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Musiktheater
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Frida

Ballett von Annabelle Lopez Ochoa
Musik von Peter Salem

Aufführungsdauer: ca. 2 h 5' (eine Pause)

Kooperation mit der Oper Wrocław

Premiere im Opernhaus Dortmund am 13. Februar 2026



Theater Dortmund
(Homepage)

Gezeichnet vom Tod

Von Thomas Molke / Foto: © Leszek Januszewski

Nachdem der neue Intendant des Balletts Dortmund und des NRW Juniorballetts, Dr. Jaš Otrin, im Oktober einen gelungenen Einstand mit Orffs Carmina Burana in der Choreographie von Edward Clug gefeiert hat (siehe auch unsere Rezension), wird der erfolgreiche Weg nun mit einem Ballett von Annabelle Lopez Ochoa fortgesetzt, die Otrin ebenso wie Clug als Artist in Residence nach Dortmund geholt hat, um den Weg der Ballettsparte in den folgenden Jahren mitzuprägen. Während Clug sich in seinem Ballettabend mit Orffs Carmina Burana einem Meisterwerk der Musik gewidmet hat, lässt Lopez Ochoa in ihrer Choreographie Tanz und Malerei zu einer betörenden Einheit verschmelzen und zeichnet ein bewegendes Bild der Malerin Frida Kahlo. Bereits 2020 widmete sie in Amsterdam beim Het Nationale Ballet dieser Ausnahmekünstlerin unter dem Titel Frida einen kompletten Ballettabend, der noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie am 6. Februar 2020 eine umjubelte Premiere feierte. Seitdem hat der Abend eine Reise um die Welt angetreten, wobei auch eine neue Version entstanden ist, bei der auf politische Bezüge in Kahlos Leben verzichtet wurde. In Dortmund ist nun diese Fassung zu erleben, die in Kooperation mit der Oper Wrocław entstanden ist.

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Toxische Beziehung: Frida (Sae Tamura) und Diego (Filip Kvačák)

Erzählt wird in mehreren Stationen die Lebens- und Leidensgeschichte von Frida Kahlo, die seit ihrer Jugend mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat. Früh erkrankt sie an Kinderlähmung, so dass ihr rechtes Bein dünner und kürzer als ihr linkes bleibt. Bei einer Busfahrt erleidet sie einen schweren Unfall, bei dem sie sich Brüche an der Wirbelsäule, Becken, Schlüsselbein und beiden Beinen zuzieht. Die körperliche Versehrtheit versucht sie in zahllosen Selbstbildnissen mit hoffnungsvollen Farben zu verarbeiten. Bald trifft sie auf den wesentlich älteren mexikanischen Wandmaler Diego Rivera, den sie heiratet und trotz seiner ständigen Untreue leidenschaftlich liebt, was ihr weitere seelische Qualen zufügt. Noch schmerzlicher ist die Tatsache, dass sie aufgrund ihrer körperlichen Beeinträchtigungen keine Kinder bekommen kann. Immer mehr versucht sie ihren Schmerz in Kunst umzuwandeln, so dass aus ihrem Leid ihre berühmtesten Gemälde entstehen, bis sie im Alter von 47 Jahren stirbt.

