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Wexford Festival Opera
17.10.2025 - 01.11.2025


Von Thomas Molke

Blick auf Wexford am Abend

Während sich andernorts die großen und kleinen Opernbühnen wieder mitten im normalen Spielbetrieb befinden, lockt das Wexford Festival Opera zum mittlerweile 74. Mal Operninteressierte aus aller Welt in das beschauliche Küstenstädtchen an der Südostküste Irlands, um Opernraritäten jenseits des gängigen Repertoires zu präsentieren. 2020 hat Rosetta Cucchi die künstlerische Leitung des Festivals übernommen und jede Festspiel-Saison unter ein spezielles Motto gestellt. Nachdem sie 2024 mit "Theatre within Theatre" einen sehr komödiantischen Blick hinter die Bretter, die die Welt bedeuten, ermöglicht hat, wandelt sie in diesem Jahr unter dem Motto "Myths & Legends" in ganz anderen Sphären. Neben den drei Hauptproduktionen, die einen Bogen vom 18. bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert spannen, gibt es auch wieder eine Produktion der von Cucchi installierten "Wexford Factory", zwei "Pocket-Operas", das sich immer größerer Beliebtheit erfreuende Projekt "Community Opera", Konzerte, Recitals, zahlreiche Pop-Up-Events und vieles mehr. So wird auch 2025 in den 16 Tagen des Festivals keine Langeweile aufkommen.

Das National Opera House, Blick aus dem Zuschauerraum

Den Anfang macht am 17. Oktober 2025 um 20.00 Uhr im National Opera House das Werk eines Komponisten, das man auf den ersten Blick nicht bei einem Festival erwartet, das sich auf die Ausgrabung unbekannter Werke spezialisiert hat: Giuseppe Verdis Il trovatore. Damit es allerdings dennoch einen Seltenheitscharakter hat, spielt man die französische Fassung Le Trouvère, die Verdi wie mehrere seiner anderen Oper für die französische Oper umgewandelt und den Konventionen der Grand Opéra angepasst hat. Natürlich darf in dieser Version auch die obligatorische Balletteinlage nicht fehlen, doch auch ansonsten verspricht Cucchi zahlreiche Unterschiede zu der italienischen Partitur, so dass es auch für eingefleischte Verdi-Fans hier einiges an Unbekanntem zu entdecken geben dürfte. Für die musikalische Leitung ist Verdi-Spezialist Marcus Bosch verpflichtet worden, der seit einigen Jahren bei den Opernfestspielen Heidenheim mit einer Reihe für Aufsehen sorgt, die die frühen Verdi-Opern in chronologischer Reihenfolge herausbringt. In Wexford leitete er bereits 2021 die konzertante Aufführung von Goldmarks Ein Wintermärchen, und Cucchi ist auch ein gern gesehener Gast in Heidenheim. Nach Puccinis Madama Butterfly im vergangenen Jahr wird sie bei den Festspielen 2026 dort Verdis Otello inszenieren. Als Troubadour Manrique ist Edoardo Niave zu erleben. Die Partie der Léonore übernimmt die US-amerikanische Sopranistin Lydia Grindatto. Als weitere Besetzungen sind Giorgi Lomiseli als Comte de Luna und Kseniia Nikolaieva als Azucena zu nennen. Mit Jade Phoenix als Inès und Conor Prendiville als Ruiz kehren auch zwei ehemalige Studenten der Wexford Factory nach Wexford zurück. (Weitere Termine: 21., 24. und 29. Oktober 2025 und 1. November 2025 jeweils um 19.30 Uhr)

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Das National Opera House, Blick in den Zuschauerraum

Weiter geht es am 18. Oktober 2025 um 19.30 Uhr im National Opera House mit einer Koproduktion mit den Internationalen Händel-Festspielen in Göttingen. In der Regie und unter der musikalischen Leitung des dortigen Festivalleiters George Petrou kommt Händels letzte Oper Deidamia zur Aufführung. Da die Begeisterung 1741 für die große italienische Opera seria in London vorbei war, widmete sich Händel anschließend nur noch dem englischsprachigen Oratorium, mit dem er dann an seine früheren Opernerfolge nahtlos anknüpfen konnte. Deidamia ist die Tochter des Lycomedes, der auf seiner Insel den als Mädchen verkleideten Achilles versteckt hält, damit dieser nicht in den Trojanischen Krieg ziehen muss. Doch Achilles' Verkleidung fliegt natürlich auf, zum einen, weil er sich in Deidamia verliebt, zum anderen weil Odysseus eine geschickte List anwendet. In der Titelpartie ist Sophie Junker zu erleben. Für die Partie des Achilles hat man den Starsopranisten Bruno de Sá engagiert. Die Partie des listenreichen Ulysses übernimmt der gefragte Countertenor Nicolò Balducci. (Weitere Aufführungen: 22. und 30. Oktober 2025 jeweils um 19.30 Uhr und 26. Oktober 2025 um 17.00 Uhr)

