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Musikfestspiele
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Innsbrucker Festwochen der Alten Musik
24.07.2026 - 30.08.2026


Il pomo d'oro Teil 2

Oper in fünf Akten und einem Prolog
Libretto von Francesco Sbarra
Musik von Pietro Antonio Cesti (Rekonstruktion der Musik der verschollenen Akte III und V von Ottavio Dantone)

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3 h 25' (eine Pause)

Premiere im Tiroler Landestheater in Innsbruck am 8. August 2026
(rezensierte Aufführung: 12. August 2026)




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Eine etwas andere Fortsetzung des Mythos

Von Thomas Molke / Fotos: © Birgit Gufler / Innsbrucker Festwochen

Nachdem der bekannte Mythos über den goldenen Apfel und das Parisurteil bereits am Ende des ersten Aktes im ersten Teil von Pietro Antonio Cestis Oper Il pomo d'oro erzählt worden ist, darf am zweiten Abend mit Spannung erwartet werden, was sich Cesti und sein Librettist Francesco Sbarra für die Akte 3 bis 5 noch haben einfallen lassen, so dass die Oper schon bei der Uraufführung 1668 wegen ihrer Länge auf zwei Abende verteilt werden musste Auch in Innsbruck ist der zweite Teil mit knapp drei Stunden und 25 Minuten inklusive einer Pause fast genauso lang wie der erste Teil am Abend zuvor. Besonders interessant dürfte am zweiten Teil sein, dass man einen Großteil der Musik noch nie gehört haben kann, da sie von Ottavio Dantone rekonstruiert worden ist. Cestis Il pomo d'oro ist nämlich nach der Uraufführung nicht nur wegen der ausufernden Länge nie wieder gespielt worden. Auch die Musik des dritten und fünften Aktes ist verschollen, und nur das Textbuch ist vollständig erhalten. Aus vorhandenen Fragmenten, die in der Bibliothek in Modena gefunden wurden, und anderen Werken Cestis hat Dantone nun die komplette Oper rekonstruiert und ein musikalisches Werk aus einem Guss geschaffen, das dem Original relativ nah kommen dürfte. Das Regie-Team um Fabio Ceresa setzt die opulente Umsetzung, die schon im ersten Teil begeisterte, ähnlich fort und verzichtet in den komödiantischen Szenen nicht auf moderne Anspielungen.

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Die Winde außer Rand und Band: von links: Eolo (Giacomo Nanni), Euro (Mauro Borgioni), Zeffiro (Jiayu Jin), Volturno (Danilo Pastore) und Austro (Žiga Čopi) mit Giunone (Sophie Rennert) und Tänzerinnen und Tänzern

Das beginnt direkt am Anfang des dritten Aktes mit dem Auftritt des Eolo, des Gottes der Winde, und seiner treuen Geister Euro, Austro, Volturno und Zeffiro. Bei Eolo lässt sich eine optische Nähe zum US-amerikanischen Präsidenten nicht leugnen, der in der Schaltzentrale der Macht, in der tags zuvor der athenische König Cecrope von seiner Gattin Alceste Abschied genommen hat, die Schurken der Weltpolitik versammelt hat. Wenn die vier Winde von ihren "Heldentaten" erzählen, wird keine Verfehlung ausgelassen, ob es sich um sexuelle Belästigung, die Atombombe, Waffenhandel oder Drogenmissbrauch handelt. Die Politiker feiern sich ohne Rücksicht auf Verluste. Da wirkt es schon fast zynisch, wenn Giunone auftritt und allen Einhalt gebietet, um den Auftrag zu erteilen, Paride auf dem Weg nach Sparta auf hoher See in den Fluten des Meeres untergehen zu lassen. Von der Weltpolitik geht es zurück zu den privaten Problemen der Nymphe Ennone, die immer noch darüber trauert, dass Paride sie verlassen hat. Die Badewanne, in der sie liegt, stellt wohl ihren Vater, den Flussgott Xanthos dar. Immerhin will der Hirte Aurindo sich anschließend in der Wanne das Leben nehmen, weil seine Liebe zu Ennone immer noch nicht erhört wird. Da ein Ertränken in der Wanne nicht möglich ist, greift er kurzerhand zum Fön, was aber von Momo im letzten Moment verhindert werden kann.

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Nettuno (Federico D. E. Sacchi, vorne Mitte) bewahrt Parides (Mauro Borgioni, im Hintergrund) Schiff vor dem Untergang.

