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Veranstaltungen & Kritiken Musikfestspiele |
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Verschieden und doch so ähnlichVon Thomas Molke / Fotos: © Xiomara Bender (TFE Presse) Was haben die letzte ägyptische Pharaonin Kleopatra und Puccinis Suor Angelica gemeinsam? Auf den ersten Blick verbindet die beiden nicht viel. Um die eine ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden, die sie zur Femme fatale der Antike stilisierten. Die andere wird von ihrer Familie wegen eines unehelichen Kindes verstoßen und fristet ein armseliges Dasein im Kloster. Dennoch kombiniert man bei den Tiroler Festspielen in Erl Hector Berlioz' lyrische Szene La Mort de Cléopâtre mit Puccinis Einakter zu einem gemeinsamen Opernabend, der, auch wenn die Stücke inhaltlich nicht verbunden werden, einige Parallelen zwischen den Schicksalen der beiden Frauen aufzeigt. Beide befinden sich in einer ausweglosen Situation, in der sie den Freitod durch Gift als einzigen Ausweg sehen. Cléopâtre stirbt durch den Biss einer Schlange, Angelica mixt sich einen Trank aus giftigen Kräutern. Und so empfindet man für beide Heroinen tiefes Mitgefühl, da das Leben beiden keine Chance lässt. Cléopâtre (Véronique Gens) sieht keinen Ausweg mehr. Den Anfang macht Berlioz' lyrische Szene La Mort de Cléopâtre. Mit der Komposition bewarb sich Berlioz 1829 zum mittlerweile dritten Mal um den begehrten Prix de Rome der Pariser Académie des beaux-arts, der mit einem Stipendium und einem zweijährigen Aufenthalt in der Villa Medici in Rom verbunden war. Die ersten beiden Versuche von Berlioz für den Preis waren nicht von Erfolg gekrönt. Nun diente ein Libretto von Pierre-Ange Vieillard über den Tod der ägyptischen Königin Kleopatra als Grundlage. In rund 20 Minuten zeichnet Berlioz ein vielschichtiges Bild der Königin, die ihr Leben Revue passieren lässt und sich fragt, ob sie überhaupt würdig ist, in den Pyramiden neben ihren Vorfahren begraben zu werden. Schließlich hat sie Ägypten unter die Herrschaft Roms gebracht und damit den alten Glauben an die Göttin Isis zerstört. Doch die nahenden Feinde reißen sie aus ihren Gedanken, so dass sie handeln muss und sich durch einen Schlangenbiss dem Zugriff der Römer unter Octavian entzieht. Erst im Tod fühlt sie sich wieder wie eine rechtmäßige Herrscherin. Gewinnen konnte Berlioz den Prix de Rome auch damit nicht, was aber keineswegs gegen die musikalische Qualität spricht. Vielleicht war das Stück für die Académie einfach zu fortschrittlich und entsprach nicht den eher konventionellen Erwartungen. Cléopâtre (Véronique Gens) stirbt in den Armen einer Dienerin (Maryam Abu Khaled). Das Regie-Team um Deborah Warner lässt die Szene in einem Verlies ohne Fenster spielen und stellt der Titelpartie zwei stumme Dienerinnen an die Seite. Zum musikalisch dramatischen Beginn stürzen die beiden mit einem großen Wasserbehälter und einem Terrarium, in dem sich wohl die Giftschlange befindet, in das Verlies und versuchen, Cléopâtre einen einigermaßen angemessenen Rückzugsraum zu bieten. Cléopâtre tritt in einem blauen Kostüm auf, das sie beinahe wie eine Flugbegleiterin erscheinen lässt. In der Mitte des abgeschlossenen Raumes befindet sich eine Art Steinbahre, die an ein offenes Grab erinnert. In diesem Ambiente steigert sich Véronique Gens mit großen dramatischen Ausbrüchen in die Gefühlswelt der ägyptischen Königin. Absolut packend gestaltet sie die Rezitative und arbeitet in den einzelnen Nummern bewegend die Klangfarben heraus, die Berlioz später bei seinen Troyens für die Seherin Cassandre und die karthagische Königin Didon noch weiter perfektioniert hat. Edward Gardner führt das Orchester der Tiroler Festspiele Erl durch einen regelrechten Parforce-Ritt, der den letzten Minuten Cléopâtres eine enorme Intensität verleiht. Musikalisch großartig wird der Moment des Schlangenbisses umgesetzt. Da kann man den Schmerz in der Musik direkt heraushören. Auch die anschließende Sterbeszene ist in ihrer Tragik weit von dem entfernt, was man aus dem italienischen Belcanto kennt und wirkt wesentlich authentischer. Gens stirbt als Cléopâtre nicht auf der Steinplatte sondern in einer Ecke des Raumes, nachdem sie das Kostüm und ihren Schmuck zuvor abgelegt hat und in ihrem langen weißen Unterhemd absolut verletzlich scheint. Auch hier wird eine Parallele zu Suor Angelica aufgebaut, weil diese am Ende ihre Nonnentracht ablegt und ebenfalls in einem langen weißen Unterhemd in eine andere Welt übergeht.
