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Il barbiere di Siviglia

Komische Oper in zwei Akten
Libretto von Cesare Sterbini
nach der gleichnamigen Komödie von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais
Musik von Gioachino Rossini

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2 h 55' (eine Pause)

Premiere im Opernhaus Wuppertal am 29. November 2025


Wuppertaler Bühnen
(Homepage)
Witziger Barbiere in abstraktem Ambiente

Von Thomas Molke / Fotos: © Matthias Jung

Nachdem an den meisten Bühnen in NRW bereits mehrere Produktionen in dieser Spielzeit Premiere gefeiert haben, starten die Wuppertaler Bühnen relativ spät mit ihrer Eröffnungspremiere. Bis jetzt standen "nur" eine Neueinstudierung der Märchenoper Hänsel und Gretel vom damaligen Operndirektor Johannes Weigand aus dem Jahr 2006, die er auch für das Anhaltische Theater Dessau, seine momentane Wirkungsstätte als Generalintendant, eingerichtet hat, und die beiden Wiederaufnahmen Don Giovanni und Von Thalia geküsst aus der vergangenen Spielzeit auf dem Programm. Nun folgt als erste neue Produktion Il barbiere di Siviglia von Gioachino Rossini. Laut Rossini-Experte Philip Gossett gilt das Werk als die älteste italienische Oper, die seit ihrer Premiere nie aus dem Opernrepertoire verschwunden ist, auch wenn die Uraufführung am 20. Februar 1816 im Teatro Argentina in Rom mit Pfiffen bedacht worden war und dazu führte, dass Rossini sich für das Dirigat der zweiten Vorstellung krankmeldete. Ursache dafür waren aber wohl vor allem Anhänger von Giovanni Paisiellos gleichnamiger Oper, die 1772 in Sankt Petersburg zur Uraufführung gelangt war und seitdem in ganz Europa große Erfolge feierte. Doch Rossinis neue Musik konnte das Publikum schließlich so begeistern, dass Paisiellos Oper vollständig von den Spielplänen verdrängt wurde und in Vergessenheit geriet.

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Figaro (Zachary Wilson, links) will dem Grafen Almaviva (Charles Sy, in der Mitte) helfen, Rosina (Edith Grossman) aus den Fängen ihres Vormunds zu befreien.

Die schnelle Verbreitung von Rossinis Oper und die Übersetzungen - schon 1820 kam das Stück in Braunschweig in deutscher Sprache heraus - führten allerdings auch zu einer Menge Bearbeitungen, die die ursprüngliche Form bisweilen stark entstellten. Am bekanntesten ist wohl die Transponierung der Partie der Rosina von einer Mezzo- in eine Sopranstimme, so dass die berühmte Kavatine "Una voce poco fa" heute vor allem bei zahlreichen namhaften Koloratursopranistinnen zum Standardrepertoire gehört. Auch bei den übersetzten Texten haben sich bis zur Einführung der Übertitel zahlreiche Abweichungen eingeschlichen, die im Original nicht so stehen. So träumt beispielsweise in der Sorbetto-Arie die Hausangestellte Berta in der deutschen Übersetzung davon, den Dottore Bartolo für sich allein zu haben, während sie sich im italienischen Original nur über sein Werben um die wesentlich jüngere Rosina lustig macht. Erst Alberto Zeddas 1969 erschienene kritische Edition des Meisterwerkes führte dazu, dass die Bühnen immer mehr zur ursprünglichen Fassung zurückkehrten. Auf die große Schluss-Arie des Grafen im zweiten Akt, "Cessa di più resistere", wird aber an den meisten Häusern dennoch verzichtet. Rossini hatte sie als Glanzstück für den spanischen Star-Tenor Manuel García komponiert, der auch durchsetzen konnte, dass die Oper in Rom ursprünglich unter dem Titel Almaviva o sia L'inutile precauzione lief. Ein Jahr später verwendete Rossini die Melodie erneut für das Schluss-Rondo der Angelina in La Cenerentola, "Non più mesta", wo es dramaturgisch wesentlich mehr Sinn macht.

