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Grease

Rock'n Roll Musical in zwei Akten
Deutsche Fassung von Frank Tannhäuser
Musik, Buch und Texte von Jim Jacobs und Warren Casey

Dialoge in deutscher Sprache, Songtexte in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2 h 40' (eine Pause)

Premiere im Opernhaus Dortmund am 8. November 2025




Theater Dortmund
(Homepage)
Nostalgische Zeitreise in die 1950er Jahre

Von Thomas Molke / Fotos: © Leszek Januszewski

Was Warren Casey und Jim Jacobs 1971 in einer ehemaligen Scheune namens Kingston Mines Theatre in Chicago als Amateurveranstaltung herausbrachten, sollte bereits ein Jahr später den Sprung an den Broadway schaffen und dort mit fast 3.400 Vorstellungen in siebeneinhalb Jahren als eines der erfolgreichsten Rock'n Roll Musicals laufen. Die Rede ist von Grease. Mit der Verfilmung 1978 mit John Travolta und Olivia Newton-John in den Hauptrollen wurde auch international endgültig das "Grease"-Fieber entfacht. So läuft das Stück im Londoner Westend seit Jahrzehnten als eines der erfolgreichsten Musicals, und auch in Deutschland gab es seitdem zahlreiche Tournee-Produktionen in den kommerziellen Musical-Tempeln. Nun hat sich die Oper Dortmund das Recht erworben, das fetzige Stück, das nicht die erste Nachkriegsgeneration in jugendlichen Erinnerungen schwelgen lässt, zur Aufführung zu bringen. Gespielt wird die deutsche Fassung von Frank Tannhäuser, bei der die Songs weiterhin auf Englisch gesungen und übertitelt werden.

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Sandy (Antonia Kalinowski, auf dem Tisch) und Danny (Philipp Büttner, auf dem Tisch) erzählen von ihren "Summer Nights".

Die Handlung des Musicals, bei dem der Tanz und flotte, eingängige Melodien im Zentrum stehen, ist schnell erzählt: Danny und Sandy treffen sich nach einer zarten Sommerromanze im Abschlussjahr an der Rydell High School 1959 wieder. Obwohl Sandy als braves Mädchen aus gutem Haus und Danny als Anführer einer coolen Gang eigentlich nicht zusammenpassen, wird Sandy von den angesagten Pink Ladies in ihre Gruppe aufgenommen, Danny wird ein wenig "softer", und so gibt es für ihre Liebe ein Happy-End. Das mag ein wenig banal klingen, fängt allerdings in der Atmosphäre die Probleme und Gedankengänge einer jungen Generation bei bisweilen humorvoller Überzeichnung sehr liebevoll ein und lässt auch ein älteres Publikum mit den Teenagern mitfiebern, ohne daraus ein gesellschaftliches Drama zu machen. Ein Großteil des Publikums mag sich darin auch eher wiedererkennen als in Tony und Maria aus der West Side Story. Das Regie-Team um Gil Mehmert, der als Garant für gute Musical-Unterhaltung bezeichnet werden kann, nimmt die kleinen Probleme der jungen Leute dabei auch durchaus ernst und bleibt der Geschichte treu.

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Willkommen an der Rydell High School im Jahr 1959 (Ensemble)

Dennoch wird ein Bogen zur Gegenwart gespannt. Wenn man den Saal betritt, sieht man auf der Bühne eine Baustelle mit einer Beton-Mischmaschine und hört Baustellenlärm, der einem nicht nur aus Dortmunds Straßen allzu vertraut ist. Über der Bühne prangt der Schriftzug Rydell High School 1956. Die Schule wird wohl gerade von Grund auf saniert. In diese Bauarbeiten platzt mit Beginn der Vorstellung eine Gruppe von Seniorinnen und Senioren, bei denen es sich um Absolventinnen und Absolventen der Abschlussklasse von 1959 handelt, die eine Reunion feiern. Eine grauhaarige alte Frau bleibt neben der Mischmaschine stehen und entdeckt in einem riesigen Bottich voller Schutt ein altes Radio, das in ihr die Erinnerung an 1959 weckt und das Publikum auf eine nostalgische Zeitreise einlädt. Plötzlich hört man die Stimme des damaligen Star-Moderators Vince Fontaine, der schemenhaft in der oberen Ebene der Bühne hinter einer Glaswand sichtbar wird. Die Baustellen-Elemente auf der Bühne verschwinden, und das Ensemble macht mit einer schwungvollen Eröffnungsnummer eine Zeitreise in das Jahr 1959. Die Choreographie von Andrea Danae Kingston wird dabei vom Ensemble auf den Punkt umgesetzt und lässt den Wunsch erwecken, sofort mitzutanzen.

