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Tribute to Mozart

Dreiteiliger Ballettabend mit Choreographien von Jiří Kylián, Tess Voelker und Uwe Scholz
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

Petite Mort
Choreographie
von Jiří Kylián

get home safe (Uraufführung)
Choreographie von
Tess Voelker in Zusammenarbeit mit den Tänzerinnen und Tänzern

Jeunehomme
Choreographie von
Uwe Scholz

Aufführungsdauer: ca. 1 h 50' (eine Pause)

Premiere im Opernhaus Dortmund am 18. April 2026
(rezensierte Aufführung: 28. Mai 2026)



Theater Dortmund
(Homepage)

Dreimal Mozart vertanzt

Von Thomas Molke / Fotos: © Leszek Januszewski

Dr. Jaš Otrin, der Nachfolger des langjährigen Ballettintendanten Xin Peng Wang in Dortmund, verfolgt genau wie sein Vorgänger das Ziel, das Tanzvokabular der Compagnie zu erweitern und sich in andere Stile einzuarbeiten. Dazu hat er nicht nur Annabelle Lopez Ochoa und Edward Clug als Artists in Residence mit nach Dortmund geholt, sondern setzt auch die Tradition mit mehrteiligen Tanzabenden fort, zu denen Gäste weitere Choreographien beisteuern. Thematisch soll es bei diesem ersten "Triple Bill" unter Otrin um das Thema Mozart gehen. Dafür hat Otrin zwei "Klassiker" des modernen Tanzes ans Haus geholt und rahmt damit eine Uraufführung der jungen US-amerikanischen Choreographin Tess Voelker ein, die ihre internationale Karriere 2016 im NRW Juniorballett begonnen hat und bereits ein Jahr später zum Nederlands Dans Theater (NDT) gewechselt ist.

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Kasumi Iwata und Keigo Muto in Petite Mort (im Hintergrund: Tänzerinnen des Ballett Dortmund)

Den Anfang macht eine Choreographie von Jiří Kylián, der in der internationalen Tanzwelt als ikonische Größe des modernen Tanzes gilt und seine Karriere unter dem legendären John Cranko in Stuttgart begann, bevor er anschließend lange Zeit die Geschicke des NDT sehr erfolgreich prägte. Petite Mort gelangte am 23. August 1991 im Rahmen der Salzburger Festspiele im Mozart-Jubiläumsjahr zur Uraufführung. Kylián widmet sich darin jeweils dem zweiten Satz aus Mozarts Klavierkonzert in A-Dur (KV 488) und C-Dur (KV 467). Die Kreation gehört zu einer Sammlung von abstrakten, handlungslosen Balletten, die Kylián unter dem Titel Black and White zusammengefasst hat. Der Titel ist unter anderem die französische Umschreibung für den Orgasmus beim Liebesspiel. Dabei spielen beim "Adagio" aus dem Klavierkonzert in A-Dur sechs Tänzer die führende Rolle und beim berühmten "Andante" in C-Dur sechs Tänzerinnen. Wenn der Vorhang sich hebt, hört man zunächst ein Rauschen und sieht die sechs Tänzer mit nacktem Oberkörper mit einem Degen "spielen", während die Damen im Hintergrund hinter Schneiderpuppen mit weiten ausladenden dunkelblauen Rokokokostümen die Szene beobachten. Ob die Degen hierbei als Phallus-Symbol oder Zeichen der männlichen Überlegenheit betrachtet werden sollen, bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen. Erst dann beginnt die Musik, die an diesem Abend vom Band eingespielt wird. Mit einem großen Tuch, welches die Tänzer über die Bühne ziehen, holen sie die Frauen in ihre eigene Welt. In dieser Welt der sinnlichen Leidenschaft tragen die Tänzerinnen hautfarbene enge Korsagen, in denen sie mit den Männern zu einer Einheit verschmelzen.