Die Szene wechselt ins Reich des Marte, das ähnlich opulent gestaltet ist wie der Olymp. Die dominierenden roten Farben deuten an, dass hier der Kriegsgott herrscht, der gerade seine Geliebte Venere mit einer anderen Frau betrügt. Wieso diese Frau aber wohl von Venere eingesetzt worden ist, erschließt sich nicht wirklich. Jedenfalls wird sie, nachdem Marte Venere Unterstützung im Kampf gegen Cecrope und seine Truppen zugesagt hat, finanziell entlohnt. Die Kabine, in der Paride anschließend über das Meer segelt, kommt dann durch die von Giunone entfachten Winde heftig ins Schaukeln. Der Chor NovoCanto tritt in Kapitänskostümen auf und wogt wie die Wellen des Meeres um die schaukelnde Kabine herum, in der Paride um sein Leben fürchtet. Als Gag fährt dann Nettuno auf einem Surfbrett herein, nachdem Venere, die auf einer Wolke in die Szene geflogen ist, ihn um Beistand für ihren Schützling Paride gebeten hat. Mit dem Versprechen, dass Nettuno die Nymphe Ampitrite erhält, wenn er Paride rettet, gelingt es ihr schließlich, das Wüten des Meeres zu stoppen. Dass eine Tänzerin in grünem Kostüm zu Nettuno tritt, ist noch nachvollziehbar, weil es sich dabei wohl um Amphitrite handeln soll, die Venere Nettuno versprochen hat. Aber dem Meer entsteigt noch eine weitere junge Frau, die zu Paride geht. Soll das Helena sein? Findet er sie in der Inszenierung doch schon, auch wenn das in der Oper gar nicht vorgesehen ist?

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Giunone (Sophie Rennert) bittet Foco (Paul Figuier) um Unterstützung

Nachdem Cecrope mit seinen Truppen im Kampf Marte und seinem Gefolge unterlegen und gefangen genommen worden ist, sucht sein Feldherr Adrasto bei einem Priester Beistand im Tempel der Athene. Hier sieht man wieder die Wolkenkratzer aus dem zweiten Akt, die wohl Athen darstellen sollen. Alceste pflegt gemeinsam mit Adrasto die verwundeten Soldaten, doch während der Opferzeremonie sacken die Wolkenkratzer plötzlich zusammen, was wohl das Erdbeben darstellen soll, das Adrasto mit seinem Anrufen der Göttin ausgelöst hat. Pallade tritt siegesgewiss auf und schwört die Athener darauf ein, den gefangenen Cecrope zu befreien. Wieso das Regie-Team im anschließenden Kampf Adrasto sterben lässt, erschließt sich nicht wirklich. Im Libretto ist das nicht so vorgesehen. Allerdings tritt er auch später nicht mehr auf. Vor der Pause gibt es dann nach eine komödiantische Szene mit Foco, dem Gott des Feuers, der von Giunone aufgefordert wird, Nettunos Reich zu zerstören, was Foco allerdings ablehnt, da es vom Schicksal verboten sei. Daraufhin zieht Giunone beleidigt ab, während sich Foco einem Fußballspiel widmet, dass durch ein böses Foul unterbrochen wird. Als Foco die rote Karte zieht, taucht Eolo im Präsidenten-Outfit auf und empfiehlt mit Scheinen in der Hand, die Entscheidung zu überdenken. Diese Idee dürfte dem Regie-Team wahrscheinlich erst durch die kürzlich beendete Fußball-Weltmeisterschaft gekommen sein.

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Kaffeekränzchen mit den drei Grazien: von links: Eufrosine (Ester Ferraro), Pasithea (Danilo Pastore) und Aglaie (Neima Fischer)

Nach der Pause geht es mit einer Szene weiter, die zwar inhaltlich die Geschichte überhaupt nicht weiterbringt, aber in herrlicher Opulenz badet. Kostümdesigner Giuseppe Palella lässt die drei Grazien in aufwändigen pinkfarbenen Kostümen auftreten. Eufrosine reitet sogar auf einem als Schildkröte verkleideten Tänzer herein, was im Publikum für einiges Schmunzeln sorgt. Ein weiterer szenischer Höhepunkt ist der Sturm, den Giunone im fünften Akt entfacht. Erbost darüber, dass ihr Göttergatte Giove nicht bereit ist, ihren Anspruch auf den goldenen Apfel durchzusetzen, fliegt sie mit einer Wolke empor und fordert die Elemente auf, ihrer Wut freien Lauf zu lassen. Der Leidtragende dabei ist Momo, der in einem Pool darunter eigentlich nur faulenzen möchte und sich über sie lustig macht. Während sie zunächst nur einzelne Silberfäden auf ihn herabregnen lässt, die dieser mit einem Schirm locker über sich ergehen lässt, wird der Sturm im weiteren Verlauf immer heftiger. Am Ende sind es goldene lange Fäden in einer Masse, die Momo im Toben des Sturms regelrecht verschwinden lassen.

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Aurindo (Rémy Brès-Feuillet) will verhindern, dass Ennone (Mathilde Ortscheidt) sich das Leben nimmt.