Zur Musik von Peter Salem, der als Auftragskomponist diesen Leidensweg in sehr atmosphärische Klänge übersetzt hat, setzt Lopez Ochoa diese Lebensgeschichte im Tanz nun mit einer großartigen Lichtgestaltung (Christopher Ash), die die kraftvoll bunten Farben der Gemälde einfängt, und großartigen Kostümen um, die Kahlos Bilder lebendig werden lassen. Kostümbildnerin Dieuweke van Reij schöpft hier aus dem Vollen und hat die zahlreichen Selbstbildnisse Fridas in farbenprächtigen Tehuana-Gewändern eingefangen. So stellen acht Tänzer in unterschiedlichen Farben und variablem Kopfschmuck eine Inkarnation Fridas dar und stehen für ihre schöpferische Ausdruckskraft. Frida selbst verschmilzt mit ihnen in einem satten Orange zu einer Einheit, wobei die weiten Gewänder sehr grazile Bewegungen in einer großartigen Ästhetik ermöglichen. Auch weitere Kostüme nehmen Bezug auf Kahlos Bilder. So tritt beispielsweise ein Reh auf, das Kahlo selbst einmal als ihr mystisches Ego bezeichnet hat und das ihr die heilende Kraft der Malerei vermittelt haben soll. Bezaubernd ist auch der bunte Vogel gestaltet, der sich hoffnungsvoll über die Bühne bewegt und Frida am Ende ihres Lebens so wie ihre Kunst überlebt und ihren Ruhm fortleben lässt.

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Tanz mit dem Tod: Frida (Sae Tamura) und das haarige Skelett (Simon Jones)

Doch neben diesen farbenfrohen Momenten wird an diesem Abend auch die düstere Seite nicht ausgespart. So gibt es zahlreiche Skelette, Männer und Frauen, die mit grell leuchtenden Totenköpfen Fridas Lebensweg begleiten. So beginnt der Ballettabend auch am "Dia de los muertos", einem traditionellen Tag, an dem in Mexiko der Toten gedacht wird. Auf einem riesigen Kasten, der sich zu mehreren unterschiedlichen Bühnenelementen öffnen lässt, erscheinen zahlreiche Skelette, die eine zunächst sehr düstere Stimmung verbreiten. In diese bedrückende Atmosphäre platzt eine jugendliche und unbeschwerte Frida, die mit ihrem Jugendfreund Alejandro tanzt. Sae Tamura versprüht hier mit federleichten Bewegungen eine Lebensfreude, die kaum zu bändigen ist. Mit großer Sicherheit schüttelt sie die Skelette, die ihrer habhaft werden wollen, ab. Mit Drahtgestellen werden mehrere Autos angedeutet, die bei dieser Feier über die Straßen fahren, bis es zu dem verheerenden Unfall kommt, der auch musikalisch eine Wende bringt. Das Bühnenbild öffnet sich und zeigt ein kaltes Krankenzimmer, in dem das Reh erscheint und Frida Trost spendet. Emporgehoben von den roten Armen der "roten Frida" entstehen nun ihre Selbstporträts, die ihr wieder Kraft geben.

Während dieser Part von den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Olivia Lee-Gundermann live begleitet wird, werden in den Szenen mit Diego lateinamerikanische Lieder von Chavela Vargas eingespielt, die selbst eine enge Beziehung zu Frida gehabt haben soll. In der Verfilmung von Frida verkörperte sie den Tod, weshalb sich Frida im Ballett in ein leidenschaftliches Pas de deux mit einem weiblichen Skelett stürzt, was von Diego barsch gestört wird. Filip Kvačák legt den Diego mit viril strotzender Kraft an, der bei aller Untreue trotzdem eine große Anziehung auf Frida ausübt und ihr immerhin in der letzten Stunde ihres Lebens beisteht.

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Frida (Sae Tamura) vor ihrem Tod

