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Musikfestspiele
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Opernfestspiele Heidenheim

06.06.2026 - 26.07.2026

Macbeth

Melodramma in vier Akten (Urfassung)
Libretto von Francesco Maria Piave mit Ergänzungen von Andrea Maffei nach William Shakespeare
Musik von Giuseppe Verdi

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2 h 50' (eine Pause)

Premiere im Festspielhaus CCH in Heidenheim am 16. Juli 2026
(rezensierte Aufführung: 18. Juli 2026)

 

 

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Mord im Theater

Von Thomas Molke / Fotos: © Oliver Vogel

Im Rahmen der Reihe, Verdis Frühwerke in chronologischer Reihenfolge aufzuführen, steht in diesem Jahr bei den Opernfestspielen Heidenheim mittlerweile die zehnte Oper Macbeth auf dem Programm. Das düstere Schotten-Drama auf eine Vorlage von William Shakespeare stellt eine Abkehr von der bis dahin geltenden Operntradition dar. Bezeichnend ist, dass in diesem Werk kein Platz für eine Liebesgeschichte ist. Selbst bei den Hauptfiguren, Macbeth und seiner Lady, kann man sich in der Anlage der Charaktere kaum vorstellen, dass es einmal ein Gefühl der zärtlichen Liebe zwischen den beiden gegeben haben soll. Die Uraufführung am 14. März 1847 am Teatro della Pergola in Florenz löste zunächst keine allzu große Begeisterung aus, da die dunklen Farben der Partitur für Irritation sorgten. Für die Partie der Lady Macbeth wünschte sich Verdi sogar ausdrücklich keine "schöne" Stimme im traditionellen Sinn, sondern eine eher raue, scharfe Klangfarbe, die sogar hässlich klingen dürfe, wenn es der dramatischen Wahrheit diene. Auch die Besetzung der Titelpartie mit einem Bariton war für damalige Verhältnisse ungewöhnlich. Aber schließlich handelte es sich bei Macbeth ja um keinen Helden, so dass ein Heldentenor dramaturgisch für Verdi nicht passend gewesen wäre. Für eine Aufführung in Paris überarbeitete Verdi das Stück 18 Jahre später grundlegend und ergänzte unter anderem eine für die Pariser Oper obligatorische Balletteinlage. Diese zweite Fassung wird für heutige Aufführungen häufig ausgewählt, da sie als größer, farbiger und raffinierter instrumentiert gilt und viele Szenen in der psychologischen Tiefe verfeinert. Da man in Heidenheim allerdings Wert auf eine chronologische Reihenfolge der Verdi-Opern legt, versteht es sich von selbst, dass hier die selten gespielte Urfassung auf dem Spielplan steht.

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Macbeth (Thomas Weinhappel) und Lady Macbeth (Leah Gordon) haben die Macht übernommen.

Im Gegensatz zum Drama bei Shakespeare wertet Verdi die drei Hexen und Hecate zu einem kompletten Hexenchor auf und macht diesen Chor zur dritten Hauptfigur des Stückes. Für die Pariser Fassung fügte er zu Beginn des ersten Aktes einen zusätzliche Hexenchorpassage ein, und auch das Ballett im dritten Akt ist in dieser Fassung den Hexen gewidmet. Die ursprüngliche Cabaletta der Lady Macbeth im zweiten Akt, in der sie nach der Ermordung des Königs die neu gewonnene Herrschaft feiert, ersetzte er durch die heute bekanntere Arie "La luce langue". Im dritten Akt der Urfassung tritt die Lady gar nicht auf. Statt des Duettes "Ora di morte e di vendetta" zwischen Macbeth und der Lady endet der dritte Akt mit einer Cabaletta Macbeths, "Vada in fiamme", die Macbeth als schwächeren Charakter als in der späteren Pariser Fassung zeichnet. Der Eröffnungschor im vierten Akt wurde von Verdi ebenfalls für Paris neu komponiert und hat in der Urfassung noch Anklänge an den berühmten Gefangenenchor aus Nabucco. Auch der Schluss unterscheidet sich in beiden Fassungen. Während in der Urfassung die Oper mit dem Monolog des auf der Bühne sterbenden Macbeth endet, wird Macbeth in der Pariser Fassung im Off von Macduff getötet, und die Oper endet mit einer Siegeshymne des Chores, der die Wiederherstellung der rechtmäßigen Ordnung unter dem neuen König Malcolm feiert.

