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ZwischenLand

Tanzstück von Taulant Shehu
Musik von Emanuele Piras, Arvo Pärt, Henryk Mikołaj Górecki und Angèle David-Guillou

Aufführungsdauer: ca. 1 h 15' (keine Pause)

Uraufführung im Großen Haus am 25. April 2026

Logo: Theater Hagen

Theater Hagen
(Homepage)
Momente des Aufbruchs

Von Thomas Molke / Fotos: © Oliver Look

Zu Beginn der Spielzeit hat der gebürtige Albaner Taulant Shehu die Tanzsparte in Hagen als Ballettdirektor übernommen. Nachdem er sich im Tanz-Doppelabend Shift zu Beginn der Spielzeit in einer speziell für die neu zusammengesetzte Compagnie in Hagen kreierten Choreographie unter dem Titel Nobody Knows dem Versuch gewidmet hat, die eigene Identität vor der Gesellschaft zu verbergen, bleibt er auch im zweiten Tanzstück ZwischenLand, das nun als abendfüllendes Stück zur Uraufführung gelangt, thematisch einem abstrakten Ansatz treu. Als Besonderheit darf erwähnt werden, dass der Abend vom Philharmonischen Orchester Hagen unter der musikalischen Leitung von Andreas Vogelsberger live begleitet wird, was bei Tanzkreationen dieses Formates eher selten der Fall ist.

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Aufbruch in ein neues Leben (Ensemble)

In dem Stück widmet sich Shehu dem Thema "Migration", das einen Großteil der Bevölkerung betrifft und nicht nur von Katastrophen wie Hunger, Krieg oder ethnischen Konflikten motiviert wird. Auch Shehu ist wie die Tänzerinnen und Tänzer der Compagnie aus seiner Heimat aufgebrochen, um an einem anderen Ort die Möglichkeit zur Verwirklichung der eigenen Träume zu suchen. Dieser Aufbruch aus der vertrauten Umgebung und die Suche nach etwas Neuem ist häufig mit zahlreichen Erinnerungen verbunden, die man auf dem Weg gesammelt hat. Um diese Momente geht es Shehu in seiner Choreographie, die er zunächst in Improvisationen zu ausgewählter Musik mit den Tänzerinnen und Tänzern erarbeitet und dann zu einem festen Ganzen gefügt hat. So entstehen eindrucksvolle Stimmungsbilder von ästhetischer Schönheit mit einem umfangreichen Bewegungsvokabular. Eine durchgehende Handlung gibt es dabei nicht. Es ist vielmehr Erinnerungsfetzen, die die Tänzerinnen und Tänzer an Momente des Aufbruchs haben und mit dem Publikum teilen.

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Widerstände auf dem Weg (von links: Thomas Tardieu, Lázaro Sierra Cairo, Rush Carson, Gauthier Hemmerlin und Alex Wreiman)

Das Publikum wird dabei auf eine besondere Art in dieses Stück hineingezogen. Wenn man den Saal betritt, hört man bereits vor Beginn der eigentlichen Aufführung elektronische Klänge, die Emanuele Piras für den Abend komponiert hat. Noch ist der Vorhang geschlossen, und man nimmt den Klang als leise Geräuschkulisse wahr. Nahtlos geht dieser Klang dann aber in den Tanzabend über, wenn das Licht verlischt und sich der Vorhang öffnet. Zwölf Tänzerinnen und Tänzer stehen auf der Bühne, auf der außerdem zwei hohe Wände zu sehen sind, die im weiteren Verlauf des Stückes zu immer neuen Räumen von den Tänzerinnen und Tänzern verschoben werden, die mal eine Ausgrenzung, mal eine Abschirmung andeuten können. Die Tänzerinnen und Tänzer bewegen sich zunächst nicht und blicken in unterschiedliche Richtungen. Nur ein Tänzer (Rush Carson) bricht aus dieser Starre aus. Suchend blickt er sich um, scheinbar nach einem Weg, den er gehen möchte. Dabei wirkt er sehr unsicher, beinahe hektisch. Langsam beginnen die anderen Tänzerinnen und Tänzer, sich ebenfalls zu bewegen. Es gibt verschiedene Konstellationen. Die isolierte Rolle des Tänzers übernimmt eine Tänzerin, bevor der Tänzer wieder im Zentrum des Geschehens steht.

