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The Wreckers

Oper in drei Akten
Text von Ethel Smyth und A. Strettel nach einem Libretto von Henry Brewster
Musik von Ethel Smyth
Fassung von 1909


in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 45' (eine Pause)

Premiere im Theater Detmold am 6. März 2026


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Landestheater Detmold
(Homepage)
Wie kann sich der Einzelne gegen eine moralisch korrumpierte Gesellschaft wehren?

Von Stefan Schmöe / Fotos von Jochen Quast

Sie glauben Gott und damit das Recht auf ihrer Seite, die Bewohner eines kleinen Dorfes an der Küste Cornwalls. Denn hier lebt man davon, leckgeschlagene Schiffe zu plündern: "Wreckers", das sind die Strandräuber, die Schiffswracks und deren Ladung nach Strandrecht als ihr Eigentum deklarieren. Vorausgesetzt, es gibt keine Überlebenden der Havarie. Da muss man notfalls nachhelfen, so wie man auch tunlichst vermeidet, Leuchtfeuer zu setzen, die vor den Klippen warnen könnten. Als Gottes auserwählte Gemeinde darf man das. Es ist bestürzend, wie aktuell dieses Denkmuster in einer politischen Großwetterlage ist, die vermehrt auf das Recht des Stärkeren setzt.

Szenenfoto Thirza hat sich von ihrem viel älteren Gatten Pascoe, dem Dorfprediger,entfremdet.

Die Inszenierung von Intendantin Kirsten Uttendorf gibt sich allerdings unpolitisch und erzählt solide, aber ziemlich brav die Geschichte des einen Aufrechten, der heimlich Strandfeuer anzündet und dadurch die Schiffe von der gefährlichen Küste fernhält - was die wirtschaftliche Grundlage der Gemeinde massiv gefährdet. Und wie es sich für eine romantische Oper gehört, gibt es eine junge Frau, die in den einsamen Helden Mark verliebt ist und am Ende mit ihm den Liebestod stirbt: Thirza, unglücklich mit dem viel älteren Dorfprediger Pascoe verheiratet. Uttendorf lässt die beiden nicht in einer Höhle ertrinken, wie das Libretto das eigentlich vorsieht, sondern die letzten Worte gemeinsam vor dem geschlossenen Vorhang singen, Umarmung eingeschlossen - was leider arg nach Operettenfinale statt nach der großen, mitreißenden Oper aussieht, die man gerade erlebt hat. Und bei der man sich einmal mehr verwundert die Augen oder besser die Ohren reibt, warum dieses Werk so lange vergessen war und sich erst jetzt allmählich den verdienten Platz im Repertoire erkämpft.

Szenenfoto

Avis hatte einst ein Verhältnis mit Mark und liebt ihn noch immer - was operngemäß eine tödliche Intrige in Gang setzt.

Komponistin Ethel Smyth (1858 - 1944), eine schillernde Figur der Musikgeschichte wie der Frauenrechtsbewegung, hat The Wreckers ursprünglich auf ein Libretto in französischer Sprache von Henry Brewster komponiert - davon versprachen sich Brewster wie Smyth größeren Erfolg. Dann aber nahm die Oper Leipzig 1906 das Werk zur Uraufführung an, in deutscher Übersetzung und in einer derart entstellten Fassung, dass Smyth umgehend das Aufführungsmaterial eigenhändig einsammelte, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Für die englische Erstaufführung 1909 in London unter der Leitung von Thomas Beecham entstand eine neue Version in englischer Übersetzung, die auch für diese Detmolder Produktion verwendet wird. The Wreckers ist eine große Choroper (Chor und Extrachor des Landestheaters singen homogen und klangschön und bei aller Klangentfaltung nie lärmend) mit einem packenden Chorfinale und einer großen zentralen Liebesszene im zweiten Akt, die von der Konzeption an Tristan und Isolde erinnert, ohne an Wagners metaphysische Abgründe heranzureichen. Hier steigert sich das Paar, hin- und hergerissen zwischen moralischer Verantwortung und Liebe, in eine Vision irgendwo zwischen gemeinsamer Flucht und Vereinigung im Tod hinein.