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Die Hexen (Damenchor) umwerben Banco (Don Lee).

Das Regie-Team um Andreas Baesler verlegt die Handlung der Oper in einen heutigen Theaterbetrieb. Macbeth ist ein ehrgeiziger Sänger, der um Karriere, Anerkennung und Erfolg kämpft. Da müssen die Rivalen um den Ruhm eben ausgeschaltet werden. Lady Macbeth tritt hier als seine Managerin auf, der jedes Mittel recht ist, um die Karriere ihres Schützlings voranzutreiben. Der König Duncano ist folgerichtig der gefeierte Star des Theaters, der zum Schutz seiner Stimme zunächst mit medizinischer Maske auftritt und dann bereits im ersten Akt hinter der Bühne ermordet wird. Banco erscheint als Dirigent im Frack mit Taktstock, was vielleicht als humorvoller Seitenhieb verstanden werden kann, wer im Musiktheater der eigentliche Star ist. So wie Banco "nur" prophezeit wird, Vater zukünftiger Könige zu sein, nimmt er als Dirigent aus dem Orchestergraben auch nicht den Platz des ersten Sängers ein, raubt ihm aber vielleicht doch auf andere Weise die Gunst und Anerkennung des Publikums. So zerbricht Macbeth in der Inszenierung auch wutentbrannt den Taktstock, bevor er Banco von einem gedungenen Mörder beseitigen lässt. Die Hexen sind bei Baesler keine geheimnisvollen Wesen, sondern Bühnenmitarbeiterinnen des Theaterbetriebs, die auch in dieser Funktion Macbeth mit Einflüsterungen vom rechten Weg abbringen.

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Die Kammerfrau (Julia Rutigliano, hinten links) und der Arzt (Rory Dunne) beobachten Lady Macbeth (Leah Gordon, vorne rechts) beim Schlafwandeln.

Mit dieser Verlegung in die Welt des Theaters geht die Handlung im Großen und Ganzen schlüssig auf. Dennoch bleiben einige Fragezeichen. Da ist zunächst die Figur des Königssohns Malcolm. In seinen Auftritten wirkt er wie eine verzogene Göre mit Goldkettchen und Rapper-Jacke, der mit der Theaterwelt eigentlich nicht viel gemein hat. Dass er schließlich die Rolle des Königs auf der Bühne übernehmen soll, wirkt unglaubwürdig. Da hätte in der Anlage der Personenregie Macduff einen wesentlichen passenderen König abgegeben. Auch die Hexenszene zu Beginn des dritten Aktes lässt nicht genau erkennen, was die Bühnenmitarbeiterinnen in der "Kantine des Theaters" eigentlich zelebrieren, wenn sie eine Art Kaffeemaschine auf dem Souffleurkasten positionieren und unterschiedliche Gegenstände in den Filter werfen. Hier wartet man vergeblich auf irgendeinen Effekt im aufgestellten Gerät. Dieser wird hingegen mit den drei Erscheinungen umgesetzt. Während die erste Erscheinung hinter einem durchscheinenden schwarzen Vorhang steht und Macbeth vor Macduff warnt, treten die zweite und dritte Erscheinung als Knabensoprane in weißen Messdiener-Kostümen in den Seitenlogen neben den Scheinwerfern auf. Die zweite Erscheinung ist dabei blutüberströmt, um zu zeigen, dass Macbeth schon einige Morde zu verantworten hat. Auch die Visionen Macbeths vom toten Banco werden durch eine eindrucksvolle Lichtregie von Hartmut Litzinger umgesetzt.

Musiziert wird auf hohem Niveau. Marcus Bosch arbeitet mit dem Festspielorchester Cappella Aquileia eindrucksvoll heraus, welche Meriten bereits in der Urfassung von Verdis Oper liegen. Vielleicht klingt einiges etwas schroffer als in der späteren Fassung. Die kantigen und teilweise direkten musikalischen Ansätze korrespondieren aber wunderbar mit der erzählten Geschichte, so dass es sehr lohnenswert ist, diese Fassung mit der gängigeren Pariser Fassung zu vergleichen. Der von Eduard Kostelník einstudierte Tschechische Philharmonische Chor Brünn macht gesanglich und darstellerisch deutlich, dass der Chor in dieser Oper die dritte Hauptfigur ist. Die Chordamen begeistern in den Hexenchören durch dämonische Schärfe und intensives Spiel. Da wird beim Fegen der Bühne auch ausgelassen getanzt. Auch Lady Macduff, die in der Oper als Figur eigentlich nur erwähnt wird, wird von einer Chordame gespielt und tritt gemeinsam mit ihrem Kind (Statistin) bei der Feier im zweiten Akt auf. Wenn Macduff entsetzt vor der Pause von der Bühne flieht, nimmt sich Lady Macbeth scheinbar fürsorglich ihrer an. Die Ermordung wird allerdings nicht auf der Bühne gezeigt, sondern nur erwähnt. Macduff findet später in den Trümmern auf der Probebühne im vierten Akt die Puppe seiner Tochter.

