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Dreimal Mozart vertanzt Von Thomas Molke / Fotos: © Leszek Januszewski
Dr. Jaš Otrin, der Nachfolger des langjährigen Ballettintendanten Xin Peng Wang in Dortmund, verfolgt genau wie sein Vorgänger das Ziel, das Tanzvokabular der Compagnie zu erweitern und sich in andere Stile einzuarbeiten. Dazu hat er nicht nur Annabelle Lopez Ochoa und Edward Clug als Artists in Residence mit nach Dortmund geholt, sondern setzt auch die Tradition mit mehrteiligen Tanzabenden fort, zu denen Gäste weitere Choreographien beisteuern. Thematisch soll es bei diesem ersten "Triple Bill" unter Otrin um das Thema Mozart gehen. Dafür hat Otrin zwei "Klassiker" des modernen Tanzes ans Haus geholt und rahmt damit eine Uraufführung der jungen US-amerikanischen Choreographin Tess Voelker ein, die ihre internationale Karriere 2016 im NRW Juniorballett begonnen hat und bereits ein Jahr später zum Nederlands Dans Theater (NDT) gewechselt ist. Kasumi Iwata und Keigo Muto in Petite Mort (im Hintergrund: Tänzerinnen des Ballett Dortmund)
Den Anfang macht eine Choreographie von
Szene aus get home safe (Ensemble) Beim zweiten Teil des Abends handelt es sich um eine Uraufführung, die die 1997 in San Francisco geborene Tess Voelker in Zusammenarbeit mit den Tänzerinnen und Tänzern entwickelt hat. Der Titel erinnert an eine Floskel, die man geliebten Menschen häufig mit auf den Weg gibt: get home safe. Ob die Idee dazu durch einen schweren Unfall entstanden ist, den Voelker vor einiger Zeit hatte und der infrage stellte, ob dieses Stück überhaupt rechtzeitig zur Premiere fertig werden könne, kann nur gemutmaßt werden. Als Musik für die Kreation hat Voelker das "Lacrimosa" aus Mozarts Requiem in d-Moll (KV 626) ausgewählt, es allerdings auf eine Spieldauer von rund 20 Minuten gestreckt, so dass man es in der ersten Hälfte des Stückes gar nicht erkennen kann. Man vernimmt lediglich eine Geräuschkulisse, die genauso rätselhaft wie die Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer ist. Das Stück beginnt relativ unvermittelt, bevor das Licht im Saal völlig erloschen ist. Ein Tänzer bewegt sich langsam auf die Bühne und scheint auf der Suche zu sein. Weitere Tänzerinnen und Tänzer folgen teilweise aus dem Saal. Sie versammeln sich an der Rampe der Bühne und scheinen etwas zu beobachten, was auf dem Boden liegt, aus dem Publikum allerdings nicht erkannt werden kann. Dabei bewegen sie sich sehr langsam, fast in Zeitlupe. Die Kostüme sind individuell gehalten. Ein weiterer Tänzer (António Ferreira) erscheint ein wenig wie die zentrale Figur in der Choreographie, weil er sich optisch mit einer weißen Jacke mit einem schwarzen Kreuz von den übrigen extrem abhebt. Über Band spricht eine Frauenstimme einen Text ein, zu dem er mit ironischen Blicken die Lippen bewegt. Wenn man das Gesehene nicht verstehe oder es einen nicht anspreche, solle man es liegenlassen für die Menschen, für die es gedacht sei. Das ist wohl an Besucherinnen und Besucher gerichtet, die keinen Zugang zu der Kreation finden. Auch wenn man hier eigentlich gar nicht versteht, was passiert, und auch erst ziemlich zum Schluss in den Genuss kommt, Mozarts "Lacrimosa" als musikalisches Werk zu erkennen, werden die Tänzerinnen und Tänzer mit großem Jubel bedacht. Jeunehomme: António Ferreira im ersten Satz von Mozarts Klavierkonzert