opera nun
mit originaler Punta-Musik aus der Karibik. Dazu arbeitet Katschner mit Pen Cayetano, der als Legende des karibischen Punta Rock bezeichnet werden kann,
und dem Garifuna Collective aus Belize zusammen. Die Aufführung findet am
14. November 2025 um 20.00 Uhr im Kulturzentrum Herne statt.
Den Abschluss bildet dann am 16. November 2025 um 19.00 Uhr
im Kulturzentrum Antonio Salieris
La grotta di Trofonio. Die Oper spielt an einem Orakel-Ort im
antiken Griechenland und erzählt eine Legende, die von Pausanias überliefert
worden ist. Dabei bewegt sie sich allerdings im satirischen Fahrwasser von
William Shakespeare und präsentierte sich bei der Uraufführung um 1780 in
Wien mit allerlei zu dieser Zeit beliebter Esoterik und Pseudo-Zauberei.
Salieri zeigt in der Partitur die ganze Vielfalt seiner musikalischen
Phantasie, die durch Mozart und Salieris Diffamierung ziemlich in
Vergessenheit geraten ist. Anlässlich des 200. Todesjahres des Komponisten
soll dem Werk in Herne mit der Neuinterpretation durch die Hofkapelle München
unter der musikalischen Leitung von Rüdiger Lotter wieder mehr
Aufmerksamkeit geschenkt werden. Nikolay Borchev und Jonas Müller sind als
Zauberer Trofonio und Kaufmann Aristide, Maria Hegele und Annija Adamsone
als dessen Töchter Ofelia und Dori zu erleben. In der Grotte des Trofonio
kommt es mit den beiden Verlobten der beiden jungen Damen, Artemidoro und
Plistene, die von Jan Petryka und Jorge Navarro Colorado interpretiert
werden, zu allerhand amourösen Verwicklungen.
Weitere Konzerte, die live oder zeitlich versetzt in WDR 3 übertragen werden, ergänzen vom
13. bis zum 16.
November 2025 das Programm, das
komplett
hier abrufbar ist.