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Macduff (David Esteban, Mitte) tötet Macbeth (Thomas Weinhappel, links).

Die Solistinnen und Solisten des Abends lassen ebenfalls keine Wünsche offen. Thomas Weinhappel begeistert in der Titelpartie mit variablem Bariton, der die Wankelmütigkeit Macbeths deutlich hervorhebt. Zunächst ist er ein eher schwacher Mann, der sich von seiner Gattin manipulieren lässt. Doch mit der Schuld wächst auch seine Grausamkeit, so dass er immer weitere Verbrechen begeht und immer gewissenloser wird. Wie eine Statue hält er am Ende an seiner Position als König fest und wird von Macduff im wahrsten Sinne des Wortes vom Sockel gestoßen. Leah Gordon liefert ein musikalisch eindringliches Porträt der Lady Macbeth. Mit großem, dramatischem Sopran verfügt sie über eine volle Mittellage und lässt die Koloraturen mit scheinbarer Leichtigkeit fließen. Darstellerisch macht sie eine intensive Entwicklung durch. Während sie zu Beginn absolut taktierend und beherrscht auftritt und in der Cabaletta im zweiten Akt mit großartigen Läufen jubiliert, wird sie im letzten Akt von ihrer Schuld eingeholt und begeistert mit nahezu gebrochener Stimme in der Schlafwandelszene. Diese Entwicklung wird auch kostümtechnisch nachvollzogen. Don Lee verfügt als Banco über einen profunden, dunklen Bass, der enorme Ruhe ausstrahlt, was Macbeth noch mehr verunsichert und überzeugt, dass Banco als Rivale beseitigt werden muss.

David Esteban stattet die Partie des Macduff mit strahlendem Tenor aus, der am Ende den Sieg über Macbeth davonträgt. Über die Personenregie des Malcolm kann man geteilter Meinung sein. Santiago Bürgi setzt Baeslers Konzept jedenfalls überzeugend um und punktet mit leichtem Tenor. Julia Rutigliano und Rory Dunne runden das Ensemble in den kleineren Partien als Kammerfrau der Lady und Diener Macbeths bzw. Arzt überzeugend ab, so dass es für alle Beteiligten großen und verdienten Beifall gibt.

FAZIT

Musikalisch ist die Urfassung schon allein zum Vergleich mit der bekannteren Fassung lohnenswert. Wer keine Gelegenheit hatte, die Oper live zu sehen, kann sich auf einen CD-Mitschnitt freuen, der von der Produktion erstellt wird.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Marcus Bosch

Regie, Bühne und Kostüme
Andreas Baesler

Mitarbeit Regie
Marie-Christine Lüling

Mitarbeit und Umsetzung Kostüme
Almut Echler

Lichtdesign
Hartmut Litzinger

Choreinstudierung
Eduard Kostelník

Dramaturgie
Gerhard Herfeldt

 

Cappella Aquileia

Tschechischer Philharmonischer
Chor Brünn


Solistinnen und Solisten

*rezensierte Aufführung

Duncano, König von Schottland
Oliver von Fürich

Macbeth, Anführer des königlichen Heeres
Thomas Weinhappel

Banco, Anführer des königlichen Heeres
Don Lee

Lady Macbeth, Macbeths Frau
Leah Gordon

Kammerfrau der Lady Macbeth
Julia Rutigliano

Macduff, schottischer Edler, Herr von Fife
David Esteban

Malcolm, Sohn Duncanos
Santiago Bürgi

Fleanzio, Bancos Sohn
*Levi Dierolf /
Justus Keitel

Ein Diener Macbeths / Arzt
Rory Dunne

Ein Mörder
Daniel Dropulja

Erste Erscheinung
Daniel Dropulja

Zweite Erscheinung
Levi Dierolf

Dritte Erscheinung
Justus Keitel

Kind
Theresa Kettel


 
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