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Momente der Begegnung (Thomas Tardieu und Eunbin Kim)

Die nun folgenden Kompositionen leiten unterschiedliche abstrakte Szenen ein und stammen von zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten. Während die Werke von Henryk Mikołaj Górecki und Arvo Pärt schon seit einigen Jahrzehnten Choreographinnen und Choreographen inspiriert haben, stammen die Auszüge der französischen Komponistin Angèle David-Guillou aus den letzten zehn Jahren und haben musikalisch eine ganz andere, optimistischere Farbe als Górecki und Pärt. Damit soll die ganze Bandbreite an Erinnerungen gezeichnet werden, die die Menschen an die Momente des Aufbruchs und dem Verweilen in einem gewissen Zwischenstadium vor der Ankunft am vermeintlichen Ziel haben. Andreas Vogelsberger findet mit dem Philharmonischen Orchester Hagen hier einen sehr emotionalen Zugang, der wunderbar mit dem Bewegungsvokabular auf der Bühne harmoniert. Die Tänzerinnen und Tänzer treten dazu mal in verschiedenen Gruppen, mal einzeln oder als Paar auf und deuten zahlreiche Geschichten an, die jeder im Publikum vielleicht anders liest, je nachdem wie die eigenen Erfahrungen sind.

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Ankunft am Ziel? (Ensemble)

Kurz vor dem Ende verschwinden die riesigen Bühnenwände hinter einem schwarzen Vorhang, und es gibt keine Einschränkung für die Tänzerinnen und Tänzer mehr. Dafür ist die Drehbühne nun im ständigen Einsatz und deutet an, dass man permanent Veränderungen ausgesetzt ist. Jetzt tritt der Tänzer Gauthier Hemmerlin auch als Sänger auf und interpretiert den Song "Dust and Water" von Anohni and the Johnsons, einer US-amerikanischen Band aus New York, die durch ihre transgeschlechtliche Sängerin, Liedschreiberin und Pianistin Anohni bekannt geworden ist und in ihren Songs sich häufig mit dem Thema "Übergang" beschäftigt. Hemmerlin findet einen sehr emotionalen Ansatz, während er fortwährend über die sich drehende Bühne schreitet und ihn die anderen Tänzerinnen und Tänzer in ständig wechselnden Konstellationen umgeben. Schließlich findet er mit einer Tänzerin zusammen und trägt sie von der Bühne. Ist er damit am Ziel seines Weges angekommen? Die Frage lässt der Abend offen, geht stattdessen in den letzten Teil über, der von Pärts 1. Movement aus Tabula rasa begleitet wird. Zu herabfallendem Schnee entstehen in zahlreichen Formationen Bilder von ästhetischer Schönheit, die ebenfalls ein glückliches Ende der Reise aus dem ungewissen Zwischenland andeuten. Das Publikum feiert die rund 75-minütige Kreation mit großem Jubel.

FAZIT

Mit seiner zweiten Uraufführung für die Hagener Compagnie gelingt dem Ballettdirektor Taulant Shehu ein bewegender Abend von ästhetischer Eleganz.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Andreas Vogelsberger

Konzept, Choreographie, Bühne,
Kostüme und Lichtgestaltung

Taulant Shehu

Bühne und Kostüme
Markus Meyer

Lichtgestaltung
Martin Gehrke

Dramaturgie
Waltraud Körver

 

Philharmonisches Orchester Hagen

 

Tänzerinnen und Tänzer

*Premierenbesetzung

*Rush Carson
*Gauthier Hemmerlin
*Yu-Hsuan Mia Hsu
*Chloe Jeffcoat
*Eunbin Kim
*Quentin Nabor
*Maria Sayrach Baró
*Lázaro Sierra Cairo
*Kayleigh Smerud
*Thomas Tardieu
*Kaja Vidič
*Alex Wreiman
Camille Zany

 


Weitere Informationen
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Theater Hagen
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