Bühnenbildner Jens Kilian hat einen zweckmäßigen Raum in zwei Ebenen entworfen, der mit relativ wenigen Handgriffen schnelle Szenenwechsel ermöglicht und die Atmosphäre der damaligen Zeit gut einfängt. In den Orchestergraben führt eine riesige Treppe hinab, über die das Ensemble zur Pause abgeht und nach der Pause zur großen Tanzveranstaltung in zauberhaften Petticoats und bunten Anzügen (Kostüme: Falk Bauer) wieder auftaucht. Die siebenköpfige Grease-Band, die von Stephan Kanyar am Keyboard musikalisch geleitet wird, ist im hinteren Bereich der Bühne untergebracht und wird nur bei der Tanzveranstaltung sichtbar, bei der sie dann auch Teil der Inszenierung ist. Das Bühnenbild fängt mit Tischen und Stühlen und großen olivgrünen Spinden die High School Atmosphäre glaubhaft ein. Durch Drehen der Spinde wird der Raum blitzschnell in Frenchys Schlafzimmer verwandelt, in dem die Pink Ladies ihre Pyjama-Party feiern und Sandy in die Gruppe aufgenommen werden soll. Im zweiten Akt wird sogar ein Pool im Hintergrund angedeutet, und auch Kenickies cooles Auto "Greased Lightnin'", mit dem die Thunderbirds (T-Birds) das Rennen gegen die verfeindeten Scorpions durchführen wollen, wird hier in der Werkstatt auf Vordermann gebracht. Für die Autokino-Szene werden die übrigen Wagen allerdings nur durch Papp-Attrappen angedeutet.

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Sandy (Antonia Kalinowski) und Danny (Philipp Büttner) kommen sich im Autokino näher.

In diesem Ambiente entfacht das Ensemble ein Feuerwerk an guter Laune mit großem Unterhaltungspotenzial. Philipp Büttner begeistert als cooler Danny Zuko mit überzeugendem Macho-Gehabe, das deutlich zeigt, dass er vor seinen Freunden seine Gefühle für Sandy nicht offen zeigen will. Im Laufe des Stückes vollzieht er allerdings einen glaubhaften Wandel und versucht, Sandy auf andere Art zu beeindrucken. Großartige Komik entfacht er in der Autokino-Szene, in der er sehr direkte und plumpe Annäherungsversuche macht, aber erkennen muss, dass er damit bei Sandy nicht landen kann. Antonia Kalinowski glänzt als Sandy zunächst als braves blondes Mädchen, das nicht in die coole Gruppe der Pink Ladies passt, sich mit ihrer liebenswerten, dabei aber bestimmten Art und einem gewissen Talent Respekt verschafft. Das kriegt vor allem Patty Simcox zu spüren, die nicht zugeben will, dass Sandy mehr Ausdruck als Cheerleaderin besitzt als sie. Ein Highlight ist natürlich der großartige Song "Summer Nights" im ersten Akt, wenn Danny seinen Freunden und Sandy den Pink Ladies eine in den Details doch sehr unterschiedliche Geschichte der zarten Sommerromanze erzählen. Am Ende vollzieht Kalinowski dann einen Wechsel zur coolen Rocker-Braut in Schwarz, gegen die Danny in seiner College-Jacke schon beinahe wie ein braver Schuljunge wirkt.

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Die Pink Ladies bei der Pyjama-Party: von links: Marty (Katalin Rohse), Jan (Anna Teodora Donosa-Danila), Rizzo (Maria-Danaé Bansen) und Frenchy (Friederike Zeidler)

Auch die Darstellerinnen der Pink Ladies und die Darsteller der Thunderbirds (T-Birds) verleihen den Figuren sehr individuelle Züge. Da ist zunächst Maria-Danaé Bansen als coole Betty Rizzo zu nennen, die sich von allen nur mit dem Nachnamen ansprechen lässt. Großartig zeichnet sie ein Bild einer scheinbar starken und unverletzlichen jungen Frau, die selbst eine mögliche Schwangerschaft nicht aus dem Konzept zu bringen vermag und ihre wahren Gefühle für den möglichen Vater Kenickie nicht zulässt. Erst als sich alles am Ende als falscher Alarm herausstellt und Kenickie bei aller Erleichterung dennoch seine Gefühle wiederholt, lässt sie eine Beziehung zu und hilft Sandy, ihr Outfit zu verändern. Markus Schneider legt den Kenickie als coolen Womanizer an, der bei allen Flirt-Versuchen eigentlich nur Augen für Rizzo hat. Bewegende Momente hat auch Friederike Zeidler als naive Frenchy, die die High School abbricht, um eine Kosmetikschule zu besuchen, aber auch dort scheitert. Mit viel Humor ist die Teen-Angel-Szene inszeniert, in der ein Engel ihr rät, doch an die High School zurückzukehren. Mehmert lässt diesen Teen Angel nicht als Engel mit Flügeln auftreten, sondern als Mann in weißem Anzug mit zwei anderen Herren, die wie ein Gesangstrio auf einer Showtreppe im Loch einer riesigen Schallplatte erscheinen, die dazu aus dem Schnürboden herabgelassen wird. Unterstützt wird die Choreographie von sechs Tänzerinnen mit silbernen Trockenhauben. Wenn Frenchy dann in die High School zurückkehrt, schreitet sie majestätisch die Show-Treppe zur Schallplatte empor.

