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49. Tage Alter Musik in Herne

13.11.2025 - 16.11.2025

La grotta di Trofonio

Dramma giocoso in zwei Akten
Libretto von Giovanni Battista Casti
Musik von Antonio Salieri


In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3 h 10' (eine Pause)

Konzertante Aufführung im Kulturzentrum in Herne am 16. November 2025

 

 

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Skurrile Verwandlungen

Von Thomas Molke / Fotos: © Thomas Kost / WDR

Antonio Salieri ist heutzutage den meisten nur noch als missgünstiger Rivale Mozarts aus der berühmten Verfilmung Amadeus von Peter Shaffer ein Begriff. Danach soll er auch an Mozarts Ableben nicht unbeteiligt gewesen sein, was aber wohl eher auf einem Gerücht beruht, das der Sänger Calisto Bassi verbreitet hat und dessen Wahrheitsgehalt nicht nachgewiesen werden kann. Die Tatsache, dass Salieri Mozart sogar unterrichtete und das "Wunderkind" aufgrund seiner eigenen Stellung am Wiener Hof keineswegs zu fürchten brauchte, legt nahe, dass das Verhältnis der beiden in Wirklichkeit ein ganz anderes gewesen ist. Auf den Opernbühnen führt Salieri im Gegensatz zu Mozart ein Schattendasein, obwohl seine Werke bis zu seinem Tod 1825 in ganz Europa große Erfolge feiern konnten. Bei den Tagen Alter Musik in Herne hat man sich nun entschieden, das diesjährige Festival mit einer Hommage an den vor 200 Jahren verstorbenen Komponisten zu beenden und hat dafür ein Dramma giocoso ausgewählt, das am 12. Oktober 1785 am Wiener Burgtheater eine umjubelte Uraufführung feierte: La grotta di Trofonio. Allein 1785 folgten noch 12 weitere Aufführungen, und im folgenden Jahr stand das Werk weitere 18 Mal auf dem Spielplan, was einen größeren Erfolg markierte als beispielsweise Mozarts Le nozze di Figaro. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Oper auch in zahlreiche andere Sprachen übersetzt und in vielen Städten Europas nachgespielt.

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Aristone (Nikolay Borchev, rechts) will seine Tochter Ofelia (Maria Hegele) mit Artemidoro (Jan Petryka, Mitte) verheiraten.

Die Handlung geht auf einen antiken griechischen Kult zurück, wonach man beim Besuch des Orakels des Trophonios (in der Oper Trofonio) nach mehreren Reinigungsritualen in einer Höhle zwei Sorten von Wasser zu trinken bekam. Der eine Trank ließ alle Sorgen vergessen, während der andere Trank Erinnerungen an alle Ereignisse in der Höhle weckte. In der Oper wird aus dieser Höhle eine Grotte, die beim Betreten die Persönlichkeit eines Menschen in sein Gegenteil verwandelt. Diese Erfahrung machen die beiden jungen Griechen Artemidoro und Plistene, die die beiden Töchter des Aristone, Ofelia und Dori, heiraten wollen. Der stets zu Späßen aufgelegte Plistene hat die fröhliche Dori als seine Braut auserkoren, während der stets in Bücher vertiefte Artemidoro von der ebenso ernsthaften Ofelia begeistert ist. Doch von Trofonio lassen sich die beiden Männer auf dem Weg durch den Wald in die Grotte locken und kommen mit veränderter Mentalität wieder heraus, was die beiden Frauen heftig an der Wahl ihrer Auserwählten zweifeln lässt. Als der Zauber durch einen weiteren Besuch der beiden jungen Männer in der Grotte rückgängig gemacht wird, haben allerdings auch die beiden Frauen die Grotte betreten, so dass nun Dori ernsthaft und Ofelia absolut lebenslustig ist. Nun erkennt Aristone, dass Trofonio dafür verantwortlich ist, schickt die Mädchen erneut in die Grotte, so dass einer glücklichen Vermählung der beiden Paare nichts mehr im Wege steht.