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Bartolo (Oliver Weidinger) will sein Mündel Rosina heiraten.

Das Regie-Team um Marie Robert siedelt die bekannte Geschichte, um den Grafen Almaviva, der mit Hilfe des findigen Figaro die schöne Rosina aus den Fängen ihres geldgierigen Vormunds Dottore Bartolo befreit, in einem zeitlosen, relativ abstrakt gehaltenen Ambiente an. Das Bühnenbild von Maira Bieler ist aus mehreren geometrischen, farblosen Formen zusammengesetzt, die zunächst die Straße vor Bartolos Haus andeuten, auf der der Graf seiner Angebeteten ein leidenschaftliches Ständchen bringt, und die später einen abstrakten Einblick in das Haus geben. Durch Einsatz der Bühnen-Hydraulik können einzelne Elemente auch im Bühnenboden versenkt werden. Die Kostüme von Petra Korink sind fantasievoll gehalten und überzeichnen die Figuren stark. Dies wird vor allem im starren Mantel des Dottore Bartolo deutlich, in dem er regelrecht versinkt, oder in der Haarpracht des Grafen und des Musiklehrers Don Basilio. Während Basilios schwarze Perücke von kleinen weißblonden Locken eingerahmt wird, wechselt die Haarfarbe des Grafen beim Deckhaar von dunkel zu hell und wird bei der Verkleidung als Musiklehrer Don Alonso im zweiten Akt umgedreht. Das birgt auch optisch komisches Potenzial.

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Der Musiklehrer Don Basilio (Agostino Subacchi, links) wundert sich über seinen vermeintlichen "Kollegen" (Charles Sy, Mitte) bei Dottore Bartolo (Oliver Weidinger, rechts)

In der Personenregie setzt Robert auf Tempo und Slapstick, was sich eng am musikalischen Fluss orientiert. Dennoch bleiben einige Einfälle unklar. So erschließt sich nicht, wieso Berta bei Robert keine Hausangestellte ist, sondern als Schneiderin in einem merkwürdig geschnittenen Kleid mit einem schwarzen Hut, der fast an eine Märchenhexe erinnert, bei Bartolo ein- und ausgeht. Auch ergibt sich ihre Zuneigung zum Musiklehrer Basilio nicht aus dem Libretto. Dass aus den beiden am Ende ebenfalls ein Paar wird, stört den Handlungsablauf zwar nicht weiter, ist allerdings genauso unnötig, wie der Auftritt des Herrenchors bei ihrer Sorbetto-Arie, in der sie in Roberts Sicht die Männerherzen höher schlagen lässt und schließlich wie eine Diva von der Bühne getragen wird. Unklar bleibt auch, wieso die Arie erst auf die Gewittermusik folgt. Die Inszenierung der Ouvertüre, bei der die einzelnen Figuren vorgestellt werden, bringt ebenfalls mehr Verwirrung als Klarheit, da nicht deutlich wird, welchen Kampf Figaro hinter dem geschlossenen Vorhang eigentlich führt, bevor er das Baustellen-Hütchen in den Eingang beim Vorhang stellt, um das alle umständlich herumlaufen müssen. Sieht man allerdings von diesen Punkten ab, gelingt Robert insgesamt eine unterhaltsame und kurzweilige Umsetzung der Geschichte mit zahlreichen pointierten Einfällen.

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Finale 1. Akt: von links: Basilio (Agostino Subacchi), Bartolo (Oliver Weidinger), Rosina (Edith Grossman), Berta (Xïa Wang), Figaro (Zachary Wilson) und Almaviva (Charles Sy), im Hintergrund: Herren des Opernchors