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Roger (Julius Störmer, Mitte) und die T-Birds bei "Those Magic Changes" (von links: Sonny (Jonathan Guth), Danny (Philipp Büttner), Doody (Pedro Reichert) und Kenickie (Markus Schneider), dahinter: Ensemble)

Natürlich darf auch Frenchy am Ende nicht ohne Boyfriend bleiben. Julius Störmer verliebt sich als Roger nicht nur in sie, sondern sorgt mit seiner Gitarre mit dem Song "Those Magic Changes" für große Komik, wenn er mit wenigen Akkorden, die er an der Gitarre beherrscht, doch eine großartige Musik zaubert. Die Komik wird noch durch das Ensemble unterstützt, das bei dieser Nummer plötzlich aus den Spinden auftaucht. Katalin Rohse gibt die Marty als männermordenden Vamp und begeistert vor allem in ihrem Song "Freddy My Love". Da muss Jonathan Guth als Sonny schon einige Rückschläge mit Bowle ertränken, bevor er endlich von ihr erhört wird. Anna Teodora Donosa-Danila und Pedro Reichert geben als Jan und Doody ein ebenso bezauberndes Paar ab wie Kelly Panier als Patty Simcox, die unbedingt zur Sprecherin des Jahrgangs gewählt werden will, und Albert Gaßmann als vermeintlich uncooler Eugene, der für das Tunen von Kenickies Auto schließlich doch von den T-Birds aufgenommen wird.

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Marty (Katalin Rohse) begegnet ihrem Idol Vince Fontaine (David Jakobs).

Als Vince Fontaine hat man mit David Jakobs eine Musical-Größe ans Haus geholt, der der Rolle des berühmten Radio-Moderators mit herrlicher Selbstironie gerecht wird. Wie narzisstisch Jakobs den Vince anlegt, der eigentlich alles daran setzt, sein Alter zu vertuschen, ist große Schauspielkunst. Dabei ist sich Jakobs auch für einen leicht missglückten Spagat auf der Bühne nicht zu schade. Herrliche Komik versprüht auch Brigitte Schirlinger als leicht zynische Schuldirektorin Miss Lynch. Das übrige Ensemble begeistert durch großartige Tanzszenen und in den kleineren Partien. Wenn dann am Schluss das berühmte "You're the One That I Want" kommt, hält es das Publikum auch endgültig nicht mehr auf den Sitzen und es gibt frenetischen Applaus für alle Beteiligten. Am Ende wird das Bild vom Anfang wieder aufgegriffen, und man sieht die alte Frau, die das Radio in der Hand hält.

FAZIT

Die Oper Dortmund ist voll mit dem "Grease-Fieber" infiziert. Man sollte sich schnell Karten sichern, wenn man noch eine Aufführung erleben will. Die Produktion läuft noch bis April 2026.

 

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Produktionsteam

Musikalische Leitung und Keyboard
*Stephan Kanyar /
Carlos Vázquez /
Michael Shannon

Inszenierung
Gil Mehmert

Bühne
Jens Kilian

Kostüme
Falk Bauer

Choreographie
Andrea Danae Kingston

Licht
Michael Grundner

Dramaturgie
Nikita Dubov

 

Grease-Band
Gitarre I
Julian Castanie

Gitarre II
Bastian Ruppert

Bass
Malte Winter

Drums
Stefan Schott

Sax I
Wim Wollner

Sax II
Nappo (Klaus) Bernatzky

 

Solistinnen und Solisten

*Premierenbesetzung

Danny Zuko
*Philipp Büttner /
Tobias Joch

Sandy Dumbrowski
Antonia Kalinowski

Betty Rizzo (Pink Ladies)
*Maria Danaé-Bansen /
Karen Müller

Frenchy (Pink Ladies)
Friederike Zeidler

Marty Maraschino (Pink Ladies)
Katalin Rohse

Jan (Pink Ladies)
Anna Teodora Donosa-Danila

Kenickie Murdoch (Burger Palace Boys)
Markus Schneider

Doody (Burger Palace Boys)
Pedro Reichert

Roger (Burger Palace Boys)
Julius Störmer

Dominic "Sonny" LaTierri (Burger Palace Boys)
Jonathan Guth

Patty Simcox
Kelly Panier

Eugene Florczyk
Albert Gaßmann

Charlene "Cha-Cha" DiGregorio
Giulia Vazzoler

Vince Fontaine
*David Jakobs /
Mark Seibert

Miss Lynch
Brigitte Schirlinger

Teen Angel
Andrew Chadwick

Johnny Casino
Leonard Linzer

Ensemble
Alina Adam
Sofia Elena Coretti
Carina Leopold
Marie Ploner
Lucia Prader-Pscheidl
Christina Verrieth
Andrew Chadwick
Jan-Marten Gerve
Tamino Herzog
Ivan Keim
Leonard Linzer
Tim Moritz Marquardt

 


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