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On the Town

Musicalkomödie in zwei Akten
Buch und Liedtexte von Betty Comden und Adolph Green
Nach einer Idee von Jerome Robbins
Deutsche Dialoge von Jens Luckwaldt
Musik von Leonard Bernstein


in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 45' (eine Pause)

Premiere am 25. April 2026 im Theater Duisburg
(rezensierte Aufführung: 7. Mai 2026)


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Rheinoper
(Homepage)
24 Stunden leben

Von Stefan Schmöe / Fotos von Jochen Quast

Genau einen Tag Zeit haben die drei jungen Marinesoldaten Gabey, Chip und Ozzie für den Landgang in New York. Einen Tag im Kriegsjahr 1944 in der großen, von Mythen umrankten Metropole, die sie niemals zuvor besucht haben. Die Frage, wonach man Ausschau halten soll - nach den Sehenswürdigkeiten oder nach schönen Frauen - fällt nach kurzem Zögern so aus, wie man das von einem Musical erwartet. Zumal Gabey sich auf den ersten Blick in die aktuelle "Miss U-Bahn des Monats" verliebt, die ihn von einem Plakat aus anblickt. Ziemlich wenig Zeit also, um die ganz große Liebe zu finden, was natürlich trotzdem irgendwie klappt. Was erst einmal ein kurzes Glück bleibt, denn am Ende der Nacht geht es wieder auf's Schiff - und damit an die Front.

Szenenfoto

Vorfreude auf 24 Stunden Landgang in New York: (von links) Ozzie, Cabey und Chip

Leonard Bernstein (1918 - 1990) hat das Musical On the Town 1944 komponiert und uraufgeführt. Die Idee stammt von Tänzer und Choreograph Jerome Robbins, für das Libretto zog der junge Komponist Betty Comden und Adolph Green hinzu. Die flotte Komödie in Kriegszeiten traf den Nerv der Zeit, und vielleicht ist das der Grund, warum das Stück danach in Vergessenheit geriet - die übermächtige, 13 Jahre später entstandene West Side Story hat sicher ein Übriges getan. Dabei bietet On the Town mitreißende Musik, bei der Bernstein das Symphonieorchester ordentlich nach Big Band klingen lässt. Die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Stefan Klingele treffen mit rhythmisch scharf akzentuiertem Spiel den Tonfall ganz ausgezeichnet. Vor allem die pointierten Attacken der Blechblasinstrumente geben der Musik einen immer nach vorn drängenden, ruhelosen Charakter. Dieses New York, es ist eine Plattitüde, schläft nie, und das hört man der an Gershwin geschulten Partitur jederzeit an.

Szenenfoto

Gabey (Mitte) hat sich hoffnungslos in die Dame auf dem Plakat verliebt, die "Miss U-Bahn" des aktuellen Monats. Chip und Ozzie assistieren ihm bei der Suche.

Weil sich die drei Matrosen bald trennen - das soll die Chancen erhöhen, für Gabey die "Miss U-Bahn" zu finden -, gibt es drei episodenreiche Parallelhandlungen. Chip landet schnell in den Armen der patenten Taxifahrerin Hildy, während Ozzie im Naturkundemuseum mit der Anthropologin Claire großes Chaos verursacht. Weil Hildy in einer Wohngemeinschaft mit der queeren Lucy lebt und Claire sich mit dem angesehenen, vordergründig in Beziehungsfragen überaus toleranten Richter Pitkin verloben will (der in Wahrheit sexuell an Männern interessiert ist), ergibt sich eine schillernde Personenkonstellation. Gabey trifft in der Carnegie Hall tatsächlich das Mädchen vom U-Bahn-Plakat, das Ivy Smith heißt, große Gesangskunst studieren möchte und das Geld dafür in einem schäbigen Club auf der Vergnügungsinsel Coney Island verdient. Der temporeiche Plot liefert viele revueartige Szenen und auch ein paar Slapstick-Einlagen.

Szenenfoto

Im Naturkundemuseum: Anthropologin Claire, Ozzie und ein Urzeitmensch. Dem Dinosaurierskelett über ihnen droht Gefahr.

Die Regie von Louisa Proske wird dem mit schnellen Bildwechseln bestens gerecht. Das variable Bühnenbild (Momme Hinrichs) zeigt mit großformatig projizierten Bild- und Videosequenzen die Stadt in vielen Facetten, darunter rasante Autofahrten und als ein zentrales Motiv die U-Bahn. Mit dem Empire State Building oder dem Central Park blitzen ikonische Stadtansichten auf. Nostalgie geht dabei am ehesten von den Kostümen (Esther Bialas) aus, und gleichzeitig wirkt dieses New York durchaus gegenwärtig. Das pulsierende Leben der Metropole wird sehr schön eingefangen. Und es wird fast immer getanzt. Die Choreographie von Marie-Christin Zeisset bedient sich natürlich beim Revue-Theater, nimmt aber auch Anleihen beim neoklassischen Ballett Georges Balanchines (es gibt einen schönen Pas de deux von Ivy und Gabey, den der junge Mann sich erträumt). Der Tanz hat Witz und Schwung. Die Choreographin weiß effektvoll die Bühne zu füllen und hat (wie auch die Regisseurin) viel Gespür für das richtige Tempo.