Dafür steht ihr ein spielfreudiges Ensemble zur Verfügung, das den Witz des Stückes mit ganzem Körpereinsatz umsetzt. Edith Grossman ist eine herrliche Rosina, die mit beweglichem Mezzosopran punktet und deren Stimme in den Höhen mit großer Strahlkraft begeistert. Dabei versprüht sie großen Charme und wird dem Charakter, den sie in der berühmten Arie "Una voce poco fa" beschreibt, szenisch absolut gerecht. Auch kostümtechnisch wird ihr auf der Bühne einiges abverlangt, wenn Bartolo sie als seine zukünftige Braut in ein anderes Outfit mit Halskrause und engem Mieder zwängen will. Dass sie nicht in diese Rolle passt, macht sie mit herrlich staksigen Bewegungen auf den hochhackigen Schuhen deutlich und befreit sich schließlich aus dem Korsett, um in hoffnungsvollem, sattem Grün den gemeinsamen Weg mit dem Grafen einzuschlagen, auch wenn man aus der Fortsetzung der Geschichte leider weiß, dass die Zukunft nicht so ungetrübt glücklich bleiben wird. Charles Sy wird zwar zu Beginn der Vorstellung von der Intendantin als leicht indisponiert angesagt, meistert die Partie des Almaviva allerdings mit sauberen Höhen und hellem Tenor. Auch darstellerisch begeistert er mit großem Spielwitz, wenn er am Ende des ersten Aktes als betrunkener Soldat über die Bühne torkelt oder im zweiten Akt als vermeintlicher Musiklehrer versucht, sich mit Rosina auszutauschen.

Zachary Wilson hat in der Titelpartie nicht nur darstellerisch den Schalk im Nacken und zieht die Strippen, so dass er sogar die Beleuchtung der Bühne zu dirigieren scheint. Auch stimmlich punktet er mit klarem Bariton und großer Beweglichkeit in der Stimme. Die schnellen Parlando-Passagen in seiner berühmten Kavatine "Largo al factotum" meistert er mit Bravour. Oliver Weidinger kann ebenfalls als Idealbesetzung für die Partie des Bartolo betrachtet werden. Er verfügt nicht nur über einen kraftvollen Bassbariton, mit dem er versucht, der Figur eine gewisse Autorität zu verleihen, sondern zeichnet sich auch durch großartige Komik aus, wenn er in seinem starren Mantel versinkt oder sehr konzentriert in festen Strukturen über die Bühne schreitet. Agostino Subacchi gestaltet den Musiklehrer Don Basilio mit dunklem Bass und großem Spielwitz. Als musikalische Höhepunkte des Abends können sicherlich seine große Arie "La calunnia è un venticello", in der er mit profunden Tiefen das aufziehende Gewitter, das aus dem lauen Lüftchen der Verleumdung entstehen kann, deutlich macht, und das Quintett im zweiten Akt bezeichnet werden, wenn er sich mit "Buena sera" nur widerwillig aus dem Haus schicken lässt. Als Gast rundet Xïa Wang als Berta mit hellem Sopran das Ensemble wunderbar ab.

Yorgos Ziavras zaubert aus dem Graben einen frischen Rossini-Sound, der tempomäßig gut auf den Gesang abgestimmt ist, und auch der von Ulrich Zippelius einstudierte Herren-Opernchor der Wuppertaler Bühnen überzeugt durch große Spielfreude und in kleineren solistischen Partien als Fiorillo, Offizier und Gitarrenspieler. So gibt es für alle Beteiligten am Ende großen und verdienten Applaus.

FAZIT

Diese Barbiere-Produktion dürfte ein Garant für gut besuchte Vorstellungen an der Wupper sein.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Yorgos Ziavras

Inszenierung
Marie Robert

Bühne
Maira Bieler

Kostüme
Petra Korink

Licht
Sina Kohn

Choreinstudierung
Ulrich Zippelius

Dramaturgie
Laura Knoll

 

Sinfonieorchester Wuppertal

Herren des Opernchors der
Wuppertaler Bühnen


Solistinnen und Solisten

*Premierenbesetzung

Graf Almaviva
*Charles Sy /
Jongyoung Kim

Bartolo
Oliver Weidinger

Rosina
*Edith Grossman /
Rosamond Thomas

Figaro
*Zachary Wilson /
Sono Yu

Basilio
Agostino Subacchi

Berta
Xïa Wang

Fiorillo
*Javier Horacio Zapata Vera /
David Jerusalem

Ein Offizier
*David Jerusalem /
Hak-Young Lee

 


Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Wuppertaler Bühnen
(Homepage)



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