Puccinis Suor Angelica ist eigentlich der zweite Teil eines dreiteiligen
Opernabends mit dem Titel Il trittico, mit dem er ein musiktheatralisches
Pendant zu Dantes Divina commedia schaffen wollte. In mehreren
menschlichen Dramen spannte er den ganzen Bogen von der Tragödie in Il tabarro
über das Spirituelle in Suor Angelica bis hin zur Komödie in
Gianni Schicchi. So wehrte er sich lange Zeit dagegen, dass die
einzelnen Teile allein aufgeführt oder mit anderen Kurzopern kombiniert wurden.
Da Gianni Schicchi beim Publikum allerdings wesentlich besser ankam als
die beiden anderen Teile, konnte Puccini nicht verhindern, dass Gianni
Schicchi bald ein Eigenleben führte und losgelöst von Il tabarro und
Suor Angelica den Sprung ins Repertoire schaffte. Puccini hingegen sah
Suor Angelica immer als Zentrum des Dreiteilers und bezeichnete es sogar
als seinen Lieblingsteil. Beim Publikum hingegen wurde Puccinis Begeisterung
dafür nicht von Anfang an geteilt. Bei der ersten Aufführungsreihe in Covent
Garden 1920 wurde der Teil sogar bereits nach zwei Aufführungen unter einem
nicht ganz nachvollziehbaren Vorwand gestrichen. In den letzten Jahren beginnt
Suor Angelica wie Gianni Schicchi ein wenig ein Eigenleben auf den
Opernbühnen zu führen. So kombinierte beispielsweise das Theater
Krefeld-Mönchengladbach das Stück mit Puccinis Frühwerk Le Villi. An der
Opéra Royale de Wallonie in Liège verband man es mit Mese Mariano von
Umberto Giordano, und am Theater Hagen spielte man es zusammen mit Outi
Tarkiainens A Room of One's Own.
Die Fürstin (Alice Coote, im Hintergrund) will,
dass Angelica (Corinne Winters, vorne) auf ihren Erbteil verzichtet.
Im Tod vereint: Angelica (Corinne Winters) und
der Knabe (Maximilian Schindlholzer)
FAZIT
Auch wenn die beiden Geschichten des Opernabends grundverschieden sind, weisen
die Schicksale der beiden Frauen zahlreiche Parallelen auf, so dass der Abend
aus einem Guss ist.
Weitere Rezensionen zu den Tiroler
Festspielen Spielzeit 2025/2026 |
ProduktionsteamMusikalische LeitungEdward Garner Regie Bühnenbild und Kostüme Licht Bewegungscoach Chorleitung Leitung Kinderchor
Orchester der Tiroler Festspiele Erl Chor der Tiroler Festspiele Erl
Kinderchor der
Solistinnen und SolistenCléopâtre Cléopâtre
Schauspielerinnen Suor Angelica
Suor Angelica Die
Fürstin, Angelicas Tante Die Äbtissin Die Schwester Eiferin
Die Lehrmeisterin der Novizinnen Schwester
Genovieffa Schwester
Osmina Schwester
Dolcina Die
Schwester Pflegerin Erste
Almosensucherin Zweite
Almosensucherin Eine
Novizin Erste
Laienschwester Zweite
Laienschwester Statistin
und Statist
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