Szenenfoto

Am Time Square: Ozzie, Claire, Gabey, Taxifahrerin Hildy und Chip

Auf die tänzerischen Qualitäten des durchweg überzeugenden Ensembles hat man wohl auch beim Casting besonderen Wert gelegt. Es wird jedenfalls recht gut gesungen, aber noch besser getanzt. So präsentiert sich On the Town als mit vielen Kostümwechseln forderndes, bestens umgesetztes Ensemblestück. Ein wenig geht das auf Kosten einer genauen Personenzeichnung. Gabey (Leon de Graaf), Chip (Julius Störmer) und Ozzie (Peter Lewys Preston) bleiben als individuelle Charaktere ein wenig blass. Die allesamt bereits vom Libretto leicht überzeichnen Frauenrollen haben es einfacher. Maria Joachimstaller lotet die Miss U-Bahn Ivy Smith schön zwischen Naivität und Koketterie aus, Laura Magdalena Goblirsch gibt der Taxifahrerin Hildy burschikosen Charme und Valerie Luksch der Anthropologin Claire abgründigen Witz zwischen kühler Wissenschaftlerin und liebeshungrigem Mädchen. Morenike Fadayomi aus dem Opernensemble der Rheinoper singt und spielt die Gesangslehrerin Madame Dilly mit wunderbarer (Selbst-)Ironie.

Szenenfoto

Traum vom Glück und gleichzeitig ein Duell: Ivy Smith, die "Miss U-Bahn", und Gabey

Ein paar kleine Anspielungen auf den Vietnam-Krieg und die Trump-Gegenwart verdeutlichen, dass die Thematik doch nicht so ganz auf das Weltkriegsjahr 1944 reduziert werden kann. Ohnehin sind in den 24 Stunden Stadterkundung der jungen Leute allerhand Reife- und Erkenntnisprozesse angelegt. Illusionen scheitern, Pläne erweisen sich als untauglich, die Pflicht - hier der Militärdienst - frisst die Wünsche auf. Und doch bleiben Hoffnungen. On the Town komprimiert die kurze Phase zwischen dem Ende der Jugend und dem bürgerlichen Familiendasein raffiniert auf diesen atemlos durchlebten Tag. Ein paar nachdenkliche Momente gibt es neben guter Unterhaltung daher auch.


FAZIT

Eine Hommage an New York wie an den kurzen, übermütigen Moment des übermütigen Erwachsenwerdens: Die Rheinoper rehabilitiert On the Town mit einer vor allem tänzerisch beeindruckenden, virtuos inszenierten Produktion und holt das Werk ein Stück weit aus dem langen Schatten der West Side Story heraus.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
*Stefan Klingele /
Christoph Stöcker /
Koen Schoots

Inszenierung
Louisa Proske

Bühne
Momme Hinrichs

Kostüme
Esther Bialas

Licht
Amith Chandrashaker

Choreographie
Marie-Christin Zeisset

Dramaturgie
Heili Schwarz-Schütte



Statisterie der Deutschen Oper am Rhein

Duisburger Philharmoniker


Solisten

* Besetzung der rezensierten Aufführung

Gabey
Leon de Graaf

Chip
Julius Störmer

Ozzie
Peter Lewys Preston

Ivy Smith
Maria Joachimstaller

Hildy Esterhazy
Laura Magdalena Goblirsch

Claire de Loone
Valerie Luksch

Madame Dilly
Morenike Fadayomi

Pitkin W. Bridgework / Moderator
Peter Bording

Rajah Bimmy / Professor Waldo Figment / Ensemble
Kevin Dickmann

Erster Arbeiter / Polizist
Daniel Dodd-Ellis

Lucy Schmeeler / Ensemble
Tim Stolberg

S. Uperman / Ensemble
Stefan Gregor Schmitz

Diana Dream / Kleine alte Dame / Ensemble
Veronika de Vries

Dolores Dolores / Andy / Ensemble
Joël Zupan /
Liam Tiesteel

Tom / Matrose / Ensemble
Patrick Sabel

Flossie / Ensemble
Samantha Mayer

Flossies Freundin / Erstes Showgirl / Ensemble
Erika Del Re

Plakatierer / Ensemble
Dominik Müller

Miss U-Bahn des Monats Juli / Ensemble
*Jo Lucy Rackham /
Clarissa Elena Frings

High School Girl / Ensemble
Lorena Krüger

Balletttänzerin / Ensemble
Josephina Mackensen

Times Square Girl / Ensemble
Karina Kettenis

Showgirl / Ensemble
Clara Maria Determann

Soldat / Ensemble
Davide De Biasi/Liam Tiesteel /
*Jorrell Lawyer-Jefferson

Polizist / Ensemble
Albert Gaßmann



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Rheinoper
(Homepage)



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