Zum anschließenden "Andante" aus Mozarts Klavierkonzert in C-Dur rücken nun die sechs Tänzerinnen ins Zentrum. Zunächst schweben sie wie fremdbestimmt hinter den Schneiderpuppen mit den weiten ausladenden Rokokokostümen über die Bühne. Dabei sind die Bewegungen so elegant, dass man das Gefühl hat, die Kostüme führen die Tänzerinnen und nicht umgekehrt. Dann befreien sie sich zu Mozarts sinnlicher Musik aus den gesellschaftlichen Konventionen, und es folgen mehrere Pas de deux, bei denen das Ensemble mit großartiger Athletik begeistert. Die Hebefiguren wirken dabei teilweise sehr unkonventionell, ohne jedoch im Gegensatz zur Musik zu stehen. So entstehen ästhetisch anmutende Bilder, die sowohl innige Gefühle zwischen zwei Liebenden als auch Eifersucht, Misstrauen und Kampf um die Vormachtstellung in einer Beziehung vermitteln. Wenn die Schneiderpuppen schließlich ohne die Tänzerinnen über die Bühne fahren, entfaltet das eine gewisse Komik. Das Publikum zeigt sich vom eindrucksvollen Bewegungsvokabular und der Ausdruckskraft der zwölf Tänzerinnen und Tänzer begeistert und spendet großen Beifall.

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Szene aus get home safe (Ensemble)

Beim zweiten Teil des Abends handelt es sich um eine Uraufführung, die die 1997 in San Francisco geborene Tess Voelker in Zusammenarbeit mit den Tänzerinnen und Tänzern entwickelt hat. Der Titel erinnert an eine Floskel, die man geliebten Menschen häufig mit auf den Weg gibt: get home safe. Ob die Idee dazu durch einen schweren Unfall entstanden ist, den Voelker vor einiger Zeit hatte und der infrage stellte, ob dieses Stück überhaupt rechtzeitig zur Premiere fertig werden könne, kann nur gemutmaßt werden. Als Musik für die Kreation hat Voelker das "Lacrimosa" aus Mozarts Requiem in d-Moll (KV 626) ausgewählt, es allerdings auf eine Spieldauer von rund 20 Minuten gestreckt, so dass man es in der ersten Hälfte des Stückes gar nicht erkennen kann. Man vernimmt lediglich eine Geräuschkulisse, die genauso rätselhaft wie die Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer ist. Das Stück beginnt relativ unvermittelt, bevor das Licht im Saal völlig erloschen ist. Ein Tänzer bewegt sich langsam auf die Bühne und scheint auf der Suche zu sein. Weitere Tänzerinnen und Tänzer folgen teilweise aus dem Saal. Sie versammeln sich an der Rampe der Bühne und scheinen etwas zu beobachten, was auf dem Boden liegt, aus dem Publikum allerdings nicht erkannt werden kann. Dabei bewegen sie sich sehr langsam, fast in Zeitlupe. Die Kostüme sind individuell gehalten. Ein weiterer Tänzer (António Ferreira) erscheint ein wenig wie die zentrale Figur in der Choreographie, weil er sich optisch mit einer weißen Jacke mit einem schwarzen Kreuz von den übrigen extrem abhebt. Über Band spricht eine Frauenstimme einen Text ein, zu dem er mit ironischen Blicken die Lippen bewegt. Wenn man das Gesehene nicht verstehe oder es einen nicht anspreche, solle man es liegenlassen für die Menschen, für die es gedacht sei. Das ist wohl an Besucherinnen und Besucher gerichtet, die keinen Zugang zu der Kreation finden. Auch wenn man hier eigentlich gar nicht versteht, was passiert, und auch erst ziemlich zum Schluss in den Genuss kommt, Mozarts "Lacrimosa" als musikalisches Werk zu erkennen, werden die Tänzerinnen und Tänzer mit großem Jubel bedacht.

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Jeunehomme: António Ferreira im ersten Satz von Mozarts Klavierkonzert

Nach der Pause folgt das älteste Stück des Abends: Jeunehomme von Uwe Scholz. Wie Kylián begann auch er seine Karriere unter John Cranko in Stuttgart und spielte als "erster ständiger Choreograph" des Stuttgarter Balletts nach Crankos Tod dort eine zentrale Rolle, bevor er mit der Zwischenstation Zürich schließlich 1991 Ballettdirektor des Leipziger Balletts wurde, wo er bereits 2004 im Alter von 45 Jahren viel zu früh verstarb. Jeunehomme wurde am 26.12.1986 in Monte-Carlo uraufgeführt und gilt als Klassiker des "sinfonischen Balletts". Vertanzt wird hier Mozarts Klavierkonzert Nr. 9 in Es-Dur. Der Titel basiert eigentlich auf einem Schreibfehler, da die Komposition eigentlich den Namen der Solistin, Louise Victoire Jenamy, tragen sollte, für die Mozart sie geschaffen hatte. Durch einen Übertragungsfehler wurde jedoch aus "Jenamy" "Jeunehomme". Die Choreographie stellt in jedem Satz andere Tänzerinnen und Tänzer ins Zentrum. Als Hintergrund fungiert ein auf die Rückwand projiziertes Notenblatt, das wohl aus dem jeweiligen Satz des Konzertes stammt. Die Kostüme der Tänzerinnen und Tänzer sind relativ streng und farblos gehalten und erinnern an die Tasten auf einem Klavier.