Als dritte große Opernproduktion steht am 19. Oktober 2025 um 19.30 Uhr im National Opera House Premiere ein relativ unbekanntes Werk von Frederick Delius auf dem Programm: The Magic Fountain. Delius selbst konnte seine Ende des 19. Jahhunderts komponierte Oper über eine magische Quelle, die ewige Jugend verspricht, nicht mehr auf der Bühne erleben. Die Uraufführung fand erst posthum statt, und zwar 1977 konzertant und 1997 szenisch. Nach Delius' A Village Romeo and Juliet 2012 widmet man sich in Wexford 15 Jahre später erneut diesem englischen Komponisten. In den Hauptpartien sind Dominick Chenes als Solano, Axelle Saint-Cirel als Watawa und Kamohelo Tsotetsi als Wapanacki zu erleben. Die musikalische Leitung übernimmt Francesco Cilluffo. Regie führt Christopher Luscombe. (Weitere Aufführungen: 23., 25. und 31. Oktober 2025 jeweils um 19.30 Uhr)

Als "Pocket Operas / Opera Beag" stehen in diesem Jahr ein bekanntes und ein relativ unbekanntes Werk im Jerome Hynes Theatre auf dem Programm. Den Anfang macht am 18. Oktober 2025 um 15.00 Uhr La Tragédie de Carmen. Unter diesem Titel schuf Peter Brook 1981 eine gekürzte Fassung von Bizets Opernklassiker, in der er sich auf die vier Hauptcharaktere Carmen, Don José, Escamillo und Micaëla konzentriert. In der Titelpartie ist Sarah Richmond zu erleben. (Weitere Termine: 20., 22., 24., 26., 28., 30. Oktober 2025 und 1. November 2025 jeweils um 11.00 Uhr)

Als eher unbekanntes Werk folgt dann am 19. Oktober 2025 um 11.00 Uhr im Jerome Hynes Theatre Alexander Zemlinskys The Dwarf. Die Geschichte basiert auf dem Kunstmärchen The Birthday of the Infanta von Oscar Wilde und handelt von einem Zwerg, den ein Sultan der spanischen Prinzessin Donna Clara zum Geburtstag schenkt und der sich unsterblich in die Prinzessin verliebt. (Weitere Termine: 21. und 27. Oktober 2025 jeweils um 11.00 Uhr und 23., 25., 30. und 31. Oktober 2025 jeweils um 15.00 Uhr)

Fortgesetzt wird natürlich auch die von Cucchi 2020 gegründete "Wexford Factory", die junge Künstlerinnen und Künstler über einen Zeitraum von zwei Jahren auf ihrem beruflichen Weg begleitet. Kooperiert wird hierbei neben der Technological University Dublin und der Royal Irish Academy of Music mit der Rossini-Opera Festival "Alberto Zedda" Akademie in Pesaro. 2025 geht die aktuelle Gruppe, die auch in kleineren Partien in den anderen Opernproduktionen und bei den Pop-Up-Events zu erleben ist, ins zweite und letzte Jahr und präsentiert Rossinis Il viaggio a Reims in der Regie von Rosetta Cucchi. (Aufführungen: 20. und 27. Oktober 2025 jeweils um 19.30 Uhr und 25., 29. und 31. Oktober 2025 jeweils um 11.00 Uhr im National Opera House)

Das 2023 gestartete Projekt "Community Opera", bei dem Ortsansässige mit den Künstlerinnen und Künstlern in Workshops über das ganze Jahr eine Opernproduktion im Grain Store at Stonebridge als "Walk-through-Production" erarbeiten, hat sich mittlerweile zu einem regelrechten Publikumsrenner entwickelt. In diesem Jahr steht eine Adapation von Benjamin Brittens A Little Midsummer Night's Dream auf dem Programm. (Termine: 17. Oktober 2025 um 17.00 Uhr, 21., 24.,  28. Oktober 2025 und 1. November 2025 jeweils um 16.30 Uhr)

Ergänzt wird das Programm durch die beliebten Lunchtime Recitals in der St. Iberius Church, ein Galakonzert, die "Impossible Interviews", mehrere Late-Night-Veranstaltungen und zahlreiche Pop-Up-Events.

Das komplette Programm finden Sie unter www.wexfordopera.com.

 

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unsere Rezensionen:

 

 

Le Trouvère

Deidamia

The Magic Fountain

Il viaggio a Reims

La Tragédie de Carmen

The Dwarf

A Little Midsummer Night's Dream

Pressekonferenz mit Rosetta Cucchi
zum Wexford Festival Opera 2026



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