Das glückliche Ende für Ennone und Aurindo im letzten Akt ist bei aller Dramatik recht humorvoll in Szene gesetzt. Erst müssen Aurindo und Filaura mit vereinten Kräften verhindern, dass sich Ennone im Wohnzimmer erschießt. Dann muss Aurindo ebenfalls mit Selbstmord drohen, wenn Ennone ihn nicht endlich erhört, und Filaura ihrem Schützling ernst ins Gewissen reden, bis sie schließlich erkennt, dass Aurindo nicht die schlechteste Wahl ist. In einem innigen Duett finden Mathilde Ortscheidts Alt als Ennone und Rémy Brès-Feuillets weicher Countertenor als Aurindo zueinander, bevor das Bühnenbild mit den dreien im Bühnenboden versinkt. Das Ende der Oper hat Fabio Ceresa dann ein wenig abgeändert. Laut Libretto erhält die Kaiserin von Giove schließlich den goldenen Apfel, weil sie die Tugenden aller drei Göttinnen in sich vereint und für ein neues goldenes Zeitalter steht. Ceresa lässt hier als würdige Anwärterin auf den Apfel eine personifizierte Europa auftreten. Eine Tänzerin schreitet mit einer silbernen Maske vor dem Gesicht, einem goldenen Kranz und einem Umhang, der die Europa-Flagge enthält, auf die Showtreppe und bekommt den Apfel überreicht. Ob die drei Göttinnen damit wirklich einverstanden sind, zweifelt die Inszenierung ein wenig an. Zumindest Pallade wirkt in der Personenregie beim abschließenden Jubelchor alles andere als glücklich. Dennoch zeichnet Ceresa im Schlussbild eine optimistische Vision einer besseren Zukunft. Die Tänzerinnen und Tänzer treten allesamt zu Europa auf die Treppe und tragen kleinere goldene Äpfel in den Händen, die sie an die Göttinnen und Götter, die alle noch einmal vereint sind, überreichen. So kann man von einem glücklichen Ende voller Hoffnung sprechen.

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Ob die Göttinnen mit Gioves abschließendem Urteil einverstanden sind? von links: Pallade (Shira Patchornik), Venere (Jone Martínez) und Giunone (Sophie Rennert)

Wie schon der erste Abend lässt auch die Fortsetzung musikalisch keine Wünsche offen. Ottavio Dantone fächert die farbenreiche Partitur mit der Accademia Bizantina filigran auf und lässt nicht erkennen, dass hier zwei Akte ergänzt worden sind. Der Chor NovoCanto punktet erneut als Volk der Athener und Jubelchor im Olymp. Neben den bereits im ersten Teil erwähnten Solistinnen und Solisten hat vor allem Giacomo Nanni als Giove mehr Gelegenheit zu glänzen als am Tag zuvor. Den Göttervater stattet er mit majestätischem Bariton aus und zeigt darstellerisch als König der Winde Eolo, dass er auch ein brillanter Komiker ist. Rocco Cavalluzzi und Alberto Allegrezza geben ein hervorragendes Gespann als Momo und Filaura ab und sorgen für zahlreiche komödiantische Momente. Allegrezzas heller Tenor ist für die Amme mehr als passend, und Cavalluzzi begeistert mit kraftvollem Bass. Von den drei Göttinnen hat vor allem Sophie Rennert als Giunone im zweiten Teil ihre großen Momente. Mit vollem Mezzosopran macht sie in mehreren Szenen deutlich, dass man sich mit der Gattin des obersten Gottes besser nicht anlegen sollte. Shira Patchornik gibt sich als Pallade erneut mit scharfem Sopran als absolut kämpferisch und punktet mit glasklaren Koloraturen, während Jone Martínez die Partie der Venere etwas weicher und lieblicher anlegt. So gibt es nach dem zweiten Teil lang anhaltenden und verdienten Beifall für alle Beteiligten.

Zu Teil 1

FAZIT

Das Stück wird wahrscheinlich schon allein wegen der Länge und der Vielzahl der Figuren nicht repertoiretauglich werden. Dennoch ist es ein großer Verdienst der Festwochen, dieses Spektakel zum 50. Jubiläum des Festivals dem Vergessen zu entreißen.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Ottavio Dantone

Regie
Fabio Ceresa

Bühne
Nikolaus Webern

Kostüme
Giuseppe Palella

Choreographie
Davide Riminucci

Lichtdesign
George Tellos

Choreinstudierung
Brigitte Wurzer



Accademia Bizantina

NovoCanto

Street Motion Studio

Compagnia Fattoria Vittadini


Solistinnen und Solisten

Gloria Austriaca / Giunone
Sophie Rennert

Spagna / Venere
Jone Martínez

Sardigna / Pallade
Shira Patchornik

Amore / Hebe / Zeffiro
Jiayu Jin

Proserpina / Tesifone / Aglaie
Neima Fischer

Discordia / Aletto / Eufrosine
Ester Ferraro

Ennone
Mathilde Ortscheidt

Italia / Mercurio / Alceste
Margherita Maria Sala

Himeneo / Apollo / Adrasto
Filippo Mineccia

Aurindo
Rémy Grès-Feuillet

Boemia / Ganimede / Elemento del foco
Paul Figuier

Megera / Volturno / Pasithea
Danilo Pastore

America / Filaura
Alberto Allegrezza

Marte / Austro
Žiga Čopi

Hongheria / Paride / Euro
Mauro Borgioni

Imperio / Giove / Eolo
Giacomo Nanni

Germania / Bacco
Balász Bán

Plutone / Caronte / Sacerdote
José Coca Loza

Nettuno / Cecrope
Federico D. E. Sacchi

Momo
Rocco Cavalluzzi

 


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