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Jeunehomme: Schlussbild im dritten Satz (in der Mitte: Kasumi Iwata und Filip Kvačák mit dem Ensemble)

Nachdem man zunächst sechs Paare sieht, die im Bewegungsablauf an diesem Abend nicht immer ganz synchron agieren, übernimmt António Ferreira als Solist den ersten Satz und zeigt mit kraftvollen Sprüngen aus expressivem Bewegungsvokabular einen träumend reflektierenden jungen Mann, der in seiner Welt jedoch relativ allein bleibt. Im zweiten Satz entspinnt sich dann eine Liebesgeschichte, in der eine Beziehung zwischen einer älteren Tänzerin und einem jüngeren Tänzer mit der ganzen Bandbreite aus Hingabe, Trennung und Wiederbegegnung in ergreifenden Bildern gezeigt wird. Kasumi Iwata gestaltet mit bewegendem Ausdruck den verzweifelten Kampf der Frau um die Zuneigung des jüngeren Mannes. Filip Kvačák arbeitet glaubhaft heraus, dass er sich zwar einerseits zu Iwata hingezogen fühlt, aber dennoch andere Vorstellungen von einer erfüllten Beziehung hat. Im Solo wirkt Iwata absolut zerbrechlich. Im dritten Satz kommen vier weitere Tänzerinnen hinzu. Ob es ein glückliches Ende für das Paar geben wird, lässt der Abend offen. Auch hier zeigt sich das Publikum begeistert und überschüttet das Ensemble mit großem Jubel.

FAZIT

Der dreiteilige Tanzabend macht deutlich, in welch breitem Spektrum Mozarts Musik für den Tanz umgesetzt werden kann.


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Produktionsteam

Petite Mort

Choreographie, Bühne und
Lichtdesign
Jiří Kylián

Einstudierung
Elke Schepers

Kostüme
Joke Visser

Choreographische Assistenz
Cyril Pierre

Tänzerinnen und Tänzer

*rezensierte Aufführung

Paulina Bidzińska
Kasumi Iwata
Jihan Jung
Ekaterine Surmava
Daria Suzi
Sae Tamura
António Ferreira
Simon Jones
Filip
Kvačák
Keigo Muto
Francesco Nigro
Matheus Vaz

 

get home safe

Choreographie und Lichtdesign
Tess Voelker

Musikbearbeitung
Eriberto Carvalho

Kostüme
Boston Gallacher

Dramaturgie
Helena Sturm

Choreographische Assistenz
Daria Sukhorukova

Tänzerinnen und Tänzer

*rezensierte Aufführung

*Matilde Colombo
Kasumi Iwata
*Jihan Jung
*Manuela Souza
*Sae Tamura
Yingyue Wang
António Ferreira
Francesco Nigro
Maksym Palamarchuk
Guillem Rojo i Gallego
Matheus Vaz

 

Jeunehomme

Choreographie, Bühne und
Kostüme
Uwe Scholz

Einstudierung
Tatjana Tierbach

Lichtdesign
Michael Röger

Choreographische Assistenz
Bojana Nanadović
Cyril Pierre

Tänzerinnen und Tänzer

*rezensierte Aufführung

1. Satz
António Ferreira

2. Satz
Kasumi Iwata
Filip Kvačák

3. Satz
*Paulina Bidzińska
*Jihan Jung
Ekaterine Surmava
*Sae Tamura
*Yingyue Wang

Ensemble
*
Jasmine Cameron
*Matilde Colombo
*Liberty Fergus
*Selen Gür
Jihan Jung
*Teodora Neacsu
*Daria Suzi
*Anatole Coste
*Damian Huiduc Manolescu
*Simon Jones
Devon Luxton
*Keigo Muto
*Maksym Palamarchuk
Guillem Rojo i Gallego
*Matheus Vaz

 


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Dortmund
(Homepage)



Da capo al Fine

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