Szenenfoto Die Nacht der Liebe in der Version von Ethel Smyth: Thirza und Mark entzünden ein letztes Mal ein Leuchtfeuer.

Ji-Woon Kim singt den Fischer Mark mit baritonal dunkel grundiertem, in der Höhe strahlendem und kraftvollem Tenor und spielt ihn mit naiven Charme. Lotte Kortenhaus als (szenisch von der Regie arg bieder angelegte) Thirza besticht durch ihren lyrisch geprägten, gleichwohl gut die großen Ausbrüche meisternden Sopran. An dramatischer Durchschlagskraft ist ihr Johanna Nylund in der Rolle der leicht mondänen Rivalin Avis überlegen, bleibt dabei immer klangschön. Marcel Brunner gibt den Dorfprediger Pascoe mit smartem Bariton als noch vergleichsweise jungen, nicht unattraktiven Mann. Man nimmt ihm die Fassungslosigkeit ab, die er an den Tag legt, als er die Beziehung seiner Frau Thirza zu dem Rebellen Mark und ihre Komplizenschaft realisiert.

Szenenfoto

Tribunal: Zunächst hält man Pascoe für denjenigen, der gegen den Willen der Dorfgemeinschaft die Leuchtfeuer anzündet.

Die Regie konzentriert sich mehr auf die Liebesgeschichte als auf die moralische Dimension des Widerstands gegen eine nur auf den eigenen Vorteil fixierte Gesellschaft. Das Bühnenbild (Jule Dohrn-van Rossum) möchte mit ein paar Stegen und angedeuteten Gebäuden aus Holzplanken auf die geplünderten Schiffe hinweisen - nur sehen diese Bretter in hellem, sauberen Holz aus, als kämen sie frisch aus dem Baumarkt, und die ganze Anordnung erinnert mehr an einen Abenteuerspielplatz als an ein Dorf am Rand der Zivilisation. Die in blassen Tönen zwischen hellbraun und grau gehaltenen Kostüme (Claus Stump) vereinen Kleidungsstücke verschiedener Epochen und heben das Zeitlose, eben auch Moderne der Geschichte hervor. Kirsten Uttendorf kann in der beinahe oratorisch angelegten Schlussszene, in der über das Schicksal der überführten "Übeltäter" Mark und Thirza verhandelt wird, Spannung erzeugen, bleibt aber insgesamt dem Werk einiges an Brisanz schuldig - die Karlsruher Inszenierung von Keith Warner (unsere Rezension) war im Vergleich dazu ungleich beklemmender. Dem Jubel des Detmolder Premierenpublikums tat das keinen Abbruch, woran auch die zupackende orchestrale Interpretation des konzentriert spielenden Orchesters unter der Leitung von Chefdirigent Per-Otto Johansson erheblichen Anteil hatte.


FAZIT

Die musikalisch beeindruckenden Produktion liefert starke Argumente dafür, The Wreckers häufiger zu spielen, auch wenn die Regie allzu harmlos bleibt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Per-Otto Johansson

Inszenierung
Kirsten Uttendorf

Bühne
Jule Dohrn-van Rossum

Kostüme
Claus Stump

Licht
Jonas Müller

Chor
Francesco Damiani

Dramaturgie
Katharina Schellenberg



Statisterie des
Landestheaters Detmold

Extrachor und Opernchor des
Landestheaters Detmold

Symphonisches Orchester des
Landestheaters Detmold


Solisten

Pascoe
Marcel Brunner

Lawrence
Jonah Spungin

Harvey
Jaime Mondaca Galaz

Tallan
Nikos Striezel

Jack
Franziska Pfalzgraf

Mark
Ji-Woon Kim

Thirza
Lotte Kortenhaus

Avis
Johanna Nylund



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Landestheater Detmold
(Homepage)



Da capo al Fine

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