Einen sehr ergreifenden Moment schafft Lopez Ochoa vor der Pause, wenn Fridas Kinderwunsch thematisiert wird. Eine Puppe mit riesigem Totenkopf wird über die Bühne getragen, die andeutet, dass Frida keine Kinder bekommen kann. Vor einem roten Auge im Hintergrund, bei dem man meint, eine Träne zu erkennen, werden rote Fäden aus dem Schnürboden herabgelassen, die wohl für die Nabelschnur stehen. In diesen Fäden verfängt sich Frida, bis die Fäden schließlich alle aus dem Schnürboden herabfallen und in kleinen roten Häufchen auf der Bühne liegen. Aber auch das versucht Frida in ihren Gemälden später positiv umzudeuten, indem beispielsweise die pittoresken Schmetterlinge im zweiten Akt einen roten Kopfschmuck tragen, der so wirkt, als sei er aus diesen roten Knäueln zusammengesetzt. Auch zwei der bedeutendsten Werke Kahlos lässt Lopez Ochoa im zweiten Akt in Gestalt von zwei Tänzerinnen auftreten. So sieht man zum einen die viktorianische Frida aus dem Gemälde "Las dos Fridas" in einem opulenten weißen Kleid, die aber nicht wie auf dem Gemälde gedoppelt wird, sondern mit dem Selbstbildnis aus "La columna rota" verbunden wird, so dass Traum und Realität, zwischen denen Kahlo sich ständig bewegt, zusammengeführt werden. Noch intensiver wird das Ende gestaltet, wenn sich das Bühnenelement öffnet und die buntesten Farben eines Schmetterlings zeigt, mit denen Frida zu einer Einheit verschmilzt, bevor sie ihr Leben aushaucht. Dieses Bild spendet bei aller Trauer doch ein wenig Trost.

Tänzerisch begeistern das Ballett Dortmund und das NRW Juniorballett auf sehr hohem Niveau. Allen voran ist die großartige Sae Tamura als Frida zu nennen, die die unbändige Energie der Künstlerin intensiv umsetzt. Dabei bewegt sie sich mit einer scheinbaren Leichtigkeit und lässt sich trotz zahlreicher schwerer Schicksalsschläge, die sie erleidet, nicht unterkriegen. Liberty Fergus gestaltet das Reh mit sauberem Spitzentanz und begeistert durch sehr filigranes Bewegungsvokabular. Das gleiche gilt für Kasumi Iwata als Vogel. Die männlichen Verkörperungen Fridas stellen in ihren fließenden Bewegungen einen deutlichen Kontrast zu den Bedrohungen dar, die die Skelette vermitteln, und auch die Schmetterlinge vermitteln eine enorme Leichtigkeit. Die Dortmunder Philharmoniker untermalen unter der Leitung von Olivia Lee-Gundermann den Tanz mit spannenden perkussiven Klängen, die wunderbar zur Geschichte passen. So gibt es für alle Beteiligten verdiente stehende Ovationen.

FAZIT

Annabelle Ochoa Lopez' Choreographie lässt auf ästhetisch faszinierende Weise Tanz und Farben verschmelzen und zeichnet ein bewegendes Bild von Frida Kahlo, das vom Ballett Dortmund großartig umgesetzt wird.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
*Olivia Lee-Gundermann /
Koji Ishizaka /
Matthew Rowe

Choreographie, Konzept und
Libretto
Annabelle Lopez Ochoa

Bühne und Kostüme
Dieuweke van Reij

Lichtdesign
Christopher Ash

Dramaturgie
Nancy Meckler

Choreographische Einstudierung
Steve Coutereel

Choreographische Assistenz
Bojana Nanadović

 

Dortmunder Philharmoniker

 

Solistinnen und Solisten

*Premierenbesetzung

Frida
*Sae Tamura /
Júlia Baró Claveria /
Yingyue Wang

Diego
*Filip Kvačák /
Javier Cacheiro Alemán /
Maksym Palamarchuk

Das Reh
*Liberty Fergus /
Teodora Neacsu

Der Vogel
*Kasumi Iwata /
Manuela Souza /
Karin Sakaguchi

Königin der Blätter
*Daria Suzi /
Sae Tamura /
Ekaterine Surmava /
Selen Gür

Viktorianische Frida
*Paulina Bidzińska /
Daria Suzi /
Selen Gür

Frida mit gebrochener Wirbelsäule
*Júlia Baró Claveria /
Teodora Neacsu /
Selen Gür /
Paulina Bidzińska