Was Ende des 18. Jahrhunderts als Parodie auf die Opera seria und die Opera buffa, für die die beiden Paare Ofelia / Artemidoro bzw. Dori / Plistene stehen, für das Publikum einen großen Unterhaltungswert gehabt hat, mag für ein heutiges Publikum ein wenig zu seicht wirken. Es fehlt die Tiefgründigkeit, die beispielsweise Mozarts ein Jahr später uraufgeführte Oper Le nozze di Figaro auszeichnet. Dennoch klingt musikalisch sehr vieles vertraut und eingängig. Die Hofkapelle München, die ihren Schwerpunkt vor allem auf deutschen Barock und Klassik gelegt hat, zeigt sich unter der musikalischen Leitung ihres Gründers Rüdiger Lotter als prädestinierter Klangkörper für Salieris leicht strömende Musik und arbeitet die Spritzigkeit der Partitur mit viel Fingerspitzengefühl heraus. Differenziert fängt es die unterschiedlichen Stimmungen ein und punktet durch homogenen Klang.

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Dori (Elisabeth Freyhoff) liebt Plistene (Jorge Navarro Colorado).

Die Solistinnen und Solisten, die im Gegensatz zur konzertanten Aufführung von Legrenzis Il Totila am Tag zuvor vor dem Orchester und nicht dahinter agieren, singen die Partien zwar vom Blatt ab, zeigen aber trotzdem große Spielfreude in der Mimik und Gestik. Da sind zunächst die beiden Paare zu nennen. Für die erkrankte Annija Adamsone ist kurzfristig Elisabeth Freyhoff als Dori eingesprungen. Sie verleiht der lebenslustigen jungen Frau nicht nur mit beweglichem Sopran eine gewisse Leichtigkeit, sondern vollzieht auch in der Darstellung nach dem Besuch der Grotte einen sehr komödiantischen Wechsel, wenn sie absolut träge und lethargisch auftritt. Auch Maria Hegele vollzieht als Ofelia diesen Wechsel mit großartiger Komik. Zunächst punktet sie mit warmem Mezzosopran und strahlt eine große Ruhe und Ernsthaftigkeit aus. Umso flatterhafter zeigt sie sich nach dem Besuch der Höhle, wenn sie fröhlich daherträllert. Die beiden jungen Männer verändern im Gegenzug zu den Frauen nach dem Besuch der Höhle auch jeweils ihr Äußeres. Jan Petryka trägt als belesener Artemidoro sein langes Haar zunächst zusammengebunden, während er nach dem Besuch der Grotte mit offenem Haar sehr locker daherkommt. Jorge Navarro Colorado hat als Plistene den Schalk im Nacken, wird aber durch den Besuch der Höhle zu einem ernsten Philosophen mit Gelehrten-Brille. Auch stimmlich können die beiden Männer mit leichtem Tenor überzeugen.

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Trofonio (Jonas Müller) ruft seine Geister (Herren-Chor) herbei.

Große Komik versprüht auch Nikolay Borchev als Vater Aristone, dem es ein großes Anliegen ist, seine Töchter zum einen standesgemäß, zum anderen aber auch nach ihren Wünschen zu verheiraten. Da jubiliert er zunächst mit flexiblem Spiel-Bariton, wenn die Wahl seiner Töchter auf zwei junge Männer gefallen ist, die er selbst auch als Schwiegersöhne wünscht. Umso hektischer wird er dann, wenn nach der Verwandlung der beiden jungen Männer, seine Töchter von einer Ehe Abstand nehmen wollen. Als dann auch noch seine Töchter verwandelt aus der Höhle kommen, ist er völlig verzweifelt, bis er sich ein Herz fasst und seine beiden Töchter erneut in die Grotte schickt. Jonas Müller hat als Zauberer und Philosoph Trofonio den Schalk im Nacken und punktet mit dunkel gefärbtem Bariton. Dabei trägt er stets einen Zauberstab bei sich. Der fünfköpfige Herren-Chor der Hofkapelle München sorgt mit homogenem Klang für Momente der dunklen Magie. Am Ende gibt es großen Applaus für alle Beteiligten.

FAZIT

Salieris La grotta di Trofonio ist ein spritziger Abschluss für die letzten Tage Alter Musik unter der künstlerischen Leitung von Dr. Richard Lorber. Es bleibt zu hoffen, dass es zum 50. Jubiläum im nächsten Jahr unter neuer Leitung ebenso ambitioniert weitergeht.

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Ausführende

Musikalische Leitung
Rüdiger Lotter

Hofkapelle München
Chor und Orchester

 

Solistinnen und Solisten

Aristone
Nikolay Borchev

Trofonio
Jonas Müller

Ofelia
Maria Hegele

Dori
Elisabeth Freyhoff

Artemidoro
Jan Petryka

Plistene
Jorge Navarro Colorado

 

 

 

Weitere
Informationen

erhalten Sie unter
Tage Alter Musik in Herne
(Homepage)



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