Nach der Pause folgt das älteste Stück des Abends: Jeunehomme von Uwe Scholz. Wie Kylián begann auch er seine Karriere unter John Cranko in Stuttgart und spielte als "erster ständiger Choreograph" des Stuttgarter Balletts nach Crankos Tod dort eine zentrale Rolle, bevor er mit der Zwischenstation Zürich schließlich 1991 Ballettdirektor des Leipziger Balletts wurde, wo er bereits 2004 im Alter von 45 Jahren viel zu früh verstarb. Jeunehomme wurde am 26.12.1986 in Monte-Carlo uraufgeführt und gilt als Klassiker des "sinfonischen Balletts". Vertanzt wird hier Mozarts Klavierkonzert Nr. 9 in Es-Dur. Der Titel basiert eigentlich auf einem Schreibfehler, da die Komposition eigentlich den Namen der Solistin, Louise Victoire Jenamy, tragen sollte, für die Mozart sie geschaffen hatte. Durch einen Übertragungsfehler wurde jedoch aus "Jenamy" "Jeunehomme". Die Choreographie stellt in jedem Satz andere Tänzerinnen und Tänzer ins Zentrum. Als Hintergrund fungiert ein auf die Rückwand projiziertes Notenblatt, das wohl aus dem jeweiligen Satz des Konzertes stammt. Die Kostüme der Tänzerinnen und Tänzer sind relativ streng und farblos gehalten und erinnern an die Tasten auf einem Klavier. Jeunehomme: Schlussbild im dritten Satz (in der Mitte: Kasumi Iwata und Filip Kvačák mit dem Ensemble) Nachdem man zunächst sechs Paare sieht, die im Bewegungsablauf an diesem Abend nicht immer ganz synchron agieren, übernimmt António Ferreira als Solist den ersten Satz und zeigt mit kraftvollen Sprüngen aus expressivem Bewegungsvokabular einen träumend reflektierenden jungen Mann, der in seiner Welt jedoch relativ allein bleibt. Im zweiten Satz entspinnt sich dann eine Liebesgeschichte, in der eine Beziehung zwischen einer älteren Tänzerin und einem jüngeren Tänzer mit der ganzen Bandbreite aus Hingabe, Trennung und Wiederbegegnung in ergreifenden Bildern gezeigt wird. Kasumi Iwata gestaltet mit bewegendem Ausdruck den verzweifelten Kampf der Frau um die Zuneigung des jüngeren Mannes. Filip Kvačák arbeitet glaubhaft heraus, dass er sich zwar einerseits zu Iwata hingezogen fühlt, aber dennoch andere Vorstellungen von einer erfüllten Beziehung hat. Im Solo wirkt Iwata absolut zerbrechlich. Im dritten Satz kommen vier weitere Tänzerinnen hinzu. Ob es ein glückliches Ende für das Paar geben wird, lässt der Abend offen. Auch hier zeigt sich das Publikum begeistert und überschüttet das Ensemble mit großem Jubel. Der dreiteilige Tanzabend macht deutlich, in welch breitem Spektrum Mozarts Musik für den Tanz umgesetzt werden kann. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
ProduktionsteamPetite Mort
Choreographie, Bühne und
Einstudierung
Kostüme
Choreographische Assistenz Tänzerinnen und Tänzer *rezensierte Aufführung
Paulina Bidzińska
get home safe
Choreographie und Lichtdesign
Musikbearbeitung
Kostüme
Dramaturgie
Choreographische Assistenz Tänzerinnen und Tänzer *rezensierte Aufführung
*Matilde Colombo
Jeunehomme
Choreographie, Bühne und
Einstudierung
Lichtdesign
Choreographische Assistenz Tänzerinnen und Tänzer *rezensierte Aufführung
1. Satz
2. Satz
3. Satz
Ensemble *Matilde Colombo *Liberty Fergus *Selen Gür Jihan Jung *Teodora Neacsu *Daria Suzi *Anatole Coste *Damian Huiduc Manolescu *Simon Jones Devon Luxton *Keigo Muto *Maksym Palamarchuk Guillem Rojo i Gallego *Matheus Vaz
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