Cristina
*Giuditta Vitiello /
Yingyue Wang /
Selen Gür

Alejandro
*Anatole Coste /
Simone Dalé /
António Ferreira

Mätresse 1
*Daria Suzi /
Giuditta Vitiello

Mätresse 2
*Giuditta Vitiello /
Manuela Souza /
Amanda Vieira

Mätresse 3
*Yingyue Wang /
Kasumi Iwata /
Paulina Bidzińska

Skelette Herren
Haariges Skelett
*Simon Jones /
Guillem Rojo i Gallego
Damian Huiduc Manolescu

Skelett 1
*Simon Jones /
Guillem Rojo i Gallego
Damian Huiduc Manolescu

Skelett 2
*Samuel Bassler /
Devon Luxton /
Damian Huiduc Manolescu

Skelett 3
*Guillem Rojo i Gallego /
Luke Talirz /
Devon Luxton

Skelett 4
*Maksym Palamarchuk /
Devon Luxton

Skelett 5
*Jasmine Cameron /
Simone Dalé

Skelette Damen
Skelett 1
*Manuela Souza /
Kasumi Iwata /
Karin Sakaguchi

Skelett 2
*Giuditta Vitiello /
Amanda Vieira /
Karin Sakaguchi

Skelett 3
*Paulina Bidzińska /
Selen Gür

Skelett 4
*Júlia Baró Claveria /
Karin Sakaguchi

Skelett 5
*Yingyue Wang /
Karin Sakaguchi

Skelett 6
*Jasmine Cameron /
Karin Sakaguchi

Skelett 7
*Selen Gür /
Karin Sakaguchi

Skelett 8
Liberty Fergus /
*Teodora Neacsu

Skelett 9
*Karin Sakaguchi /
Daria Suzi /
Sae Tamura

Männliche Verkörperungen von Frida
Grüne Frida
*Luke Talirz /
Javier Cacheiro Alemán /
Filip Kvačák

Hellblaue Frida
*António Ferreira /
Anatole Coste /
Lúcio Kalbusch

Violette Frida
*Keigo Muto /
Kaining Dong /
Lúcio Kalbusch

Gelbe Frida
*Matheus Vaz /
Kaining Dong

Rote Frida
*Damian Huiduc Manolescu /
Luke Talirz

Blaugrüne Frida
*Anatole Coste /
Simone Dalé /
Lúcio Kalbusch

Dunkelblaue Frida
*Francesco Nigro /
Javier Cacheiro Alemán /
Filip Kvačák

Rosa Frida
*Kaining Dong /
Lúcio Kalbusch

Todes-Schmetterlinge
Schmetterling 1
*Manuela Souza /
Jasmine Cameron /
Karin Sakaguchi

Schmetterling 2
*Giuditta Vitiello /
Amanda Vieira

Schmetterling 3
*Selen Gür /
Paulina Bidzińska /
Kasumi Iwata

Schmetterling 4
*Daria Suzi /
Sae Tamura

Blätter
*Júlia Baró Claveria
*Jasmine Cameron
Liberty Fergus
*Karin Sakaguchi
*Manuela Souza
Ekaterine Surmava
*Giuditta Vitiello
*Yingyue Wang
*Paulina Bidzińska
*Selen Gür
Kasumi Iwata
*Teodora Neacsu
Ekaterine Surmava
Daria Suzi
Amanda Vieira

Haarige Skelette
Haariges Skelett 1
*Karin Sakaguchi /
Selen Gür

Haariges Skelett 2
*Yingyue Wang /
Selen Gür

Haariges Skelett 3
*Manuela Souza /
Kasumi Iwata

Haariges Skelett 4
*Jasmine Cameron /
Ekaterine Surmava

Haariges Skelett 5
*Selen Gür /
Teodora Neacsu

Haariges Skelett 6
Liberty Fergus /
*Teodora Neacsu /
Paulina Bidzińska


Weitere Informationen
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Theater Dortmund
(Homepage)



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